Liestal

McDonald’s macht in Liestal dicht

Der Abgang von McDonald’s lässt Fragen offen. Ist das eine Chance für die Stadtentwicklung? Der Liestaler Stadtrat ist in Gesprächen mit dem Eigentümer.

Tobias Gfeller
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Das Logo ist schon weg: Nach 18 Jahren werden am Liestaler Bahnhof keine «Big Macs» mehr gebraten.

Das Logo ist schon weg: Nach 18 Jahren werden am Liestaler Bahnhof keine «Big Macs» mehr gebraten.

Roland Schmid

Die meisten Gastronomiebetriebe haben sehnlichst darauf gewartet, nach dem Corona-Lockdown wieder öffnen zu können. Die McDonald’s-Filiale am Bahnhof Liestal bleibt dagegen geschlossen – für immer. Deborah Murith, Mediensprecherin von McDonald’s Schweiz, bestätigt einen entsprechenden Bericht der «Basler Zeitung» von gestern.

«Aufgrund der Räumlichkeiten des alten Gebäudes kann das neue Servicekonzept in Liestal nicht zielführend als Mehrwert für die Gäste sowie für das Geschäft umgesetzt werden.» Murith meint damit den Service an den Tisch, die Zubereitung der Burger auf Bestellung sowie den gemäss der Mediensprecherin erfolgreich angelaufenen Lieferdienst.

«Unser modernes Service- und Küchenkonzept verlangt grosszügige und offene Räumlichkeiten.» Das sei in der Liegenschaft an der Poststrasse 1 nicht der Fall. Die Mitarbeitenden von Liestal werden auf die anderen acht Baselbieter Standorte verteilt, in die McDonald’s für die Modernisierung weiter investieren will. Die Filiale in Liestal sei zuletzt gut gelaufen, betont Deborah Murith. Eine neue Filiale in Liestal ist trotzdem nicht geplant.

Noch keine schriftliche Kündigung

Mit Liegenschaftsbesitzer Beat Stutz haben zwecks Zukunftsplanung zwar Gespräche stattgefunden, eine offizielle Kündigung des noch zwei Jahre laufenden Vertrags habe er von McDonald’s aber noch nicht erhalten. Überrascht ist Stutz von der Nachricht des Auszugs von McDonald’s aber nicht. «Mir wurde mitgeteilt, dass die Räumlichkeiten nicht mehr den Bedürfnissen entsprechen. So können zum Beispiel in der Küche die Abstände im Rahmen der Coronapandemie nicht eingehalten werden.»

Im Unterschied zu vielen anderen Liegenschaften konnte McDonald’s beim Einzug im Jahr 2002 die Räumlichkeiten nicht selber nach seinem Gusto auf dem Reissbrett entwerfen. Vor der Fast-Food-Kette führte unter anderem die Familie Stutz am Standort am Bahnhofplatz eine Confiserie mit Café. McDonald’s musste sich den knappen Rahmenbedingungen fügen, wozu die aktuelle Führung, die zuletzt mehrfach gewechselt hat, nicht mehr bereit ist.

Gross über die Zukunft der Liegenschaft und der Parzelle möchte Inhaber Beat Stutz nicht spekulieren, solange er die schriftliche Kündigung nicht erhalten hat. Dass dort weiterhin ein Gastronomiebetrieb eingemietet sein muss, sei überhaupt nicht in Stein gemeisselt. Er sei offen, wie eine allfällige neue Nutzung aussehen könnte. Stutz bestätigt aber, dass er immer wieder lose Anfragen von Interessierten zur Vermietung erhalten habe.

«Eine Visitenkarte für Liestal»

Die Situation der Liegenschaft und der Parzelle gleich neben der Postfiliale ist nicht ohne Brisanz, war sie doch bis vor gut zwei Jahren Teil der Planungen rund um die Erneuerung des Postgebäudes im Rahmen des Quartierplans «Am Orisbach». Doch Beat Stutz zog sich 2018 daraus zurück.

Der Liestaler Stadtrat wertet die Bedeutung der Liegenschaft im Zusammenhang mit der künftigen Entwicklung im Perimeter des Bahnhofs, der Post, der Allee, dem Gerichtsgebäude und dem Lüdin-Areal als «interessant». Das erklärt Stadtrat Daniel Muri, zuständig für das Departement Hochbau und Planung. Man sei in Gesprächen mit Beat Stutz. Dabei zeige die Familie Stutz zum jetzigen Zeitpunkt kein Interesse, die Liegenschaft zu verkaufen.

«Für unsere Kantonshauptstadt ein stimmiges Einfallstor und Zugang zur Altstadt einer Kantonshauptstadt würdige Visitenkarte», sagt Muri. Unabhängig aller Spekulationen und möglicher Zukunftspläne stellt der Stadtrat klar: «Das ‹Kaffi Pöschtli›, so wie ich es aus meiner Kindheit und als ehemals gelernter Konditor kenne, ist im Eigentum der Familie Stutz. Dies gilt es zu achten und zu respektieren.»