Untersuchung

Polizist in Allschwil womöglich gezielt attackiert

Die Gewalt gegenüber Polizisten nimmt zu. Im Bezug auf den Angriff vom Wochenende in Allschwil könnte dies eine Rolle spielen. Sollte das Opfer aufgrund seines Berufs angegriffen worden sein, wird das laut Sven Oppliger entsprechende Konsequenzen haben.

Julia Gohl
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Am Oktoberfest in Allschwil wurde der Polizist angegriffen. (Archiv)

Am Oktoberfest in Allschwil wurde der Polizist angegriffen. (Archiv)

Martin Töngi

Nach dem Vorfall vom vergangenen Wochenende, an dem ein Polizist in der Freizeit an einem Oktoberfest in Allschwil von mehreren Männern attackiert worden ist, laufen die Ermittlungen auf Hochtouren. Bereits sind mehrere sachdienliche Hinweise eingegangen, die nun ausgewertet werden. Dabei spielt auch die mehrfach geäusserte These eine Rolle, wonach das Opfer als Polizist erkannt und deshalb attackiert worden ist. Michael Lutz von der Staatsanwaltschaft kann verstehen, weshalb diese Vermutung kursiert. «Zurzeit ist sie jedoch reine Spekulation und eine von mehreren Varianten, die wir in den laufenden Untersuchungen prüfen.»

Es mache die Mitarbeitenden der Kantonspolizei sehr betroffen, was am Wochenende geschehen ist, sagt Roland Walter von der Polizei Baselland. «Denn es gehört nicht zum Alltag, dass die Polizisten auch in ihrem Privatbereich angegriffen werden.» In den letzten Jahren sei im Baselbiet kein vergleichbares Ereignis vorgekommen. Der erste Fall eines Polizisten, der aufgrund seines Berufs bei Freizeitaktivitäten Opfer von Gewalt wird, wäre es allerdings auch nicht. 2009 zum Beispiel wurde ein Polizist von vier Männern geschlagen und als «Scheisspolizist» beschimpft. Er befand sich auf dem Heimweg von einem Spiel des FC Basel, wartete mit seiner Freundin auf den Bus.

Härtere Strafen gefordert

Für Sven Oppliger, Präsident des Polizeipersonalverbands Baselland, wäre es «nicht weiter verwunderlich», wenn auch die Attacke vom vergangenen Wochenende gezielt auf den Beruf des Opfers gerichtet war. «Ich weiss natürlich nicht, was sich genau zugetragen hat», erläutert er. «Aber es würde auf jeden Fall ins Bild passen. Denn die Gewalt gegenüber Polizisten nimmt allgemein zu. Das kann sich gut auch auf deren Freizeit erstrecken.»

Deshalb würden in der Schweiz zurzeit Bestrebungen laufen, das Strafgesetzbuch so anzupassen, dass die Täter entsprechend hart bestraft und nicht mit einer Busse oder gar einer bedingten Busse davonkommen, führt Oppliger aus. «Dass die Hemmschwelle, gegenüber einem Polizisten gewalttätig zu werden, offenbar sinkt, erfüllt uns mit grosser Besorgnis. Deshalb ist es uns sehr wichtig, dass der aktuelle Fall entsprechende Konsequenzen hat, wenn sich herausstellen sollte, dass das Opfer wirklich aufgrund seines Berufs angegriffen wurde.»

Auch beim Gemeindepolizeibeamtenverband Baselland beobachtet man die zunehmende Gewalt gegenüber Polizisten mit Sorge. «Das bezieht sich aber vor allem auf Zwischenfälle während des Diensts», meint Präsident Michael Martig. Übergriffe in der Freizeit seien «zum Glück sehr, sehr selten». Bisher hätten sich keine Verbandsmitglieder wegen solcher Vorfälle bei ihm gemeldet. «Das heisst, selbst wenn es sich bei den Vorkommnissen vom Wochenende um einen solchen Fall handeln sollte, würde er wohl eine Ausnahme darstellen.»

Belohnung ausgesetzt

Beim Opfer von vergangenem Samstagabend handelt es sich um einen 44-jährigen Polizisten. Er besuchte in seiner Freizeit ein Oktoberfest in Allschwil und sass dort an der Theke, als er mehrere Faustschläge ins Gesicht erhielt und zu Boden ging. Dort wurde er von den Unbekannten weiter mit Fusstritten traktiert. Erst als die Security einschritt, liessen die Täter von dem Mann ab und flüchteten. Die Polizei konnte bereits zwei Männer festnehmen, gegen die nun ein Strafverfahren eröffnet worden ist.

Für Hinweise zur Ermittlung der Täter hat die Polizei eine Belohnung von 1000 Franken ausgesetzt. Dem Opfer gehe es den Umständen entsprechend gut.