In Birsfelden hört einer der letzten Kürschner auf: «Dieses Geschäft stirbt aus»

Das traditionelle Pelz-Handwerk hat keine Zukunft – in Birsfelden schliesst einer der letzten Kürschner seine Tore.

Alice Guldimann
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Rolf Arnold in seiner Werkstatt in Birsfelden. In wenigen Tagen geht er in Pension.

Rolf Arnold in seiner Werkstatt in Birsfelden. In wenigen Tagen geht er in Pension.

Roland Schmid

Das Thema Pelz ist in den kalten Wintermonaten wieder in aller Munde. Pelzverzierungen an Jacken und Mützen liegen im Trend und sind vom Weihnachtsmarkt und von der Skipiste nicht mehr wegzudenken. Einher mit dem Modetrend gehen Empörungswellen und Kritik. Grosse Modelabel werden von Tierschutz-Skandalen erschüttert oder wollen sich beliebt machen, indem sie scheinbar komplett auf Echtpelz verzichten. Gleichzeitig stirbt das ursprüngliche Pelzhandwerk, die Kürschnerei, langsam, aber sicher aus. Rolf Arnold ist einer der letzten, der in der Region Basel ein Pelzgeschäft führt. Am 5. Januar geht auch er in Pension.

Das Geschäft stirbt aus

Wir treffen Rolf Arnold in seiner kleinen Werkstatt im Keller seines Wohnhauses in Birsfelden. Der Raum ist vollgepackt mit Fellen aller Art. Sie hängen von der Decke, an Kleiderstangen und liegen in orangen Kisten. Katze, Biber oder Nerz lauten die Beschriftungen. Von einem Bild an der Wand strahlt einem Alfred Rasser an, sein Schnauzbart hat grosse Ähnlichkeit mit einem von Arnolds Fellen.

«Dieses Geschäft stirbt aus», erzählt Arnold. Die letzte Basler Kürschnergeneration habe in den vergangenen 15 Jahren nach und nach ihre Geschäfte aufgegeben. Einen weiteren gebe es noch in der Region, auch er habe sich jedoch in sein Privathaus zurückgezogen. Rolf Arnold setzt jetzt mit 69 Jahren einen Schlussstrich. Einen Nachfolger hat er nicht, seine rund 3500 Kunden schickt er nach Zürich. Die Geschichte von «Pelzarnold» begann 1947 in Birsfelden, am selben Ort, wo heute Rolf Arnold Pelze herstellt, repariert und verkauft. Zwölf Jahre später zog sein Vater mit dem Geschäft nach Basel, dort blieben die Arnolds bis 2015. «Heute bin ich wieder hier, wo alles angefangen hat», erzählt Arnold. Die Mieten in der Stadt konnte er sich nicht mehr leisten.

Arnold liebt sein Handwerk. Der Kürschner bearbeitet die Pelzstücke und stellt sie so zusammen, dass sie später von der Pelznäherin zu einem Mantel oder einer Jacke genäht werden können. «Das Kreative daran hat mir am besten gefallen, dazu ist Pelz ein schönes Produkt.» Doch die Nachfrage hat in den vergangenen Jahrzehnten massiv abgenommen. «Unser grösster Feind ist das Wetter, es ist einfach zu wenig kalt», sagt Arnold. Gleichzeitig wollten viele Leute heutzutage keinen Pelz mehr tragen. «Es stirbt zurzeit eine ganze Generation, die früher viel Pelz besessen hat.»

Grösseres Bewusstsein bei Kunden

Den aktuellen Echtpelz-Trend betrachtet Rolf Arnold kritisch: «Die grossen Warenhäuser wissen nicht, woher die Pelzkragen kommen, die sie verkaufen.» Seiner Meinung nach hätte man das Pelzgeschäft den Kürschnern überlassen sollen. Er kaufe selber ein und wisse genau Bescheid über die Herkunft der Felle. Dazu komme: «Ein gut gezüchtetes Fell, das schön aussieht und glänzt, kommt von einem gut gehaltenen Tier. Und es hat seinen Preis.»

Ein neuer Nerzmantel aus guter Haltung, in den 14 Tage Handarbeit fliessen, koste schon zwischen 8000 und 10 000 Franken. Billige Ware aus China habe es bei ihm im Geschäft nie gegeben, so Arnold. «Dort hat man wirklich kein Gefühl für die Tiere.» Gleichzeitig kritisiert Arnold aber auch den heutigen Tierschutz. Für das Kürschnergewerbe ist er seiner Meinung nach überflüssig geworden. Zu Arnolds Lehrzeit war es noch üblich, Felle von heute bedrohten Wildtieren zu verarbeiten. «Damals hat man überhaupt noch nicht darüber nachgedacht, woher das Material kommt.» Da sei zurecht der Tierschutz gekommen und habe klare Verhältnisse geschaffen. Heute ist seiner Meinung nach das Bewusstsein vorhanden. «Die Leute wollen wissen, was sie kaufen.»

In den letzten Tagen seines Geschäfts wird Rolf Arnold von Kundenanfragen überrannt. Viele wollen noch etwas ändern oder reparieren lassen, solange es ihn noch gibt. «Es macht mir Freude, aus einem alten Pelzmantel etwas Neues zu machen», sagt Arnold. Was man nicht mehr als Mantel tragen kann oder will, kann er in eine Weste, in ein Kissen oder eine Decke umarbeiten. Den ganzen Januar und Februar werde er noch viel zu tun haben. Doch am 5. Januar stellt er das Telefon ab. Die Mäntel, die er bis dann nicht verkauft hat, werden voraussichtlich in der Brockenstube landen.