Baselbieter Strafgericht

Nach Ärger beim Hundespaziergang auf der Kraftwerkinsel: Rentner einigen sich auf Spenden

Zwei Männer gerieten im März 2019 bei einem Hundespaziergang aneinander. Ihre Streitigkeiten zogen sich bis vors Gericht. Nun einigten sich die Streithähne im Baselbieter Strafgericht auf vorweihnachtliche Spenden.

Patrick Rudin
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Während eines Hundespaziergangs begannen die Streitereien zwischen einem 72-Jährigen und einem 69-Jährigen. (Symbolbild)

Während eines Hundespaziergangs begannen die Streitereien zwischen einem 72-Jährigen und einem 69-Jährigen. (Symbolbild)

Es war wohl ein tierisches Missverständnis: Direkt vor der Toilettenanlage auf der Birsfelder Kraftwerkinsel beschnupperten im März 2019 zwei nicht angeleinte Schäferhundmischlinge eine an der Leine geführte ängstliche Hündin, und diese schnappte daraufhin nach einem der aufdringlichen Schäferhunde.

Die Hündin stammte aus dem Tierheim und wurde von einem 72-jährigen Mann im Rahmen des Spazierdienstes ausgeführt. Dieser rüffelte daraufhin den 69-jährigen Halter der beiden Schäferhunde, er solle seine Hunde gefälligst an die Leine nehmen. Dieser wiederum erwiderte, nicht seine Hunde seien das Problem.

Wiedersehen am hinteren Ende der Kraftwerkinsel

Irgendwann waren die Argumente erschöpft, und man ging sich gegenseitig aus dem Weg. Doch kurz darauf traf man sich am hinteren Ende der Kraftwerkinsel wieder, die frei laufenden Schäferhunde begutachteten die Hündin erneut, der 72-Jährige ging mit Knie und Füssen dazwischen. Ob er die Hunde dabei auch getreten hat, ist nicht ganz klar. Der 69-Jährige soll ihm allerdings gedroht haben, er lande im Rhein, und ein Gerangel führte wohl zu einer Verletzung des Zeigefingers des 72-Jährigen.

Die Staatsanwaltschaft erhob schliesslich Anklage gegen den 69-Jährigen wegen Drohung, Tätlichkeiten und Körperverletzung sowie gegen den 72-Jährigen wegen einer Widerhandlung gegen das Tierschutzgesetz.

Einzelrichter schlägt Streithähnen Vergleich vor

Am Dienstag versuchte Einzelrichter Andreas Schröder im Strafgericht in Muttenz, die beiden Parteien zu einem Vergleich zu bewegen. Dies versuchte vorher auch bereits die Staatsanwaltschaft, dabei wollten sich beide Männer eigentlich dazu verpflichten, jeweils 5'000 Franken an eine Tierschutzorganisation zu spenden. Es scheiterte allerdings daran, dass sich die beiden Streithähne nicht auf eine Organisation einigen konnten.

Der 72-Jährige meinte, die sachgerechte Verwendung des Geldes müsse durch eine Stiftung gewährleistet sein. Gerichtspräsident Andreas Schröder sagte daraufhin, er fände es schade, wenn ein Vergleich lediglich an der Rechtsform einer Organisation scheitere. «Ist es denn wichtig, dass Sie beide den Geldbetrag an dieselbe Organisation spenden?», fragte Schröder. Ein paar Sekunden lang herrschte Stille im Gerichtssaal, gefolgt von Schulterzucken.

Der 72-Jährige legte Wert auf die Feststellung, dass er in der ganzen Geschichte eigentlich das Opfer sei, zog sich dann aber mit seinem Verteidiger zur Lagebesprechung zurück. Zehn Minuten später präsentierten sie die Lösung in Form von drei Stiftungen, die sich für den Tierschutz einsetzen, jeder der Männer solle eine daraus auswählen.

Je 1000 Franken für zwei Tierschutzstiftungen

Der Betrag beträgt indes für jeden der beiden Männer nur noch 1'000 Franken. «Damit kann ich leben», meinte der 69-Jährige daraufhin. Beide müssen nun innerhalb eines Monats dem Gericht den entsprechenden Zahlungsnachweis einreichen. Durch den Rückzug des Strafantrags wurden alle Verfahren gegen den 69-Jährigen eingestellt.

Die Frage des Verstosses gegen das Tierschutzgesetz durch einen Tritt ist allerdings ein Offizialdelikt: Schröder fällte in diesem Punkt zu Gunsten des 72-Jährigen einen Freispruch, es sei davon auszugehen, dass er die Hunde mit seinem Bein lediglich trennen wollte. Mit dem Vergleich werden sämtliche Gerichtskosten erlassen, und auch der Verteidiger kündigte an, auf sein Honorar zu verzichten.