Bahnhof Laufen
Massnahmen für schnelleres Ein- und Aussteigen nützen kaum etwas

Die SBB haben Mitte August am Bahnhof in Laufen neue Markierungen angebracht: Diese sollen die Haltezeiten der Züge beim Ein- und Aussteigen der Passagiere verkürzen. Doch die Markierungen werden von den Passagieren kaum beachtet.

Thomas Immoos
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Unbeachtet: Die Passagiere strömen auf die Zugstüren zu, ohne auf die Markierungen am Boden zu achten.

Unbeachtet: Die Passagiere strömen auf die Zugstüren zu, ohne auf die Markierungen am Boden zu achten.

Thomas Immoos

Seit einem Monat läuft am Bahnhof Laufen ein halbjähriger Versuch der SBB. Auch in Zwingen, Grellingen, Duggingen und Aesch geschieht Gleiches: Mit neuen Markierungen auf dem Perron, Informationstafeln und anderen Hinweisen soll die Ein- und Ausstiegszeit verkürzt werden.

«Das bringt doch nichts!»

Am Bahnhof Laufen, früh morgens auf Gleis 2: Die Leute warten auf den Zug. Niemand beachtet die Tafel, die darauf hinweist, dass das Perron in 50-Meter-Abständen in die Sektoren A bis H eingeteilt ist. In weisser und blauer Farbe am Perronrand wird diese Unterteilung unterstrichen. Die Passagiere aber zeigen sich davon unbeeindruckt.

«Ja, ich habe davon gehört und auch die Markierungen gesehen», sagt eine junge Frau. Aber sie habe ihr Einstiegsverhalten deswegen nicht geändert. «Das bringt doch nichts!», ruft ein Mann dazwischen, der seit Jahren zur Arbeit nach Basel pendelt. Auf Nachfrage begründet er seine Aussage: Die Gewohnheiten langjähriger Bahnbenützer seien festgefahren; da tue man sich wohl schwer mit Anregungen, wie das Einsteigen optimiert und die Haltezeiten der Züge am Bahnhof verkürzt werden könnten.

Ein Lehrling, selbstversunken der Musik aus seinen Kopfhörern lauschend, guckt etwas verwundert. Ihm sei das gar nicht aufgefallen. Zudem steige er immer im gleichen Sektor ein, weil in Grellingen und Aesch Kollegen in den gleichen Wagen stiegen. Auch weitere befragte Pendler jeden Alters versprechen sich kaum Verbesserungen «von diesem neuen Regime». Die meisten Passagiere achten eh nicht auf die Einfahrt des Zuges. Sie sind in Gespräche vertieft, lesen Zeitung, tippen auf ihren Handys herum oder sie lauschen der Musik aus ihren Kopfhörern.

SBB geben noch keine Auskünfte

Die ersten Tage, erinnert sich eine Frau, hätten die Lokführer eher einige Sekunden verloren. Denn sie hätten sich bemüht, die Zugkomposition zu justieren, wie es die für die Lokführer bestimmten Markierungen anzeigten. Befragt man weitere Zugpassagiere, so stellt man schnell fest, dass kaum jemand sein Verhalten am Bahnhof geändert hat. «Vielleicht bringt es etwas für neue öV-Benutzer», äussert ein pensionierter Mann eine vage Zuversicht.

Bei den SBB selber bestätigt deren Mediensprecherin Lea Meyer lediglich, dass es Reaktionen von Lokführern und Passagieren gegeben habe. Für weitere Auskünfte sei es noch zu früh. Es bringe auch wenig, alle 14 Tage eine Zwischenbilanz über den Versuch zu publizieren. Nach einem halben Jahr wolle man den Versuch auswerten und beschliessen, ob er, allenfalls an anderen Bahnhöfen, fortgesetzt werden soll.

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