Klausurtagung

Geplantes Parkhaus verschlimmert Situation weiter: Bubendorf versinkt im Verkehr

Gemeinderat sucht jetzt in einer Klausurtagung nach Verbesserungen. Vor der Türe steht der Bachem-Ausbau mit 900-plätzigem Parkhaus.

Andreas Hirsbrunner
Drucken
Teilen
Eine besonders neuralgische Verkehrsstelle in Bubendorf ist die Coop-Kreuzung.

Eine besonders neuralgische Verkehrsstelle in Bubendorf ist die Coop-Kreuzung.

Kenneth Nars

Eigentlich könnte Bubendorf aufatmen. Ende November sollte die 1,5 Millionen Franken teure Instandsetzung der Hauptstrasse nach siebenmonatiger Leidenszeit mit Baulärm, Wartezeiten und längeren Staus fertig sein.

Doch das Aufatmen gleicht eher einem Röcheln, denn die Verkehrslawine, die vor allem werktags das 4400-Seelen-Dorf mit Lärm und Gestank eindeckt, bleibt – einfach in etwas flüssigerer Form. 13700 Fahrzeuge sind es im Tagesdurchschnitt, wie die letzte Zählung im Jahr 2015 ergeben hat; mittlerweile dürften es einige hundert mehr sein. Im Oberbaselbiet muss nur Böckten eine noch grössere Verkehrslast mitten im Dorf ertragen.

«Verkehr ist gewaltig» – und er wird noch gewaltiger

Die Verkehrssituation beschäftigt auch den Bubendörfer Gemeinderat und zwar so sehr, dass er nächste Woche dazu eine Klausurtagung abhält. Man werde dann die Verbesserungsvorschläge der Ingenieure diskutieren und Schlüsse daraus ziehen, sagt Gemeindepräsident Walter Bieri (SVP). Details will er nicht verraten, nur so viel: «Der Verkehr in unserem Dorf ist gewaltig. Wir müssen auf der Hauptstrasse einen besseren Fluss hinbringen und suchen jetzt nach Massnahmen für die neuralgischen Punkte. Das vor allem bei der Einmündung von Nebenstrassen.»

Mit dem Kanton seien auch andere Varianten besprochen worden, so etwa, dass Bubendorf im Osten unter dem Murenberg hindurch umfahren werden könnte. Wegen der Kosten von über 400 Millionen Franken und der «enormen» Realisierungsdauer sei das aber verworfen worden, so Bieri.

Doch der Handlungsdruck auf den Gemeinderat wächst. Denn wegen eines Ereignisses, das Bieri eigentlich freut, dürfte es verkehrsmässig bald noch schlimmer kommen: Bubendorfs grösster Arbeitgeber, die Firma Bachem, baut aus. Dazu gehört laut Bieri eine Personalaufstockung um 500 bis 700 Mitarbeiter und ein Parkhaus mit 900 Plätzen.

Ohne Massnahmen wird die Verkehrssituation ganz schwierig.  

(Quelle: Walter Bieri, Gemeindepräsident Bubendorf)

Was die Freude trübt: Das Bachem-Gelände befindet sich verkehrsmässig auf der falschen Dorfseite. Es liegt im Süden, während der grösste Teil der Mitarbeiter von Norden aus Richtung Liestal kommt und somit morgens und abends das ganze Dorf durchfahren muss. Bieri sagt: «Wir haben jetzt zwei bis drei Jahre Zeit, bis der Bachem-Ausbau realisiert ist. Wenn wir bis dann keine Massnahmen ergreifen, wird die Verkehrssituation ganz schwierig.»

Fest steht, dass innerhalb des Dorfs die Strassenkapazität nicht erweitert werden kann. Patrick Bärenfaller vom kantonalen Tiefbauamt sagt dazu: «Die Verkehrsmenge in Bubendorf ist so gross, dass es eine breitere Strasse bräuchte. Doch die vielen privaten Vorplätze zwingen sie in ein Korsett, das sich nicht verbreitern lässt.»

Optimierte Lichtsignalanlage, zweispurige Strasse

Und schon steht die nächste Grossbaustelle mit drohenden Staus vor der Türe: der Neubau der Waldenburgerbahn (WB). Für Bubendorf und damit auch das ganze Hintere Frenkental fällt dabei vor allem der Umbau des Kreuzungsbereichs im Bad Bubendorf ins Gewicht. Dieser beginnt nächsten Sommer und dauert etwa ein halbes Jahr. Dabei werden die Schienen erneuert und die WB auf Zweispurbetrieb ausgebaut.

Gleichzeitig gibt es auch Verbesserungen für den motorisierten Verkehr: Die Lichtsignalanlage werde optimiert und von Seiten Bubendorf könne der Verkehr nach Abschluss der Arbeiten zweispurig nach Liestal abbiegen, sagt Stefan Roana, beim Kanton Leiter Verkehrstechnik. Das reduziere den Rückstau in Richtung Migros-Kreisel. Ob dieser Kreisel aber den künftigen Mehrverkehr schlucken könne, werde derzeit untersucht. Allenfalls müsse ein Ausbau geprüft werden.

Velos als Hoffnungsträger, Busse im Stau

Gäbe es denn nicht auch Möglichkeiten, den Autoverkehr einzudämmen? Gemeindepräsident Bieri sagt: «Eine gute Alternative ist das Velo. Jeder, der davon Gebrauch macht, ist einer weniger im Stau.» Der Gemeinderat wollte deshalb zusammen mit dem Kanton eine der wenigen noch bestehenden Gefahrenstellen beim Velowegnetz entschärfen: Im Dorfzentrum zwischen Restaurant Schmiedstube und Dinghof sollte mitten auf der Hauptstrasse ein Mehrzweckstreifen markiert werden, um für Velofahrer das Abbiegen auf den Veloweg Richtung Liestal respektive ins Oberdorf gefahrenloser zu machen. Dazu müsste aber die Strasse verbreitert werden, was nur geht, wenn die Privaten rundherum etwas Land abtreten. Und das machen sie nicht, wie kürzlich die «Volksstimme» berichtete.

Was jetzt, Herr Bieri? «Die ausgearbeitete Variante wäre die absolut vernünftigste. Wir sind jetzt am Suchen von Alternativen.» Kaum Verbesserungsmöglichkeiten gibt es beim öffentlichen Verkehr, weil Bubendorf schon heute sehr gut angebunden ist. Nur: Auch die Busse stehen, wenn es wieder staut im Dorf.