Laufen-Woche

Laufen, ein traditionsbewusstes Städtchen

Die bz berichtet in der kommenden Woche jeden Tag aus dem Herzen des Laufentals.

Dimitri Hofer
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Momentan leben in Laufen rund 5500 Menschen. Trotzdem hat die Gemeinde seit dem Mittelalter das Stadtrecht.

Momentan leben in Laufen rund 5500 Menschen. Trotzdem hat die Gemeinde seit dem Mittelalter das Stadtrecht.

Kenneth Nars

Kaum ein Ort dokumentiert die jüngere Geschichte der Region besser als die Altstadt von Laufen. Will man das schnucklige Stedtli mit seinen zahlreichen Läden vom Bahnhof her erreichen, tritt man durch das Obertor mit dem Berner Wappen. Ist der Einkauf erledigt und der Magen gefüllt, geht es anschliessend durch das Baslertor. An diesem unteren Eingang prangt der rote Baslerstab.

Im Jahr 1994 verliess das Laufental den Kanton Bern und trat dem Baselbiet bei. Entschied sich bei der umstrittenen Abstimmung eine knappe Mehrheit des Bezirks für einen Kantonswechsel, votierte Laufen damals für einen Verbleib bei Bern. Diesem gehörte das Laufental seit dem Wiener Kongress an, während es zuvor während einigen Jahren Teil von Frankreich gewesen war. Seit dem Mittelalter hat Laufen das Stadtrecht, auf das die rund 5500 Laufnerinnen und Laufner noch immer stolz sind.

Gemeinde mit Zentrumsfunktion

Dass man im Städtchen Laufen lieber bei Bern geblieben wäre, überrascht nicht. Vielleicht ist es gerade die wechselhafte Vergangenheit, welche die Einwohner nach Konstanz suchen lässt. Mehr noch als anderswo handelt es sich bei den Laufnern um Gewohnheitstiere – was positive und negative Auswirkungen haben kann.

Traditionelle Ereignisse wie die Fasnacht, der jeweils am ersten Dienstag im Monat stattfindende Markt und die Bundesfeier im Stedtli erfreuen sich grosser Beliebtheit. Die Vereine – obwohl sie auch hier von Nachwuchsproblemen geplagt werden – sind vielfältig und gut ins Gemeindeleben integriert. In den Sommermonaten trifft man sich im Schwimmbad Nau zu einigen Längen, im Winter zieht man sich die Schlittschuhe an und kurvt über das Eis in der Eishalle Laufen.

Im Städtchen existieren verdiente Restaurants, die nicht nur bei den Laufnern, sondern auch im restlichen Tal und im Schwarzbubenland auf Anklang stossen. Dasselbe gilt für das Mitte der Neunzigerjahre eröffnete Birs Center, dem einzigen Einkaufszentrum des Laufentals. Laufen hat für die übrigen Ortschaften des Bezirks eine Zentrumsfunktion, welche die Gemeinde mit Banken, Einkaufsmöglichkeiten und Freizeitaktivitäten auch wahrnimmt. Wegen des Abzugs mehrerer öffentlicher Institutionen durch den Kanton fällt diese Aufgabe ohne eigenes Verschulden in letzter Zeit ein wenig schwerer.

Zwei weltweit bekannte Firmen

Das stark ausgeprägte Traditionsbewusstsein und das Festhalten am Bekannten kann die Entwicklung des Städtchens aber auch hemmen. So lehnte kürzlich eine deutliche Mehrheit der Stimmberechtigten an der Urne die Quartierplanung für das Gebiet Nau ab. Diese hätte neue Wohnungen und ein Naherholungsgebiet an der Birs vorgesehen. Ein bisschen mehr Mut auch für ungewöhnliche Projekte würde den Laufnern da und dort gut zu Gesicht stehen.

Um zu erkennen, wie weit Unerschrockenheit führen kann, müssen die Einwohnerinnen und Einwohner nur mit offenen Augen durch die Gemeinde laufen – oder ihre Nase in den Wind halten. Mit dem Kräuterbonbon-Produzenten Ricola AG und dem Sanitärkeramik-Hersteller Keramik Laufen AG beherbergt das Städtchen gleich zwei weltbekannte Unternehmen. Deren Erzeugnisse erinnerten schon manchen Laufner im Ausland in einem Supermarkt oder einer Toilette an seine Heimat.

In der kommenden Woche möchten wir zeigen, dass Laufen noch viel mehr zu bieten hat als Bonbons und Pissoirs. Zu Beginn äussert sich der Laufner Stadtpräsident Alexander Imhof am Montag zu den Sorgen seiner Gemeinde und verrät, wo er sich im Städtchen am liebsten aufhält. Die folgenden Tage sind dann in die Themengebiete Geschichte, Wirtschaft, Kultur und Sport aufgeteilt. In den einzelnen Blöcken werden jeweils interessante Persönlichkeiten, Institutionen und Geschehnisse vorgestellt. Zum Abschluss soll ein Blick in die Zukunft des Städtchens geworfen werden.