Intransparente Geheimkasse
Hauseigentümer aus Waldenburgertal gehen auf Distanz zur Wirtschaftskammer

Seit 2019 musste jedes Mitglied des Hauseigentümerverbands Baselland (HEV) pro Jahr 20 Franken in einen Sonderfonds bezahlen. Dagegen wehrt sich nun die HEV-Sektion Waldenburg. Es sei nicht klar, wofür die Gelder aus dieser Geheimkasse verwendet würden, kritisieren Hauseigentümer aus dem Tal.

Hans-Martin Jermann
Drucken
Teilen
Die Baselbieter Einfamilienhaus-Quartiere sind meist bürgerliches Terrain. Erst recht gilt dies für Mitglieder Hauseigentümerverbands. Doch nun kommt ausgerechnet von dieser Seite scharfe Kritik an der Wirtschaftskammer Baselland.

Die Baselbieter Einfamilienhaus-Quartiere sind meist bürgerliches Terrain. Erst recht gilt dies für Mitglieder Hauseigentümerverbands. Doch nun kommt ausgerechnet von dieser Seite scharfe Kritik an der Wirtschaftskammer Baselland.

Walter Schwager

Mit dem Freispruch für Regierungsrat Thomas Weber in der Affäre um die Schwarzarbeitskontrolle ZAK ist die Debatte um die Konstrukte der Wirtschaftskammer Baselland neu lanciert. Nun gehen Hauseigentümer auf Distanz zum einflussreichen Wirtschaftsverband: Die Sektion Waldenburg des Hauseigentümerverbands Baselland (HEV) hat an ihrer GV einen 20-Franken-Obulus, den jedes Mitglied zu Gunsten eines Sonderfonds des kantonalen HEV zu entrichten hatte, mit grossem Mehr aus den Statuten gestrichen. Der HEV Baselland ist formal unabhängig von der Wirtschaftskammer, personell allerdings eng mit ihr verflochten. Als HEV-Kantonalpräsident amtet Wirtschaftskammer-Direktor Christoph Buser. Zudem ist der HEV Baselland wie viele andere Organisationen im «Haus der Wirtschaft» in Pratteln ansässig.

Es geht letztlich um Hunderttausende Franken

«Ich bin nicht grundsätzlich gegen einen solchen Zusatzbeitrag», stellt der Ziefner Bankfachexperte und Hauseigentümer Rudolf Bolliger klar. Er wolle aber wissen, wofür dieses Geld eingesetzt werde. «Und das wird nicht bekanntgegeben. Weder einfache Mitglieder noch Delegierte erhalten Einsicht in diese Spezialrechnung.» Diese sei der Präsidentenkonferenz des kantonalen HEV vorbehalten. Rudolf Bolliger folgert:

«Über die Verwendung der Gelder in dieser Sonderrechnung können demnach einige wenige Personen an der Spitze de facto im Alleingang verfügen.»

20 Franken sind für das einzelne HEV-Mitglied nicht viel Geld, bei 17'500 Mitgliedern im Kanton fliessen aber mehrere hunderttausend Franken in den Fonds. Bolliger und weitere namentlich genannte «besorgte Hauseigentümer» und HEV-Mitglieder aus dem Waldenburgertal kritisieren in einem offenen Brief das Geschäftsgebaren des Kantonalverbands. Unter ihnen ist auch der ehemalige SVP-Landrat Paul Hug aus Ziefen.

Dem Antrag auf Statutenänderung an der ‒ wegen Corona auf dem Zirkularweg durchgeführten ‒ GV des HEV Waldenburg im Mai ist laut Protokoll mit grossem Mehr zugestimmt worden. Die von den Mitgliedern bereits einbezahlten Zusatzbeiträge sind nun blockiert. Beschlossen wurde der 20-Franken-Zusatzbeitrag an einer ausserordentlichen, eiligst einberufenen kantonalen Delegiertenversammlung im April 2019. Nur wenige Tage zuvor wurde das Geschäft an der GV der Sektion Waldenburg abgesetzt, weil es angeblich nicht spruchreif gewesen sei, berichtet Bolliger.

HEV Sektion Laufen ist bereits aus Kantonalverband ausgetreten

Die Hauseigentümer aus dem Waldenburgertal sind nicht die einzigen, die sich mit dem Spezialfonds des Kantonalverbands schwertun. Im Juli 2020 haben die Mitglieder des HEV Laufen und Umgebung an ihrer ordentlichen GV eine Änderung ihrer Statuten abgelehnt, mit welcher der Beschluss des Kantonalverbands in der Sektion hätte vollzogen werden sollen. Zwar stimmte eine Mehrheit dem neuen 20-Franken-Zusatzbeitrag zu, das für eine Statutenänderung nötige Zweidrittelmehr wurde indes verfehlt.

Die unmittelbare Konsequenz war der Austritt der HEV Sektion Laufen und Umgebung aus dem Kantonalverband: «Wir haben entschieden, unsere Mitglieder über diese Statutenanpassung abstimmen zu lassen. Sie haben sich dagegen und folglich auch gegen die Erhöhung der Mitgliederbeiträge entschieden», erklärt der Laufner HEV-Präsident Daniel Sieber. «Der Austritt war die unausweichliche Folge.» Das könnte nun auch dem HEV Waldenburg blühen. Nach dem Austritt Laufens zählt der HEV Baselland aktuell noch 14 Sektionen.

Aktuelle Nachrichten