Reinach
«Dieses Trottoir hat Schwindsucht»: Anwohner ärgert sich über Mini-Gehweg

In Reinach wurde eine Strasse saniert. Statt eines aufgemalten liess die Gemeinde ein richtiges Trottoir erstellen. Nur ist es stellenweise kaum breiter, als ein Lineal lang ist. Das sei gefährlich, moniert ein Anwohner.

Benjamin Wieland
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Nur für ganz dünne Menschen: Reinach hat das wohl schmalste Trottoir des ganzen Kantons.

Nur für ganz dünne Menschen: Reinach hat das wohl schmalste Trottoir des ganzen Kantons.

Juri Junkov

In Reinach gibt es ein Trottoir, das stellenweise so schmal ist, dass sich Fussgänger nicht kreuzen könnten. An manchen Stellen hätten selbst schlanke Menschen Mühe, darauf zu gehen, ohne auf die Fahrbahn ausweichen zu müssen – doch die Gemeinde wollte das Trottoir so. Genau so.

Für Wilhelm Kiefer steht fest: «Hier hat irgendjemand etwas geplant, ohne sich zu überlegen, ob das auch praktikabel ist.» Der Anwohner bezeichnet das Trottoir als «teure Fehlplanung» und eine «Verschlimmbesserung». Der Krummenrainweg verläuft zwischen Birs und Siedlungsgebiet. Zwar habe die Strasse auf der Seite mit den Häusern früher keinen durchgehenden Bereich für Fussgänger gehabt, sagt Kiefer. «An diesen Stellen war das Trottoir lediglich mit gelber Farbe markiert.» Doch die Fussgänger hätten überall genügend Platz gehabt. Er frage sich nun: «Wer plant so ein Trottoir mit Schwindsucht? Und warum?»

Das Problem sei die Waldbaulinie, schreibt die Gemeinde auf Anfrage. Bei der Sanierung des Krummenrainwegs habe man darauf geachtet, dass die Fahrbahn neu konstant 3,5 Meter breit werde, unter anderem, damit Autos und Velos gefahrlos kreuzen könnten. Noch mehr Platz in Anspruch zu nehmen, wäre aber nicht möglich gewesen. Die Waldbaulinie dürfe man nicht überschreiten, und auf der anderen Strassenseite stünden Gebäude. «Hätte man das Trottoir breiter ausführen wollen», schreibt Stefan Haller, Geschäftsleiter der Technischen Verwaltung, «hätte die Gemeinde auf einem grossen Teil des 630 Meter langen Strassenabschnitts die Grundeigentümerinnen und -eigentümer enteignen und für den Ersatz von Mauern, Zäunen und Nebenbauten aufkommen müssen.»

Auf einen erhöhten Rand habe man verzichtet, schreibt Stefan Haller, da Autos zum Kreuzen auch die Restfläche befahren müssten. Die Fahrbahn werde jedoch durchgehend mit einem Doppelbundstein markiert. So gebe es trotzdem «immer einen klar ausgezeichneten Bereich (...), auf dem sich Kinder sicher fühlen sollten.» Haller fügt an, dass im vorherigen Zustand das Trottoir stellenweise ganz gefehlt habe. Es sei auch nicht aufgezeichnet gewesen. Saniert wurde der Weg zwischen 2018 und 2021.

Rollstuhlfahrer müssen auf die Fahrbahn ausweichen

Wilhelm Kiefer will das Argument der Sicherheit nicht gelten lassen. Gerade der fliessende Übergang sei nicht gut. «Ich habe schon beobachtet, wie ein Rollstuhlfahrer an einer engen Stelle auf die Fahrbahn auswich. Dort kam ihm aber ein Velo mit hohem Tempo entgegen. Zum Glück ist nichts passiert.» Auch für Kinder, die mit dem Zweirad den Gehweg befahren, und Rollatorfahrer sei die Situation gefährlich: «Wenn man schon so viel Geld in die Hand nimmt, sollte man es richtig machen.»

Von Seiten Gemeinde heisst es wiederum, die öffentliche Hand stehe «immer im Konflikt zwischen jenen, welche die maximale Sicherheit wünschen, und jenen, die aufgrund der Kosten nur minimale Aufwendungen aufbringen wollten.» Insgesamt habe man für die Sanierung 343'000 Franken aufgewendet, inklusive Hangsicherungsmassnahmen – wegen der Birs sei der Boden stets in Bewegung. Die Kosten seien von der Initiative «Vergoldete Strassen» als zu hoch kritisiert worden, schreibt Stefan Haller. Die Gemeinde sei jedoch «klar der Meinung», es sei ein guter Kompromiss gefunden worden zwischen Kosten und Sicherheit.

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