Geistschreiber

Gekröntes Behaupt

Willi Näf
Drucken
Teilen
Auch Trump hat seine positiven Seiten. Das sei nun wissenschaftlich erwiesen, sagt Willi Näf.

Auch Trump hat seine positiven Seiten. Das sei nun wissenschaftlich erwiesen, sagt Willi Näf.

Chris Kleponis / Pool / EPA

Auch Donald Trump hat also seine positiven Seiten. Es ist wissenschaftlich erwiesen. Er ging ja immer gern viral und hat schon Millionen Menschen infiziert. Das Coronavirus, das nicht existiert, das harmlos ist, an dem die Chinesen schuld sind und das schon lange bewältigt ist, hat den Präsidenten nun besucht, denn auch ein gekröntes Behaupt ist nur ein Mensch. Mitleid möchte der mächtigste Mann der Welt sicher keines, das ist für Schwächlinge. Seine Lebensmaxime war der Spott, und da darf er nun endlich seine eigene Ernte einfahren, wobei: Spotten werden nebst primitiven Bubendörfer Kolumnisten vor allem Sozialisten, Atheisten, Feministinnen, die Mörder von Ungeborenen, Antifa, BLM, Queers und alle andern gottlosen Demokraten. Die Republikaner aber werden beten, denn sie schützen Leben, mit vielen Waffen und wenigen Masken. Manche Worte werden fallen. Manche nicht. Hier ein paar.

Joe Biden: «Unsere Gedanken und Gebete sind bei der Republikanischen Partei.» Trumps ehemalige Regierungsmitarbeiter: «Er soll auf seinen eigenen gesunden Menschenverstand hören, oben links in der weissen Hausapotheke gibt’s Spritzen und Desinfektionsmittel.» US-Staatsanwälte: «Lass ihn bloss nicht so davonkommen.» Trumps Banken: «F*ck!!» Republikanische Senatoren: «Danke für deine Gnade oh Lord, bitte berufe ihn als Märtyrer ab in die ewige Heimat und salbe Mike Pence.» Trumps Administration: «Halleluja.»

Republikanische Prediger: «Weiche hinweg, Satan! Ich gebiete dir! In the Power! Of the Name!! Of Jesus!!! Corona-Virus, verlasse den gewählten Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika!!!» Zuhörer: «Amen oh Lord». Trumps Wahlkampfteam: «Herr schenk einen Whistleblower, der beweisen kann, dass ein Demokrat ihn mit Absicht angesteckt hat.» Bidens Wahlkampfteam: «Wir brauchen hieb- und stichfeste Beweise, dass Trump eine Infektion nur vorgaukelt, weil er sich bei seiner Rückkehr nach einem leichten Krankheitsverlauf als unzerstörbarer Gottgesandter aufspielen will.» Trumps Schwiegersohn: «Jetzt bloss keine Fotos mit Sauerstoff-Schlauch im Rachen». First Lady: «Wie lange muss er daheim bleiben? Reicht das Ritalin?» Baselbieter Satiriker: «74 ist ein schönes Alter.»