Bahn oder Bus

Gnadenfrist fürs Läufelfingerli

Über das Läufelfingerli soll nicht im Rahmen des umstrittenen öV-Leistungsauftrags entschieden werden.

Hans-Martin Jermann
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Ob und wie das Läufelfingerli nun weiterfahren soll, darüber soll nicht im Rahmen der öV-Leistungsaufträge entschieden werden.

Ob und wie das Läufelfingerli nun weiterfahren soll, darüber soll nicht im Rahmen der öV-Leistungsaufträge entschieden werden.

Nicole Nars-Zimmer

m kommenden Donnerstag kommt es im Landrat zur Monster-Debatte über den kantonalen öV-Leistungsauftrag 2018 bis 2021. Es gibt etliche Konfliktfelder: Soll die S-Bahnlinie 9, das Läufelfingerli, erhalten werden? Die Regierung will dieses durch einen Bus ersetzen und so rund 840 000 Franken pro Jahr einsparen.

Wie sieht künftig das Busangebot im Oberbaselbiet aus? Und: Sollen im Unterbaselbiet zu Randzeiten Buskurse gestrichen werden, um so einen öV-Kahlschlag im oberen Kantonsteil zu verhindern? Zu diesen Themen werden wohl zahlreiche Änderungsanträge eingereicht, das Geschäft droht im Chaos zu versinken.

Ein Vorschlag könnte indes zur Entschlackung beitragen: Landräte aus dem Komitee für den öV in den Randregionen wollen das Läufelfingerli aus dem Leistungsauftrag herauslösen; den Antrag unterstützen auch linke Unterbaselbieter wie Jan Kirchmayr (SP, Aesch) «Die Gefahr eines Referendums könnte dadurch verringert werden», sagt der SVP-Landrat und Buckter Gemeindepräsident Peter Riebli. Zudem kriege die Politik zusätzliche zwei Jahre Zeit, um mögliche Alternativen zur Umstellung auf den Busbetrieb und «kreative Lösungen« nochmals zu diskutieren.

Es sei unnötig, jetzt einen überhasteten Entscheid zu fällen. Denn: Gemeinsam mit den übrigen Änderungen im Leistungsauftrag per 2018 kann das Läufelfingerli gar nicht stillgelegt werden; auch deshalb nicht, da das das Solothurner Parlament den Segen geben müsste.

Grünen-Präsidenten Florence Brenzikofer verweist darauf, dass in den Angebotsplänen für das Jahr 2030 im Rahmen des Ausbaus der Regio-S-Bahn geplant sei, die S 9 im Halbstundentakt zirkulieren zu lassen und bis nach Basel zu führen. Sie fordert deshalb anstatt kurzfristiger kontraproduktiver Sparübungen eine langfristige Perspektive für den öV im ländlichen Raum.

«Zweitklass-Baselbieter»

Der Läufelfinger Gemeindepräsident Dieter Forter (FDP) kämpft mit markigen Worten um den Erhalt der S-Bahn im Homburgertal. Dass die Umstellung auf Bus für viele öV-Nutzer im Tal attraktiver sei, «ist ein Märchen». Der Bus führe zu massiv längeren Reisezeiten und einem Verlust der Anschlüsse in Sissach und Olten.

Die Stimmung im Dorf sei schlecht, betont Forter: «Wir fühlen uns in Läufelfingen je länger, je mehr wie Zweitklass-Baselbieter». Riebli fasst den drohenden öV-Abbau und die Diskussion um die innerkantonale Solidarität so zusammen: «Es ist unredlich, wenn man den ländlichen Nehmergemeinden die Entwicklungsmöglichkeiten verunmöglicht.»