Herrenfasnacht
Statt am Umzug spielen die Guggen in Breitenbach im Fasnachtsdorf: Mittendrin sind die Lokalmatadore Hirzefäger

Viele Menschen besuchten am Samstag das Fasnachtsdorf. Dreizehn Guggen spielten Platzkonzerte und einige Wagen waren vor Ort. Wir hefteten uns an die Fersen der Guggemusik Hirzefäger, die ein Heimspiel hatte.

Dimitri Hofer Jetzt kommentieren
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Die Breitenbacher Hirzefäger spielten zwei Konzerte auf der Treppe der katholischen Kirche.

Die Breitenbacher Hirzefäger spielten zwei Konzerte auf der Treppe der katholischen Kirche.

Nicole Nars-Zimmer

Gemächlich pilgern die Menschen am frühen Samstagnachmittag zum Breitenbacher Ortszentrum zwischen Kreisel und katholischer Kirche. Im Probelokal der Guggemusik Hirzefäger am Dorfplatz steigt mit jeder Minute die Vorfreude. Das Fasnachtsdorf, das in diesem Jahr wegen der Coronapandemie den traditionellen Umzug ersetzt, ist der absolute Höhepunkt für die 38 Musikerinnen und Musiker.

Mit Bier, Moscato und Smirnoff Ice stimmen sich die Mitglieder der Gugge ein. Nach einem Jahr Unterbruch – 2020 wurde der Lockdown wenige Tage nach der Herrenfasnacht verkündet – herrscht auch in Breitenbach grosser Nachholbedarf. Präsident Oliver Roth sagt:

«Wir waren immer überzeugt davon, dass es eine Fasnacht geben wird. Dass nun sogar keine Zertifikate mehr nötig sind, macht den Anlass noch schöner.»

Ein Schminkteam hat ihm, wie allen anderen, mit roter und schwarzer Farbe ein Herz und ein Karomuster auf das Gesicht gemalt.

Dimitri Hofer

Viele Verkleidete im Publikum, aber wenige ausgestellte Wagen

Im Gegensatz zu den anderen Formationen dürfen die Hirzefäger als Lokalmatadore zweimal auftreten. 13 Guggen spielen im Verlauf des Nachmittags kurze Konzerte auf der Treppe der katholischen Kirche. Die meisten stammen aus dem Thierstein oder aus dem Laufental. Aber auch Guggenmusiken aus dem Oberbaselbiet, aus dem Luzernischen und aus dem Solothurner Bezirk Thal haben den Weg ins Schwarzbubenland gefunden. Das Wetter spielt mit: trotz kühler Temperaturen lässt sich die Sonne immer wieder blicken.

Viele Besuchende kamen verkleidet ins Breitenbacher Fasnachtsdorf.

Viele Besuchende kamen verkleidet ins Breitenbacher Fasnachtsdorf.

Nicole Nars-Zimmer

Auch wenn der Umzug noch einmal abgesagt wurde, hält das die Menschen nicht davon ab, in beinahe gleich hoher Anzahl das Fasnachtsdorf zu besuchen. Bei ihnen scheint nach dem ungewollten Unterbruch das Verlangen, sich dem Fasnachtstreiben hinzugeben, ebenfalls vorhanden zu sein. Erstaunlich viele Erwachsene haben sich verkleidet, und sind zu Eishockeyspielern, Clowns oder Harry Potter geworden. Im Breitenbacher Zentrum tanzen sie alle gemeinsam zum Guggensound, decken sich an den zahlreichen Ständen mit Essen und Flüssigem ein und begutachten die wenigen ausgestellten Wagen.

Den unsicheren Aussichten der vergangenen Monate ist es geschuldet, dass kaum Formationen einen Wagen gebaut haben. Eine Wagenclique beschäftigt sich mit der Abstimmung über die Ehe für alle, eine andere mit dem Ende der DDR. Wobei bei letzterem Wagen nicht wirklich ersichtlich ist, weshalb dieses Thema gewählt wurde.

Eine der wenigen Wagencliquen befasste sich mit der Abstimmung über die Ehe für alle aus dem vergangenen Jahr.

Eine der wenigen Wagencliquen befasste sich mit der Abstimmung über die Ehe für alle aus dem vergangenen Jahr.

Nicole Nars-Zimmer

Keine Fasnacht feiern zu können, sei komisch gewesen

Nachdem sich die Hirzefäger unter das Volk gemischt hatten, treffen sie sich eine halbe Stunde vor dem ersten Auftritt vor dem Probelokal. Ein Spender mit Desinfektionsmittel erinnert daran, dass wir uns noch immer in einer Pandemie befinden. Ansonsten ist Corona im Breitenbacher Fasnachtsdorf erstaunlich wenig präsent.

Mitglied um Mitglied erreicht den Dorfplatz und schnappt sich das Instrument. Mit ihren 34 Jahren ist Trompeterin Juliette Häner eine der Veteraninnen der Gugge. «Dass wir im vergangenen Jahr keine Fasnacht feiern durften, war komisch», sagt sie. Um gleich hinterherzuschieben: «Ich bin dann halt meinem Freund Skifahren gegangen. Irgendetwas musste laufen.»

Als zwei Musiker gemeinsam zur katholischen Kirche laufen, überkommt es den einen:

«Oh Gott, wie habe ich das vermisst.»

Zu einem eigens für das Fasnachtsdorf aufgenommenen Remix eines Songs zweier Rapper aus der Region, auf dem die Guggemusik zu hören ist, positionieren sich die Hirzefäger auf der Treppe der katholischen Kirche. Wie keiner anderen Gugge gelingt es ihnen, das Publikum zu überzeugen, das nach jedem Lied frenetisch jubelt. Mit Songs von Destiny's Child, Iron Maiden und Lady Gaga fällt die Setlist abwechslungsreich aus.

Die Breitenbacher Hirzefäger kurz vor dem Abschluss ihres Konzertes im Fasnachtsdorf.

Die Breitenbacher Hirzefäger kurz vor dem Abschluss ihres Konzertes im Fasnachtsdorf.

Nicole Nars-Zimmer

Zahlreiche Besuchende lauschten den Konzerten der Guggen

Selbst wenn die Hirzefäger bei ihrem Heimspiel in Breitenbach den grössten Applaus einheimsen, ist der Platz vor der Treppe auch bei den anderen Guggen gut gefüllt. Weiter hinten hören viele Besuchenende ebenso gebannt zu, als die Lady Killers aus Laufen, die Donnerwäschpi aus Fehren oder die Roggeburger Waggis aufspielen. Die weiteste Anreise haben die Lättguuger aus Winikon im Kanton Luzern hinter sich.

Einige enttäuschte Kinder gibt es trotzdem

Die Stimmung im Breitenbacher Fasnachtsdorf steht derjenigen an früheren Umzügen in nichts nach. Viele Besucherinnen und Besucher nutzen auch hier die Gelegenheit, mit Bekannten einen Schwatz zu halten, die sie seit längeren Zeit nicht mehr gesehen haben. Einige Kinder blicken jedoch angesichts der in diesem Jahr ausbleibenden Süssigkeiten, die sie sonst aus den Wagen erhalten, ein wenig enttäuscht drein. Sie, wie auch alle anderen, sollen im kommenden Jahr mit einem traditionellen Umzug wieder auf die Kosten kommen.

Der Publikumsaufmarsch in Breitenbach war gross.

Der Publikumsaufmarsch in Breitenbach war gross.

Nicole Nars-Zimmer

Beim zweiten Auftritt der Guggemusik Hirzefäger am frühen Abend ist der Dorfkern schon nicht mehr so gut gefüllt wie noch am Nachmittag. Viele Familien mit kleinen Kindern haben bereits dem Heimweg angetreten. Auch die Lokalmatadore zieht es nun weiter: Um 1 Uhr spielt die Gugge am Maskenball in der Nachbargemeinde Büsserach noch einmal.

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