Gelterkinden
Die zwei ungleichen Kandidaten, die in den Gemeinderat wollen

Bei der Gemeinderatsersatzwahl in Gelterkinden duellieren sich der politisch erfahrene Pascal Catin und Quereinsteiger Urs Dünner.

Simon Tschopp Jetzt kommentieren
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Beide wollen ins Gemeindehaus, nur einer wird es schaffen: Pascal Catin (links) und Urs Dünner.

Beide wollen ins Gemeindehaus, nur einer wird es schaffen: Pascal Catin (links) und Urs Dünner.

Kenneth Nars (Gelterkinden, 7. Januar 2020)

Präsident des Bürgerlichen Zusammenschlusses Gelterkinden (BZG) und der örtlichen FDP-Sektion, Mitglied der Rechnungsprüfungskommission, Leiter des Komitees des im vergangenen Juni erfolgreichen Referendums gegen Tempo 30: Das ist Pascal Catin, 33-jährig, Bankkaufmann und Betriebsökonom. Der parteilose Urs Dünner (67) ist pensionierter Informatiker und politisch noch unerfahren. Er gehört dem Vorstand des Kulturraums Marabu an, hat einen Fotoband über den FC Basel herausgegeben, ist Mitbegründer des FCB-Blogs www.rotblau.app. Bei der Gemeinderatsersatzwahl in Gelterkinden vom 13. Februar haben die Stimmberechtigten die Wahl zwischen zwei ganz unterschiedlichen Bewerbern.

Catin sagt:

«Ich hoffe, dass die Stimmbevölkerung vor allem meine Kompetenzen im Finanzbereich anerkennt.»

Denn die Gemeindefinanzen sind derzeit ein heiss diskutiertes Thema im 6200-Seelen-Ort. Die Gemeindeversammlung hat im Dezember das Budget 2022 mit einem Defizit von über 1,3 Millionen Franken an die Exekutive zurückgewiesen. Diese wird nun am 23. März eine neue Fassung vorlegen müssen, präsentiert von Finanzchef Stefan Degen (BZG), der als Gemeinderat per Ende März abtritt. Degens Nachfolger wird voraussichtlich die Finanzen übernehmen.

Pascal Catin hatte schon längere Zeit Interesse am Gemeinderatsamt. Nach der Rückweisung des Voranschlags habe er sich dann gesagt:

«Jetzt ist wahrscheinlich der richtige Zeitpunkt.»

Der BZG stand zudem unter Zugzwang, eine erfolgversprechende Kandidatur zu stellen. Bei der letzten Ersatzwahl Ende November 2020 erlitten die Bürgerlichen mit Sonia Gubitoso Menzel eine herbe Niederlage; der siegreiche Federico Tirri (parteilos) schnappte dem BZG nicht nur den Sitz, sondern auch die Mehrheit im Gemeinderat weg. «Wir müssen jetzt Gas geben», stellt Catin klar.

Der parteilose Urs Dünner lässt sich politisch «nirgends» verorten. Eine Wundertüte will er dennoch nicht sein, schon gar nicht unberechenbar.

«Leute, die mich kennen, wissen sehr wohl, wie ich ticke.»

Er sehe bei jeder Partei oder Ideologie Sachen, die ihn mehr oder weniger ansprächen. Auf Gemeindeebene gehe es primär um Sach- und nicht um Parteipolitik. «Man will Lösungen für anstehende Probleme finden, gerade bei den Finanzen», betont Dünner.

Der 67-Jährige räumt ein, dass er nicht für jede Art von Politik geeignet ist. Er sieht sich darin, in einem Gremium für Ausgleich zu sorgen.

«Das ist eine meiner Hauptstärken.»

Probleme anfassen und in Kooperation mit anderen versuchen, einen sinnvollen Kompromiss zu schmieden. Seine Wahlchancen stuft Urs Dünner als «intakt» ein. Er erkenne, dass Herr Catin schon viel politische Erfahrung und als Mitglied der Rechnungsprüfungskommission einen tieferen Einblick in die Gemeindefinanzen habe. «Mein Vorteil ist, dass ich eine Aussensicht einbringe und Dinge hinterfrage, die andere nicht in Frage stellen würden», erklärt Dünner.

Wie verhält sich die SP?

Wen die SP Gelterkinden bei der Gemeinderatsersatzwahl unterstützt, ist laut Präsident Christoph Belser noch nicht entschieden.

«Vorgesehen ist, beide Kandidaten zu einem Austausch einzuladen. Danach werden wir allenfalls eine Wahlempfehlung abgeben.»

Die SP hat – wie schon bei der Wahl letzten November – auch diesmal kein Parteimitglied nominiert. Wäre der BZG nochmals mit Frau Gubitoso gekommen, dann hätten wir auch jemanden portiert, macht Belser deutlich.

Wo würden die Gemeinderatskandidaten bei den klammen Finanzen den Hebel ansetzen? Pascal Catin zeigt auf:

«Die Problematik ist, dass man gar nicht so viele Möglichkeiten hat. Starke Kostentreiber wie Soziales und Bildung kann man nicht beeinflussen.»

Man müsse sich auf die Kernaufgaben einer Gemeinde konzentrieren sowie jede einzelne Ausgabenposition überprüfen. Kein Thema ist für den 33-Jährigen eine Erhöhung des momentanen Steuerfusses von 59 Prozent. Urs Dünner ist der Meinung, dass man unbelastet Punkt um Punkt durcharbeiten muss mit den zuständigen Gemeindemitarbeitenden, um zu beurteilen: Welche Ausgaben sind fix, wo gibt es noch Spielraum? Dazu Dünner:

«Die Kosten für den Weihnachtsbaum auf dem Dorfplatz und die Reinigung an der Fasnacht dürfen nicht einfach gestrichen werden.»

Da müsse die Bevölkerung mitentscheiden.

Der Ende März abtretende Finanzchef Stefan Degen bedauert, dass aus der Versammlung im Dezember keine substanziellen oder keine rasch realisierbaren Sparvorschläge eingebracht worden sind. Es hiess:

«Das Budget muss besser werden, dies und das darf man nicht streichen.»

Der Gemeinderat muss jetzt innert ein paar Wochen den Voranschlag komplett überarbeiten. Wäre die Gemeinde Gelterkinden eine Firma mit entsprechender Führungsstruktur, hätte man die Finanzen in einem halben Jahr im Griff, glaubt der Freisinnige. «Aber wir haben politische Prozesse, die dauern viel länger.» Klar sei, was zu tun sei: Die Ausgaben so weit zu senken, dass man ins Schwarze komme.

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