Arisdorf

Fusionsbestrebungen mit Hersberg rauben die Worte: Kein einziges Votum zur Prüfung

An der Arisdörfer Gemeindeversammlung löst die Prüfung einer Fusion mit Hersberg kein einziges Votum aus. Dies überrascht, wenn man betrachtet, was eine Fusion alles mit sich bringen würde.

Simon Tschopp
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Auch Arisdorf sagt Ja zur Fusionsprüfung.

Auch Arisdorf sagt Ja zur Fusionsprüfung.

Nicole Nars-Zimmer

Das Erstaunen ist gross. Nach seinen Informationen über die geplante Aufnahme von Verhandlungen über einen Zusammenschluss mit Hersberg, das im vergangenen Januar mit dem Anliegen an den Gemeinderat Arisdorf gelangt ist, eröffnet Gemeindepräsident Markus Miescher die Diskussion. In der Mehrzweckhalle ist es still. Grosses Schweigen, kein Wortbegehren.

Es kommt zur Abstimmung: 44 Personen sprechen sich für die Prüfung einer Fusion aus und den Bruttokredit von 50000 Franken, welche sich die Gemeinden teilen; zwei Stimmende sind dagegen, zwei weitere enthalten sich. Damit entscheidet der Souverän nach dem Gusto des Gemeinderats, der hinter dem Projekt steht.

Anspruchsvolles Vorhaben mit grosser Themenvielfalt

«Das freut mich, danke vielmals. Ich freue mich auf die grosse Arbeit», sagt Miescher danach. Und trifft damit den Nagel auf den Kopf. Die Projektphase für eine solche Gemeindefusion ist anspruchsvoll, die Themen sind mannigfaltig. Nun wird ein zehnköpfiges Projektlenkungsgremium organisatorische, rechtliche, finanzielle, kulturelle und personelle Bereiche vertieft analysieren und umfassende Entscheidungsgrundlagen erarbeiten.

Zum Team gehören je drei Gemeinderäte Arisdorfs und Hersbergs, je ein Mitglied der Rechnungs- und Geschäftsprüfungskommissionen sowie ein externer Berater und der Gemeindeverwalter, Letztere beide ohne Stimmrecht. Involviert sein werden auch kantonale Stellen. Die beiden Dörfer pflegen bereits eine enge Kooperation; gemeinsam betreiben sie Kreisschule, Gemeindeverwaltung, Friedhof und Werkhof. Damit sei das Potenzial an Verbundlösungen ausgeschöpft, glaubt der Gemeindepräsident.

Dauer des Prozedere bis Ende 2022

Den definitiven Zusammenschluss müssen dann die Gemeindeversammlungen absegnen, danach folgen Urnenabstimmungen. Sollten überall Ja-Mehrheiten resultieren, müsste auch noch der Kanton der Fusion zustimmen, was aber reine Formsache wäre. Dieses ganze Prozedere dürfte bis Ende 2022 andauern. Danach geht es an die Umsetzungsphase. «Frühestens 2024 sind wir auf der Zielgeraden», blickt Markus Miescher in die Zukunft und ist überzeugt, dass ein Zusammenschluss realistisch und zweckmässig sei. «Aber die Bestimmung von Name und Wappen wird eine emotionale Sache.»

Gemeindepräsident Miescher und andere Versammlungsteilnehmende zeigen sich nach der Versammlung überrascht, dass niemand das Wort ergriffen hat. Die zwei Leute, die sich gegen die Fusionsprüfung ausgesprochen haben, erklären ihre Haltung gegenüber der bz: «Wir sind grundsätzlich gegen Fusionen.» Diese Prüfung koste zu viel Geld, zudem müsste darüber zwingend an der Urne befunden werden, betont der eine; der andere gibt zu bedenken, bei einer Fusion gehe immer etwas kaputt und verloren.

Auf dem Berg oben gibt es Widerstand

In Hersberg fiel das Resultat weniger deutlich aus. An der Gemeindeversammlung Anfang Dezember 2019 wurde mit 18 gegen 9 Stimmen die Prüfung einer Fusion mit Arisdorf beschlossen. Dagegen ist zwar nicht das Referendum ergriffen worden, aber kürzlich hat ein «kleines Komitee von Einwohnern der Gemeinde Hersberg» ein Flugblatt gestreut.

Aufgrund eines Vergleichs mehrerer Kennzahlen beider Ortschaften kommen die vier für das Komitee stehenden Personen zum Schluss, der Zahlenvergleich zeige klar, dass ein «Riese» (Arisdorf) einen «Zwerg» (Hersberg) verschlucke. «Durch die grössere räumliche Distanz innerhalb der Gemeinde entsteht wenig Gemeinsinn beziehungsweise menschlicher Zusammenhalt.»

Im Anschluss an die Versammlung in Arisdorf sagte der als Gast anwesende Hersberger Gemeinderat Dieter Reimann zu dieser Zeitung, die Ausführungen dieses Komitees vermöchten ihre Exekutive nicht beunruhigen.