Laufen

Gymnasiasten üben sich als Dessous-Designer

20 Schüler entwickeln während einer Wirtschaftswoche im bernischen La Ferrière einen Produktionsbetrieb. Die Dessous-Produktionslinie zu entwerfen, machte den Schülern riesig Spass

Jürg Jeanloz
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In der Schloss- und Beschlägefabrik von Kleinlützel werden die Schüler in die Produktion eingeweiht. jjz

In der Schloss- und Beschlägefabrik von Kleinlützel werden die Schüler in die Produktion eingeweiht. jjz

Ein Produkt im Wert von 70 Franken sollte es sein, das die Schülerinnen und Schüler der Klasse 2ABZ des Gymnasiums Laufen herstellen und vertreiben würden. Drei Lehrlinge waren ebenfalls mit von der Partie, und einem kam die Idee, Dessous-Wäsche als Übungsobjekte zu wählen. «Leider hatten wir keine Originalprodukte zur Hand», meint die Gymnasiastin Leah Borer an der Schlussbesprechung. Trotzdem habe es riesig Spass gemacht, für die Wäsche eine ganze Produktionslinie mit Intensivwerbung auf die Beine zu stellen.

Wie in der Geschäftswelt

Die 24 Jugendlichen wurden in vier Gruppen aufgeteilt. Wie in der ordentlichen Geschäftswelt wurden der Geschäftsführer CEO, der Finanzchef CFO und weitere Kadermitglieder bestimmt, die ihre Chargen entsprechend wahrnehmen mussten. Zwei Fachlehrer, die in ihren Unternehmen Kaderpositionen einnehmen, bereiteten die Jugendlichen auf ihre Aufgaben vor und vermittelten ihnen die notwendige Theorie. Besonderer Wert wurde auf das Rechnungswesen gelegt. So erstellten die Absolventen Bilanzen, Erfolgsrechnungen und Kennzahlen für die Geschäftsleitung.

«Wir wurden immer wieder mit neuen Umweltbedingungen konfrontiert», wusste Marco Zutter zu berichten. Einmal sei man in eine Rezession geschlittert, dann hätten sich die Währungsbedingungen wieder verändert. Das Kaderpersonal sei konstant auf Trab gehalten worden, um die Realitäten in der Geschäftswelt möglichst genau abzubilden. Mithilfe des Internets wurde ein Katalog der kecksten Modelle erstellt, Plakate wurden entworfen, Preislisten und Rabattskalen festgelegt. In Facebook und im Radio wurde kräftig für das Unterwäschesortiment geworben, Pressekonferenzen abgehalten, alle Aktivitäten erfolgten möglichst wirklichkeitsnah.

Was hatte den Gymnasiasten am besten gefallen? «Das Essen war vorzüglich gewesen, ich konnte mich sogar vegetarisch verpflegen», schwärmt Leah Borer. Die Fachlehrer seien witzig, aufgeschlossen und gut gewesen. Die Zeitvorgaben konnten eingehalten werden, in der Freizeit habe jeder tun und lassen können, was ihm gefiel. Ausgang sei nicht möglich gewesen, da La Ferrière zu abgelegen sei. Trotzdem: Gina Labhart bringt es auf den Punkt: «Wir würden sofort wieder gehen».

Einzig die Anleitung für das Vorgehen sei zu wenig strukturiert gewesen. Auch die vorgängige Besichtigung der Schloss- und Beschlägefabrik in Kleinlützel habe ihnen nicht sehr viel genützt.

Isidor Huber, Rektor des Gymnasiums Laufen, besuchte die Absolventen am letzten Tag der fünftägigen Ausbildungswoche. «Ich war fasziniert von den Präsentationen und habe meine Schüler bewundert.» Die Jugendlichen hätten sich auch mit der Ökologie, sozialen und ideologischen Fragen beschäftigen müssen. Er sei selber vor 33 Jahren in einer ähnlichen Ausbildungswoche gewesen, aber die Jungen von heute seien viel gewandter und besser mit den elektronischen Hilfsmitteln vertraut.