Rekrutierung von Musikschülern
Den Baselbieter Musikschulen fehlen die wichtigsten Werbeinstrumente

Fernsehspots und individuelle Beratungen ersetzen derzeit die sonst üblichen Infoanlässe, Konzerte und Tage der offenen Türen. Die Anmeldungen sind rückläufig, aber ohne finanzielle Folgen.

Simon Tschopp
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Streichkonzert mit Musikschülerinnen und -schülern.

Streichkonzert mit Musikschülerinnen und -schülern.

Bild: zvg

Die Musikschulen sind ihrer besten Werbemöglichkeiten beraubt. Schon zum zweiten Mal fielen die traditionellen Frühjahrs-Infoanlässe der Coronapandemie zum Opfer. Auch Konzerte und Tage der offenen Türen sind nicht in gewohnter Art möglich. Kinder der 1. bis 3. Primarklasse werden bei solchen Veranstaltungen an ein Instrument herangeführt, und sie erhalten die Grundlage, auf welchen Instrumenten sie lernen wollen.

Der Nachteil von Beratungsgesprächen

Nachdem Corona die Musikschulen im vergangenen Jahr völlig unvorbereitet getroffen und sie vor enorme Schwierigkeiten gestellt hatte, konnten sie sich heuer vorbereiten. Die Baselbieter Musikschulen liessen – in Zusammenarbeit mit der Musikschule Basel – Werbespots auf einem regionalen Fernsehsender laufen und boten individuelle Beratungstermine an, für die man sich online anmelden konnte.

«Statt Konzerte für die Kinder produzierten die meisten Musikschulen Videos über ihre Angebote, quasi Onlinekonzerte»,

erklärt Franco Tosi vom Vorstand des Verbands Musikschulen Baselland.

Tosi leitet die Musikschule Reinach. Dort konnten die Schülerinnen und Schüler die Videos im Klassenverband anschauen und anhören. Daraufhin konnten an einem Samstag gleich 200 Beratungsgespräche durchgeführt werden. Nachteilig ist hier, dass sich die Kinder für zwei Instrumente entscheiden müssen; an öffentlichen Anlässen können sie die ganze Vielfalt entdecken.

«Die vielen Beratungen sind ein riesiger Erfolg, aber die Anmeldungen bleiben grösstenteils noch aus»,

sagt Franco Tosi. Nun gehen die Verantwortlichen der Reinacher Musikschule nochmals auf die Eltern zu, mit deren Kindern Beratungsgespräche stattgefunden haben.

Der Musikunterricht ist freiwillig. Deshalb müssen die Musikschulen – im Gegensatz zu Volksschulen – aktiv um Kinder und Jugendliche werben. Der Unterricht ist subventioniert; zwei Drittel der Kosten übernehmen die jeweiligen Trägergemeinden, maximal ein Drittel geht zu Lasten der Eltern.

Finanzielle Folgen bleiben aus

Im vergangenen Jahr gingen die Neuanmeldungen in den Baselbieter Musikschulen insgesamt zurück. Dazu Tosi:

«Es gab Schulen, die gleich viele oder mehr Anmeldungen hatten. Der grösste Teil verzeichnete jedoch einen Rückgang.»

Finanzielle Folgen hat die Pandemie auf die Musikschulen keine. Weil diese weniger Schüler unterrichten, sind auch die Lohnkosten der Lehrpersonen, die reduzierte Pensen gewärtigen müssen, geringer. Das wiegt sich in etwa auf.

Musikschüler litten zwar nie unter Übungsverboten, sie mussten sich aber mit Einschränkungen abfinden. Ab der 5. Klasse gilt bei ihnen ebenfalls Maskenpflicht. Bei Bläsern durfte bloss zu viert oder zu sechst geprobt werden – und dies auch nur mit grösseren Abständen. Dazu war in Reinach ein Teil der Räume zu klein, sodass Unterrichtseinheiten verlegt werden mussten. «Seit den Lockerungen im März können wir aber das ganze Angebot wieder erteilen», freut sich Tosi, der Klarinette lehrt.

15 Schulen, 8800 Kinder und Jugendliche

Dem Verband Musikschulen Baselland gehören 15 Schulen an. Laut Statistik wurden 2018 über 8800 Kinder und Jugendliche auf gegen 23 verschiedenen Instrumenten unterrichtet. Überall besteht gemäss Bildungsgesetz ein Grundangebot, darüber hinaus werden weitere Fächer angeboten. Nach Anzahl Lektionen gehören Leimental, Liestal, Binningen-Bottmingen, Allschwil und Sissach zu den grössten hiesigen Musikschulen, Birsfelden und Aesch-Pfeffingen zu den kleineren.

Videos unter www.vmbl.ch

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