Seltisberg

Kochen ist für die Heimbewohner in Seltisberg (k)eine Kunst

Die Kinder des Kinderheims Auf Berg haben mit viel Leidenschaft ein Kochbuch für Kinder herausgegeben. Dahinter stecken laut Heimleiter Pascal Tanner viele pädagogische Ideen und Verwirklichungen.

Andrea Mašek
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Die Kinder Auf Berg haben alle Rezepte auch selbst gekocht und degustiert.

Die Kinder Auf Berg haben alle Rezepte auch selbst gekocht und degustiert.

Zur Verfügung gestellt

Man nehme acht Wienerli, bestreiche sie mit Senf. Dann schneidet man einen Blätterteig in zwei Zentimeter breite Streifen und wickelt diese um die Würstchen. Hat man sie mit Eigelb bestrichen, werden sie in der Mitte des auf 180 Grad Celsius vorgeheizten Backofens rund 15 Minuten gebacken. Und fertig sind die Wurstmumien.

Kinder werden sie lieben. Die Idee für diese andere Art von Wienerli im Teig stammt von Justin. Er hat dafür ein paar Anläufe gebraucht, doch schliesslich das richtige Rezept gefunden. «Meine Testesser waren begeistert», sagt der 11-Jährige. Zu den Würstchen servierte er ebenfalls selbstgemachten Kartoffelsalat.

Dies ist nur eines der vielen gluschtigen Rezepte des Kochbuchs «kochART – Kinder kochen für Kinder», das im Seltisberger Kinderheim Auf Berg entstanden ist. «Ausgekocht» wurde es von Heilpädagogin Judy Berger. Zum einen passte das Thema Essen zum letztjährigen Jahresmotto «Bunt» des Heims. Zum anderen sollten die Kinder merken, dass es viel anderes Gutes gibt, nicht nur Fastfood.

«Hinter dem Buch stecken viele pädagogische Ideen», erklärt Heimleiter Pascal Tanner. Den Kindern sei bewusst geworden, was es alles brauche, um eine Mahlzeit herzustellen: Nicht nur natürliche Zutaten und Zeit, sondern man muss lesen und rechnen können, gut planen, genau arbeiten. Jedes Kind musste zudem sein Menü Gästen schön präsentiert servieren. Dazu Tanner: «Wir wollten den Kindern vermitteln, dass ein Essen ein wichtiges Gemeinschaftserlebnis ist.»

Die Kinder waren Feuer und Flamme. «Es war toll, ein Buch zu machen und unsere Ideen an andere Menschen weiterzugeben», sagt Justin. Er hat noch ein weiteres Rezept beigesteuert: Quarkbrötli. «Mich nahm wunder, was man mit Quark so alles machen kann», erklärt er. Ihm macht das Kochen viel Spass - «vor allem das Braten, weil es schnell geht». Jeden Mittwoch steht er deshalb in der Heimküche.

Spezialist für Desserts

Alexis hat es mehr mit dem Backen, mit Desserts. «Bravo! Ein Kunstwerk», steht unter seinem Tiramisù-Rezept geschrieben. «Es war lustig, mit anderen etwas zu machen», erzählt der 12-Jährige. Es habe alles schon beim ersten Mal geklappt, meint er stolz. Das gilt auch für seine gefüllten Fajitas.

Die Rezepte im Kochbuch sind einfach, damit sie Kinder auch tatsächlich nachkochen respektive nachbacken können. Es braucht nur wenig Hilfe von Erwachsenen. So problemlos, wie Alexis berichtet, ist die Kocherei aber nicht abgelaufen. «Zigmal ist der Feueralarm losgegangen», meint Tanner schmunzelnd. Öfters sei etwas im Ofen verbrannt. Manche Kinder seien müde geworden und es habe einige Missgeschicke gegeben.

Doch die fast einjährige Mühe und der grosse Aufwand haben sich gelohnt: Das Endprodukt ist bemerkenswert. Ins Auge stechen auch die schönen Fotos der Menüs sowie die Zeichnungen. Nicht umsonst heisst das Buch «kochART». Die Kinder haben ihre Koch- und Esserlebnisse in Bildern festgehalten. «Das Malen hilft ihnen, Dinge zu verarbeiten», erläutert Pascal Tanner.

Die Originale sind an der Vernissage zu bewundern, die am 28. März um 18 Uhr im Kinderheim Auf Berg stattfinden wird. Die Arbeit der Kinder soll so nochmals richtig gewürdigt werden. Die Öffentlichkeit ist herzlich dazu eingeladen.