Ursachenforschung

Fasnachtsexperten gehen gegen den Stau-Teufel vor

An der Basler Fasnacht kämpft man gegen die Staus: Sind die Cliquen pünktlicher, gibt es auch keine Löcher im Cortège.

Simon Leser
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Der Basler Cortège soll dieses Jahr möglichst ohne Staus und Lücken ablaufen. Kenneth Nars

Der Basler Cortège soll dieses Jahr möglichst ohne Staus und Lücken ablaufen. Kenneth Nars

Kenneth Nars

Clique–Loch–Gugge–Loch–Clique–Loch ... An der Basler Fasnacht kämpft man mit den gleichen Problemen wie Autofahrer am Freitagabend in Richtung Basel: mit Staus. Staus am Cortège sind nun wahrlich keine besondere Neuigkeit, die Problematik lässt sich jährlich erwarten wie Geschenke an Weihnachten.

Nun schreitet das Fasnachts-Comité aber vehementer zur Tat, als das in den letzten Jahren der Fall gewesen war. Da Staubildungen jedes Jahr für Diskussionen sorgen, bat das Comité einen Verkehrsplaner um eine Analyse des Problems. Heraus kam dabei: «Die Fasnachtseinheiten halten sich teilweise nicht an den Zeitplan», sagt Bruno Kern, Verantwortlicher der Strassenfasnacht und Mitglied des Fasnachts-Comités. Deswegen entstehen beim Ein- und Ausfädeln Lücken oder halt eben: Staus.

Bis in diesem Jahr teilte das Comité den Cliquen und Guggen mündlich mit, dass sie sich doch bitte an den Zeitplan zu halten haben. Die mündliche Mitteilung kam offenbar nicht bei allen an. Darum geht das Comité heuer einen Schritt weiter: «Vor der diesjährigen Fasnacht informieren wir die Einheiten schriftlich. Die Pausenzeiten sind dabei explizit erwähnt», sagt Kern.

Matthias Rist, Obmann der Clique «d’Querschleeger», ist sich des Schreibens bewusst. Er führt die Staus auf die fehlende Disziplin gewisser Cliquen und Guggen zurück. «Die Staus sind schlussendlich sowohl für die Zuschauer als auch für die Fasnächtler selbst ärgerlich», stellt Rist fest. Bei so einer grossen Menge sei es aber normal, dass sich nicht alle an den exakten Zeitplan halten. Als Erklärung für die Verzögerungen stellt er eine interessante Vermutung auf: «Vielleicht liegt es ja auch daran, dass sich ein paar Cliquen vor den Fernsehstationen besonders lang präsentieren wollen.»

Nur mittwochs ein Problem

Zur Erklärung: Der Basler Cortège hat einen klaren Zeitplan. Um 13.30 Uhr laufen die ersten Gruppen los und jeweils 40 Minuten später dürfen die nächsten loslegen. Eine Gruppe läuft im Normalfall 40 Minuten und macht anschliessend genauso lange Pause. Um das zu verdeutlichen: Wer um 13.30 Uhr startet, ruht spätestens um 14.10 Uhr und legt frühestens um 14.50 Uhr wieder los. Was in der Theorie so simpel erscheint, funktioniert in der Realität nicht immer.

«Interessanterweise ist das Problem der Staubildung jedoch vor allem beim Cortège am Mittwoch vorhanden. Am Montag waren uns bisher weniger Staumeldungen bekannt», fügt Bruno Kern vom Fasnachts-Comité an. Das wirft die Frage auf: Warum funktioniert etwas am Mittwoch nicht, was zwei Tage zuvor kein Problem gewesen war? Laut Kern könne dies damit zusammenhängen, dass am letzten Tag der Fasnacht die Fasnachtseinheiten nicht mehr ganz so euphorisch und wesentlich müder seien, als noch am ersten Tag.

Appell an die Eigenverantwortung

Stärkere Regulierungen oder die Änderung, dass der Cortège von einem fixen Punkt A zu einem fixen Punkt B führt, könnten Lösungen gegen die Problematik sein. Diese Ideen stossen bei Kern und Rist auf keine offenen Ohren: «Die Basler Fasnacht soll ‹ein organisiertes Chaos› bleiben», erklärt Ersterer. Eine Meinung, die Rist teilt: «Wir wollen keine Verhältnisse wie zum Beispiel am Kölner Karneval, an dem vieles sehr reguliert ist und die Gruppen von A nach B laufen.»

Beide appellieren lieber an die Eigenverantwortung der Cliquen und Guggen. Wenn sie den Zeitplan einhalten, sollte nämlich auch kein Stau entstehen. Mit der schriftlichen Mitteilung erhofft man sich eine baldige Besserung. Sollte es bei der diesjährigen Ausgabe der Fasnacht wieder zu mehreren Staus kommen, müsste man erneut über die Bücher. Das Fasnachts-Comité hätte in diesem Fall auch noch andere Ideen, um das Problem in Griff zu bekommen. Wie diese genau aussehen, möchte das Comité allerdings noch nicht verraten. Klar ist bloss: Sollte keine Besserung eintreten, ist Aufgeben keine Option. Über kurz oder lang soll dem Stau-Teufel an der Basler Fasnacht der Garaus gemacht werden.