Kongresszentrum
Mittenza ist ein Verlustgeschäft - Muttenz will Baurecht abgeben

Der Muttenzer Gemeinderat plant die Baurechts-Vergabe für das Kogresszentrum Mittenza, da es rote Zahlen erwirtschaftet. Ein Verkauf ist aber nicht geplant.

Michel Ecklin
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Mehrere Säle, Hotel, Restaurant – und trotzdem defizitär: Das Kongresszentrum Mittenza.

Mehrere Säle, Hotel, Restaurant – und trotzdem defizitär: Das Kongresszentrum Mittenza.

Nicole Nars-Zimmer niz

Das Kongresszentrum Mittenza ist über die Gemeindegrenzen von Muttenz hinweg bekannt. Im grossen Saal mitten im gut erschlossenen, attraktiven Dorfkern finden nationale und sogar internationale Veranstaltungen statt. Seit der Eröffnung des Saal-Restaurant-Hotel-Ensembles im Jahr 1970 sind dort zum Beispiel schon unzählige Bundesräte aufgetreten. Auch regionale Organisationen nutzen die diversen, unterschiedlich grossen Säle intensiv, ebenso die Muttenzer Vereine.

Die Mittenza hat allerdings ein gravierendes Problem: Für die Besitzerin, die Gemeinde Muttenz, ist sie defizitär. «Rechnet man alles ein, war das Mittenza in den letzten Jahren ein Verlustgeschäft», sagt Gemeinderat Thomi Jourdan (EVP). Deshalb schlägt der Gemeinderat der Gemeindeversammlung vom 17. März eine Änderung der Betriebsstruktur vor. Anstatt die Mittenza wie bis anhin zu verpachten, soll sie im Baurecht abgegeben werden. Damit will die Gemeinde die finanzielle Last für bauliche Veränderungen weitgehend externalisieren, gleichzeitig dem Baurechtsnehmer die maximal mögliche Freiheit geben und so die Grundlage für einen wirtschaftlichen Betrieb legen.

Komplex ist sanierungsbedürftig

Der Baurechtszins hängt unter anderem davon ab, wie die Verteilung der Sanierungskosten zwischen Gemeinde und dem Baurechtsnehmer ausgestaltet wird. Je höher die Eigenleistungen des Baurechtsnehmers, desto weniger hoch der Baurechtszins. Klar ist jetzt schon: Irgendjemand muss bald in die Mittenza investieren – einerseits, weil das Gebäude altershalber sanierungsbedürftig ist, andererseits, weil es den veränderten Bedürfnissen angepasst werden muss.

Das Grundkonzept soll bleiben. Es liegt aber am zukünftigen Betreiber, die Gewichtung zwischen Restauration, Hotel und Kongresszentrum vorzunehmen.

Die Details zum Baurechtsvertrag gilt es zu einem späteren Zeitpunkt auszuhandeln. Denn die Gemeindeversammlung stimmt im März nicht über einen bereits bestehenden Baurechtsvertrag ab, und die Gemeinde präsentiert auch noch keine potenziellen Baurechtnehmer. «Es geht vorerst nur um einen Grundsatzentscheid», betont Jourdan. Das Anliegen der Gemeinde sei, einen funktionierenden Betrieb im Dorfkern zu haben und «gleichzeitig einen Beitrag zur Verbesserung der Gemeindefinanzen zu leisten», sagt er.

Der Gemeinderat hat die Idee geprüft und wieder verworfen, die Mittenza ganz umzunutzen, etwa als Wohnraum. Auch ein Verkauf ist kein Thema mehr. «Das wäre finanziell nicht interessant», sagt Jourdan. Zudem wäre dann unklar, ob ein zukünftiger Besitzer das bisherige Grundkonzept mit einem Restaurationsbetrieb und einem Kongresszentrum weiter führt – doch genau das möchte der Gemeinderat im Baurechtsvertrag sichergestellt haben. Und: «Die Mittenza ist städtebaulich ein zentrales, prägendes Element von unserem Dorfzentrum», sagt Jourdan. Erbaut wurde der Komplex zwischen 1965 und 1970 nach den Plänen der Zürcher Architekten Rolf Keller und Fritz Schwarz.

Auch eine Aufsplittung von Saal, Hotel und Restaurant will der Gemeinderat vermeiden. «Es handelt sich inhaltlich um ein Gesamtensemble.»

Der Entscheid, die Mittenza mit ihren bisherigen Nutzungen weiterzuführen, könnte aufgehen. Räume für Seminare bis zu 200 Personen anzubieten, entspricht tatsächlich einem Bedürfnis. Das sagt jedenfalls Tobias Eggimann, Geschäftsführer von Baselland Tourismus. Seminartourismus sei sogar «ein wichtiges strategisches Geschäftsfeld von Baselland Tourismus», wie er betont. «Da kann man noch etwas bewegen.» Denn dieser Bereich sei eher über Marketingaktivitäten beeinflussbar, als der weitere geschäftsbedingte Übernachtungstourismus.

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