Feuerwehr

Feuerwehrreform im Baselbiet? Das ist der Mann mit der unbeliebten Mission

Der Kopf hinter der Feuerwehrreform ist Werner Stampfli. Er treibt die umstrittene Zentralisierung der Baselbieter Feuerwehren mit riesigem Elan voran.

Hans-Martin Jermann
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Ein Mann der klaren Worte: Feuerwehrinspektor Werner Stampfli.

Ein Mann der klaren Worte: Feuerwehrinspektor Werner Stampfli.

Nicole Nars-Zimmer

Er ist der Mann mit der unbeliebten Mission: Als Projektleiter der kantonalen «Feuerwehrreform 2025+» treibt er Regionalisierung und Professionalisierung voran. Von aktuell 42 Feuerwehren im Baselbiet – darunter 20 Ortsfeuerwehren und 22 Verbünde – sollen drei grosse Regionalfeuerwehren mit Aussenstandorten übrig bleiben. «Für einige Feuerwehrleute im Baselbiet bin ich das Gesicht des Bösen», sagt der kantonale Feuerwehrinspektor Werner Stampfli.

Wenn wir eine Ortsfeuerwehr betreiben, nur damit am Dorffest der Parkierdienst geregelt ist, dann machen wir etwas falsch.

(Quelle: Werner Stampfli, Kantonaler Feuerwehrinspektor)

Als die Baselbieter Regierung Anfang Juni Eckpfeiler zur Reform verkündete, da setzte es in den sozialen Medien emotionale Kommentare ab. Nicht wenige nahmen den obersten Feuerwehrmann des Kantons ins Visier. Er sagt: «Dabei entscheidet nicht der Stampfli, sondern Regierung und Parlament – ja letztlich womöglich das Volk.»

Wie erklärt sich Stampfli dann die Kritik an seiner Person? «Ich bin einer von ihnen. Das bringt mir nun, wo ich als Angestellter der Basellandschaftlichen Gebäudeversicherung (BGV) die Reform vorantreibe, da und dort den Ruf eines Nestbeschmutzers ein.»

Auch Stampfli verteidigte einst sein Königreich

Stampfli muss es wissen: Als ehemaliger Offizier der Ortsfeuerwehr Ormalingen wehrte er sich vor Jahren gegen das von seinem heutigen Arbeitgeber lancierte Projekt «Unita». Auch er habe damals sein kleines Königreich verteidigt. Der Verbund der Gemeinden Ormalingen, Hemmiken, Rothenfluh und Anwil ist trotzdem längst Realität. Stampfli war der erste Kommandant der Verbundfeuerwehr. Seinen Wandel vom Saulus zum Paulus kommentiert er so: «Man darf auch dazu lernen.»

Dass nun im ganzen Kanton Zusammenschlüsse nötig sind, ist für den 55-jährigen Zeglinger der logische Schritt. Die Frage nach dem «Ob» sei mit dem Grundsatzentscheid der Regierung ohnehin beantwortet. Im Zentrum stehe nun, wie die Reform umgesetzt werde. Die Baselbieter Feuerwehren seien zwar punkto Ausbildung und Ausrüstung auf dem neuesten Stand, aber teilweise immer noch in Strukturen des 19. Jahrhunderts verhaftet.

Tagesverfügbarkeit der Feuerwehr ist nicht überall gegeben

Stampfli erzählt von einer nicht genannten Gemeinde, welcher er vor nicht allzu langer Zeit einen Besuch abstattete, um dort im Rahmen einer Alarmübung die Einsatzbereitschaft der Feuerwehr tagsüber zu testen. Als er den Probealarm auslöste, da habe eine Anwohnerin gesagt: «Da können Sie lange warten. Da kommt niemand, unsere Feuerwehrleute arbeiten weit weg.»

Die Frau lag falsch: Nach 25 Minuten trudelte ein Feuerwehrmann auf dem Töffli ein, fünf Minuten später ein zweiter. Laut Gesetz muss zehn Minuten nach Alarmierung eine Feuerwehr mit acht ausgebildeten und ausgerüsteten Feuerwehrleuten auf dem Schadenplatz erscheinen. Das höre niemand gerne, sei aber nun mal eine Tatsache: Die Tagesverfügbarkeit sei bei einigen Feuerwehren nicht gegeben, sagt Stampfli.

Das Problem sei bereits vor zehn Jahren erkannt worden, aber noch nicht gelöst. Derzeit funktioniere das System noch, dies habe der gemeinsame Kampf gegen den Grossbrand in Laufen vergangene Woche eindrücklich gezeigt.

Chancen der Reform werden nicht erkannt

Laut Stampfli werden die Chancen der Reform zu wenig gesehen. Als Teil einer grossen und teilprofessionalisierten Einheit sei es befriedigender, Dienst zu leisten. «Hier werden sie auch künftig eine Drehleiter haben, in einer kleinen Feuerwehr ist das bereits heute kaum der Fall.»

Dass Feuerwehren zum sozialen Kitt beitragen, sei nicht von der Hand zu weisen. Bloss stehe das nirgends im Gesetz: «Wenn wir eine Ortsfeuerwehr betreiben, nur damit am Dorffest der Parkierdienst geregelt ist, dann machen wir etwas falsch.»

«Wenn ich als Böhlimann dastehe, dann ist das so»

Doch warum tut sich Stampfli diesen Konflikt an, wo doch nicht mal klar ist, ob bis zu seiner Pensionierung die Reform unter Dach und Fach ist? Sein Berufsstolz verlange von ihm, sich für die aus seiner Sicht richtige Sache einzusetzen. «Wenn ich deswegen als Böhlimann dastehe, dann ist das eben so.»

Wobei der Inspektor seine Popularität vermutlich unterschätzt. Der Laufner Feuerwehrkommandant Markus Burger hält Stampfli für gradlinig und sachorientiert: «Er ist keiner, der um den heissen Brei herumredet. Er ist offen und wählt klare Worte.» Nicht alle können damit gleich gut umgehen.

Dominik Straumann, Präsident des Feuerwehrverbands beider Basel, räumt ein: Stampfli habe keinen einfachen Stand, die Reform sei ein Hochseilakt. Auch wenn vielleicht nicht alle Details schon das Gelbe vom Ei seien: «Zentral ist für mich, dass er den Mut hat, die Probleme anzupacken und in die Zukunft plant.»