Energiewende

Gegner des Windkraft-Projekts im Muttenzer Hardwald mobilisieren so früh wie nie

Der Verein Wind-Still schiesst bereits scharf gegen die zwei geplanten Windräder zwischen Rangierbahnhof und Autobahn im Hardwald. Dabei wurde von Primeo Energie erst die Machbarkeit abgeklärt. Da der Zonenplan angepasst werden muss, braucht es zwingend einen GV-Entscheid.

Michael Nittnaus
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Die Gegner kritisieren die Nähe der Windräder zur Autobahn und zum Rangierbahnhof. Doch der exakte Standort steht noch gar nicht fest.

Die Gegner kritisieren die Nähe der Windräder zur Autobahn und zum Rangierbahnhof. Doch der exakte Standort steht noch gar nicht fest.

zVg

Eine steife Brise weht derzeit durch Muttenz. Dass Primeo Energie zusammen mit der Gemeinde und dem Kanton im Hardwald zwischen Rangierbahnhof und Autobahn zwei grosse Windturbinen aufstellen will, löst heftigen Widerstand aus (bz berichtete). Entladen wird sich das Gewitter erstmals morgen Abend im grossen Saal des Kongresszentrums Mittenza. Dann stellt der Gemeinderat das Projekt der Bevölkerung vor.

Doch schon seit Primeo Anfang August an die Öffentlichkeit gegangen ist, wächst die Kritik stetig. Flugs gründete SVP-Landrätin Anita Biedert das «Aktionskomitee gegen Windkraft in der Muttenzer Hard». Gestern kündigte sie an, morgen Abend in der Mittenza eine Petition zur Unterschrift aufzulegen. Kritik äusserte auch der Birsfelder Gemeindepräsident Christof Hiltmann und fuhr damit dem Muttenzer Gemeinderat Thomi Jourdan in die Parade, der für das Projekt weibelt. Am vergangenen Donnerstag schaltete sich schliesslich der Verein Wind-Still um den Füllinsdörfer Garagisten Christoph Keigel mit einer Medienmitteilung ein, die das Projekt als «heisse Luft» abtut.

Baugesuch ist frühestens im Sommer 2021 bereit

Eine Angst, die in Muttenz umgeht, ist, dass Primeo die beiden Windräder auf dem kleinen Dienstweg errichten kann – ohne dass das Projekt vor die Gemeindeversammlung muss. Dies, weil die Muttenzer schon 2009 entschieden haben, dass im Zonenplan ein Standort in der Hard für den Betrieb einer Windenergieanlage vorgesehen ist. Und auch der Landrat hat 2015 die Hard als Windkraftgebiet im kantonalen Richtplan erfasst.

Dabei hält der Muttenzer Gemeinderat in der Einladung zum Infoabend fest, dass der Zonenplan Landschaft eine Aktualisierung benötigt. Das bestätigt Primeo-Energie-Sprecher Jo Krebs: «Die Aktualisierung des Zonenplans erfordert die Zustimmung der Gemeindeversammlung. Die Muttenzer haben es jetzt selbst in der Hand.» Bereits Ende September werde die Gemeinde ein öffentliches Mitwirkungsverfahren durchführen.

Die Muttenzer haben es jetzt selbst in der Hand. 

(Quelle: Jo Krebs, Sprecher Primeo Energie)

Überhaupt hält Krebs die jetzige Diskussion über das Projekt für verfrüht: «Aktuell geht es um den politischen Prozess zum Zonenplan. Erst wenn dieser steht und angenommen ist, können wir das Baugesuch einreichen. Das ist frühestens im Sommer 2021 der Fall. Wir haben erst die generelle Machbarkeit abgeklärt.» Tatsächlich wollte Primeo ursprünglich erst kommendes Jahr informieren, sah sich aber zum Handeln gezwungen, da Informationen durchgesickert waren. Das führt nun zur Situation, dass über ein Projekt gestritten wird, bei dem vieles noch Spekulation ist.

Astra und SBB informiert, weitere Unterlagen nötig

Fest stehen die Dimensionen der beiden Anlagen. Sie werden eine Masthöhe von 140 Metern haben, wobei wegen der beiden 60 Meter langen Rotorblätter eine Gesamthöhe von 200 Metern erreicht wird. Wo die Masten innerhalb der vorgesehenen Zone aber genau stehen werden, ist erst Teil der Arbeiten an der Baubewilligungseingabe.

Daher irritiert, dass Wind-Still bereits eine Karte verschickt hat, auf der ein Windrad und dessen präziser Abstand zu Strasse und Schiene eingezeichnet ist; nämlich beidseitig bloss rund 60 Meter. «Damit würden die Rotoren sowohl über den Fahrstreifen der Autobahn und den Geleisen des Güterbahnhofs drehen», kritisiert der Verein und fügt an, dass das Bundesamt für Strassen Astra sowie die SBB dem Projekt kaum zustimmen dürften.

Gegenüber der bz bestätigt das Astra, von Primeo wegen möglicher Überschneidungen über das Projekt informiert worden zu sein. Man habe detaillierte Unterlagen eingefordert, um es beurteilen zu können. «Im Grundsatz haben uns Astra und SBB die Machbarkeit des Projekts bestätigt», sagt Krebs. Insgesamt habe man alle relevanten Aspekte für den Bau und Betrieb der Windanlagen abgeklärt, angefangen bei der Windstärke, über Lärmimmissionen und Abstandsregeln bis hin zur Gefahr für Vögel oder Fledermäuse.

Biedert und Keigel lassen derweil nicht locker und werden sich auch am Infoanlass zu Wort melden. Keigel sagt dazu: «Unsere Erfahrung zeigt, dass man mit dem Widerstand früh anfangen muss, um so ein Projekt zu stoppen.»