Pratteln

Im Prattler Einwohnerrat kommen Zweifel an Dorfkernsanierung auf

Im Einwohnerrat scheitert der Versuch, die finanziellen Mittel von Grossprojekten zum Tagesgeschäft zu transferieren.

Michel Ecklin
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Die Umgestaltungen seien nicht als Einzelprojekte vorgesehen, sondern als Teil eines Gesamtkonzepts für die Umgestaltung des Dorfkerns.

Die Umgestaltungen seien nicht als Einzelprojekte vorgesehen, sondern als Teil eines Gesamtkonzepts für die Umgestaltung des Dorfkerns.

Üblicherweise ist es im Prattler Einwohnerrat die Linke, die mehr ausgeben will, die Bürgerlichen wollen sparen. Für einmal war es umgekehrt. Die Fraktion der Unabhängigen/Grünen (U/G) forderte, zwei Bauprojekte zurückzustellen, nämlich die Neugestaltung des Schmittiplatzes und der Bahnhofstrasse. Die Vorhaben seien wohl eher «nice to have» und die Finanzierbarkeit fraglich, heisst es in den beiden separaten Vorstössen.

Zudem befänden sie sich nicht in den laufenden Legislaturzielen. In der Diskussion wurde deutlich, worum es den Unabhängigen – und mit ihnen einige wenige Sozialdemokraten – bei diesem Sparvorschlag ging. Sie waren nämlich der Meinung, dass die Gemeinde in den vergangenen Jahren grosse Bauprojekte angehäuft habe.

Benedikt Schmidt (U/G) nannte als Beispiele die diversen Schulhaussanierungen und -neubauten, die Fröschi-Unterführung, den Werkhof und das Gebiet Bahnhof Nord. «Wir sollten nicht wegen einiger grosser Projekte andere Aufgaben vernachlässigen», meinte er. Überall müsse die Gemeinde sparen. «Eine Gesundschrumpfung auf wenige Projekte wäre gut.» Und seine Parteikollegin Petra Ramseier sagte: «Unsere Schulen pfeifen aus dem letzten Loch. Wir haben grosse Träume und blockieren damit das Tagesgeschäft.» Die Bürgerlichen machten deutlich, wie sehr sie an der Neugestaltung des Prattler Dorfkerns hängen. Sie sahen in den Postulaten ein «Denkverbot», so unter anderem Christoph Pfirter (SVP) und Thomas Sollberger (FDP).

Gesamtkonzept versprochen

Der Gemeinderat kämpfte grad vierfach für die zwei Umgestaltungsprojekte. So sprach Gemeinderat Stefan Löw (FDP) von «prioritären Projekten», die für Pratteln «identitätsstiftend» seien. Die Umgestaltungen seien nicht als Einzelprojekte vorgesehen, sondern als Teil eines Gesamtkonzepts für die Umgestaltung des Dorfkerns. Schliesslich gehe es darum, Pratteln zu beleben. «Bitte blockieren Sie die Entwicklung nicht», lautete sein Appell an die versammelten Einwohnerräte. Gemeindepräsident Stephan Burgunder (FDP) versprach für 2018 ein Gesamtkonzept für den Schmittiplatz. Die Million Franken dafür im Finanzplan und die 4,7 Millionen für die Bahnhofstrasse seien nur «Platzhalter». Wie viel die Umgestaltungen tatsächlich kosten würden, wisse man erst, wenn konkrete Projekte vorlägen.

Gemeinderat Urs Hess (SVP) warf den Unabhängigen/Grünen vor: «Ihr wollt uns für vier Jahre verbieten zu denken. Dabei wollen wir doch zusammen in die Zukunft schauen.» Und für Gemeinderätin Christine Gogel (SP) war es wichtig, «den Freiraum zu haben, um darüber nachzudenken, was wir wollen».

«Prioritätensetzen ist kein Denkverbot», entgegnete Schmidt. Doch damit konnte er keine Mehrheit überzeugen. Die beiden Postulate hatten gegen die vereinigten Bürgerlichen keine Chance.