Neubau
Immer mehr wollen ihre Tiere einäschern lassen – jetzt gibt es in Füllinsdorf ein zweites Krematorium in der Region

Die Zahl sowie die Bedeutung der Haustiere wächst stetig. Damit einher geht der Wunsch, dass Mizzi oder Struppi nicht in der Kadaversammelstelle landen sollen.

Andreas Hirsbrunner
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So sieht es heute im Tierkrematorium in Seon aus, und so soll es in einem Jahr auch in Füllinsdorf aussehen.

So sieht es heute im Tierkrematorium in Seon aus, und so soll es in einem Jahr auch in Füllinsdorf aussehen.

Bild: Britta Gut

Seit etwas mehr als zwanzig Jahren gibt es in der Region ein Tierkrematorium in Duggingen, wo fünf Mitarbeiter in Teilzeitpensen pro Jahr mehrere hundert Haustiere, allen voran Hunde und Katzen, einäschern. Offensichtlich genügt das nicht mehr. Denn am Mittwoch kündete die Firma Tierkrematorium Schweiz AG, die schon in Dübendorf (ZH) und Seon (AG) solche Verbrennungsanlagen betreibt, an, dass sie soeben ein Baugesuch für ein neues Tierkrematorium im Gewerbegebiet von Füllinsdorf eingereicht habe.

Geschäftsleitungsmitglied Esther Sager begründet den Expansionsschritt mit der steigenden Nachfrage: «Wir arbeiten schon lange mit Tierärzten aus den beiden Basel und aus dem süddeutschen Raum zusammen. Dabei hat das Bedürfnis der Kunden, die Tiere kremieren zu lassen, extrem zugenommen.» Auch zugenommen habe der Wunsch, die toten Tiere selbst zum Krematorium zu bringen.

Das alles zusammen mit der grossen Bevölkerungsdichte mit entsprechend vielen Hunde- und Katzenhaltern in der Region Basel habe den Ausschlag gegeben, in Füllinsdorf eine neue Anlage zu bauen, sagt Sager. Ende Februar belief sich laut Identitas, dem Datendienstleister für Tiere und Pflanzen, der Hundebestand im Baselbiet auf 16'850 und in Basel-Stadt auf 5405 Tiere, Tendenz zunehmend.

Die hitzebeständige Plakette (vorne Mitte) garantiert bei einer Einzelkremation, dass die Überbleibsel eines Tieres zum richtigen Besitzer kommen.

Die hitzebeständige Plakette (vorne Mitte) garantiert bei einer Einzelkremation, dass die Überbleibsel eines Tieres zum richtigen Besitzer kommen.

Bild: Britta Gut

Investieren will die Bauherrin in Füllinsdorf zwei Millionen Franken, wobei der Ofen mit der speziellen Rauchgasreinigungsanlage einen grossen Teil der Mittel verschlingt. Offen sei noch, ob in Füllinsdorf nur Hunde, Katzen und Kleintiere wie Vögel, Schlangen und Hasen oder auch grössere Tiere wie Ponys und Alpakas eingeäschert werden sollen. Dafür bräuchte es aber nebst einem grösseren Ofen eine Sonderbewilligung des Veterinäramts, sagt Sager. In Betrieb gehen soll die neue Anlage etwa in einem Jahr; gleichzeitig plant die Firma in Nyon (VD) ein neues Krematorium.

«Haustiere sind Familienmitglied, manchmal sogar fast Lebenspartner»

Die erfahrene Tierärztin Petra Fernandez, die seit über 30 Jahren in der Liestaler Kleintierpraxis Klaus arbeitet, bestätigt Sagers Aussagen. Früher sei die Entsorgung von toten Tieren kein Thema gewesen – sie gingen in die Kadaversammelstelle. Heute wollten die Kunden wissen, was mit dem Tierkörper passiert. Geschätzte 60 bis 70 Prozent entschieden sich für eine Kremation, die Mehrheit davon für die teurere Einzelkremation, bei der man die Asche des eigenen Tiers zurückerhält. Eine solche kostet bei der Tierkremation Schweiz für einen 20 Kilogramm schweren Hund 270 Franken; rechnet man auch den Transport und die Urne mit, so kommt das Ganze auf 390 Franken zu stehen.

Geld spiele bei solchen Fragen praktisch keine Rolle, sagt Fernandez. Und sie fügt an: «Haustiere haben heute einen sehr hohen Stellenwert. Sie sind Familienmitglied, manchmal sogar fast Lebenspartner oder Kinderersatz. Seit Corona ist das noch viel evidenter geworden, weil die Leute isolierter sind.» Es gebe solche, die versuchten panisch, einen Hund zu kaufen. Und andere, die sich an ihre alte, leidende Katze klammerten und viel Geld für eine verlängerte Lebenserwartung von ein paar Monaten investierten. Fernandez:

«Diesen Trend, dass Haustiere eine immer grössere Bedeutung erhalten, beobachte ich seit 15 bis 20 Jahren.»

Die Firma Tierkremation Schweiz äscherte im letzten Jahr in ihren Betrieben in Seon und Dübendorf rund 23'000 Tiere ein, mit 12'000 waren davon die meisten Katzen. Fünf Jahre zuvor waren es noch 18'500 Tiere. Der Jahresumsatz beläuft sich laut Esther Sager auf 6,5 Millionen Franken, der Personalbestand umfasse 50 Mitarbeitende, die sich 2250 Stellenprozente teilten. Für Füllinsdorf seien zusätzlich 300 Stellenprozente geplant.

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