Berufsfachschule Liestal

Lehrlinge müssen zukünftig auch Elektroautos bauen können

Automechatronik-Lehrlinge der Gewerblich-industriellen Berufsfachschule Liestal tasten sich in der Praxis an die Elektromobilität heran.

Daniel Haller
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An der GiBL bauen Schüler unter Mithilfe der EBL und anderen mit Benno Stöcklin einen Smart Roadster zum Elektroauto um.

An der GiBL bauen Schüler unter Mithilfe der EBL und anderen mit Benno Stöcklin einen Smart Roadster zum Elektroauto um.

Martin Toengi

«Am ersten Abend mussten wir das Licht löschen, damit die Jugendlichen nach Hause gingen», berichtet Benno Stöcklin, Fachlehrer an der Gewerblich-industriellen Berufsfachschule Liestal (GiBL). Offensichtlich hat das Projekt, einen Smart Roadster vom Benziner zum Elektromobil umzubauen, den Lehrlingen den Ärmel reingezogen. Seither treffen sich sieben Junior-Car-Cracks regelmässig am Dienstag, um sich nach Feierabend durch praktische Arbeit mit den Grundzügen der Zukunftstechnologie vertraut zu machen.

Damit ist die GiBL der Zeit um ein gutes Jahr voraus: Elektroautos sollen erst ab 2017 in den Lehrplan aufgenommen werden. Zudem ist die Ausbildung nicht einfach: Elektro-Serienwagen fahren mit einer zu hohen Spannung und dürfen deswegen nur von Spezialisten repariert werden. Beim Umbau eines bestehenden Wagens lässt sich dies vermeiden: Stöcklin gab vor, dass die Spannung 100 Volt nicht übersteigen darf. Als zusätzliche Ziele definierte der Berufsschullehrer, dass der Wagen 100 Stundenkilometer schnell sein soll und die Batterien mindestens 100 Kilometer weit reichen sollen.

«Wir bauen also nicht ein serientaugliches Fahrzeug, sondern ein Lehrmittel.» Der Wagen soll zwar die Strassenzulassung erhalten, doch kann es gut sein, dass er hinterher wieder zerlegt wird und kommende Lehrlingsgenerationen damit Erfahrungen sammeln werden.

Lernen in der Praxis

Es geht um Praxis: Der umzubauende Wagen ist 10 Jahre alt und hat 200'000 Kilometer hinter sich. Da gibt es einiges zu revidieren: Je eine Gruppe aus der Abschlussklasse der Automobilmechatroniker hat ein Rad ausgebaut und Bremsen, Bremsschläuche, Radaufhängung oder Federung komplett erneuert.

Zudem ist das Projekt berufsübergreifend: So mussten die Lehrlinge anhand eines Streckenprofils ausrechnen, wie stark der Motor sein muss, um die gewünschte Geschwindigkeit und Reichweite sicherzustellen. Konstruktionslehrlinge zeichnen am Computer die Teile, die man für die Aufhängung des Elektromotors oder die Batteriewannen benötigt. Dann stellen Polymechaniker die Bauteile her, und Maler sorgen für den Korrosionsschutz und werden das Logo für den «E-GiBL One» entwerfen.

Dabei sind die Lernenden keine Ingenieure: Der Umbau basiert auf im Handel erhältliche Komponenten wie Motor, Elektronik fürs Batteriemanagement oder Akkus. Doch auch so ist allerhand Hirnschmalz gefragt: So behelfen sich die Berufsschüler zwar für die Kraftübertragung mit dem vorhandenen Getriebe, sie müssen sich aber für einen Gang entscheiden: Die anderen Zahnräder werden ausgebaut, um Gewicht zu sparen.

Sponsoren willkommen

Auch sonst wird Überflüssiges weggespart: Der Wagen darf sein Gewicht durch den Umbau nicht verändern, also muss man, um die schweren Batterien zu kompensieren, abspecken, wo immer es geht. Was das praxisorientierte Unterrichtsprojekt kostet, konnten gestern an der Medienkonferenz die Schulleitung und die Fachlehrer noch nicht exakt beziffern. Die Schätzungen liegen zwischen 20'000 und 40'000 Franken, was nicht zuletzt davon abhängt, zu welchen Preisen das Material beschafft werden kann.

Die Kosten sollen aus dem laufenden Budget und durch Sponsoring finanziert werden. Mit der Elektra Baselland (EBL) hat die GiBL bereits einen Hauptsponsor gefunden: «Das Projekt passt hervorragend zum Ziel der EBL, dass bis 2020 in der Region Basel 20'000 Elektrofahrzeuge unterwegs sind», erklärte EBL-Geschäftsleiter Urs Steiner. Deshalb habe die die EBL rasch zugesagt. Das Engagement werde sich in der Grössenordnung von 10'000 Franken bewegen, zudem werde die EBL Know-how bereitstellen.