Muttenzer Orgelsprossen

«Farbenreiches Klangspektrum»: Organist Christoph Kaufmann im Interview

Der Organist der katholischen Kirche Muttenz erklärt, was die neue Orgel so besonders macht.

Tobias Gfeller
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Organist Christoph Kaufmann und die neue Orgel.

Organist Christoph Kaufmann und die neue Orgel.

Kenneth Nars

Am vergangenen Sonntag weihte Organist Christoph Kaufmann zusammen mit Sopranistin Franziska Baumgartner mit einem Konzert die neue Orgel «Himmelsleiter» in der Römisch-katholischen Kirche Muttenz ein. Das 1,3 Millionen Franken teure Instrument hat seine Bewährungsprobe bestanden. Morgen Abend startet die Konzertreihe «muttenzer orgelsprossen». Christoph Kaufmann erklärt, was die Orgel klanglich und baulich so speziell macht.

Absage

Am Freitagmorgen wurde das Orgelkonzert in Muttenz leider abgesagt. Der Grund für diesen Entscheid sind die steigenden Covid-19-Fallzahlen in der Region.

Christoph Kaufmann, das Publikum war am Sonntag begeistert. Was macht die neue Orgel vom Stil her musikalisch-klanglich aus?

Christoph Kaufmann: Stilistisch orientiert sich die Orgel an der französisch-elsässischen Tradition des 19. Jahrhunderts. 35 Register sind auf drei Manuale und Pedale verteilt. Viele spezielle technische Details befinden sich im Instrument. Ein Beispiel: Die Register Montre 16’ und Bourdon 16’ sind als Transmissionen gebaut: sowohl im Manual als auch im Pedal können sie separat gespielt werden. Der Klang der Orgel hat etwas Gesangliches. Das macht sie solistisch und insbesondere als Begleitinstrument so schön.

Was macht die Orgel baulich speziell?

Die Pedalzunge Ophicleide 16’ wurde nach Originalmensuren der Callinet-Orgel in Turckheim gebaut. Die Clarinette 8’ stammt aus einer historischen Welte-Orgel und wurde sorgfältig restauriert. Beide Elemente gibt es in Kirchenorgeln nur selten. Das sogenannte Effektregister Carillon ist eine mit Filzhämmern angeschlagene Einbau-Celesta. Einer meiner Lieblingsklänge ist die Kombination von Clarinette und Celesta. Der verströmt einen Hauch Orgue-Célesta.

Die Kirche ist von ihrem Betonbau her klanglich schwierig zu bespielen. Wie wurde erreicht, die Orgel so zu intonieren, dass die Klänge auch in der hintersten Ecke perfekt zu hören sind?

Die Intonationsarbeiten nahmen rund zwei Monate in Anspruch und waren sehr anspruchsvoll. Der Betonbau reflektiert die Obertöne stark und unangenehm. Intonateur Gunter Böhme schuf ein subtiles Instrument, das das ganze farbenreiche Klangspektrum der Orgel vom Pianissimo bis zum strahlenden Plenum zeigt – aus meiner Sicht ein klangliches Meisterwerk.

Die zauberhaften Klänge faszinieren mich täglich aufs Neue.

(Quelle: Christoph Kaufmann Organist, kath. Kirche Muttenz)

Im vollen Werk ist die Orgel kraftvoll, ohne dabei hart oder schrill zu werden. Die Obertöne stützen den Grundton, der Klang wächst und bleibt rund. Mich faszinieren die zauberhaften Klänge der neuen Orgel täglich aufs Neue.

Morgenabend beginnt die Konzertreihe «muttenzer orgelsprossen» mit Ihnen als Organist. Worauf kann sich das Publikum freuen?

Wir beginnen unser Konzert mit Zoltán Kodálys letztem Werk «Laudes Organi» (1966). Orgel und Gesang verschmelzen in einem Loblied auf die Musik zu einer Einheit. Im Anschluss spielen wir «The Celtic Mass». Michael McGlynns harmonische Sprache kombiniert traditionelle irische Musik, modale Melodielinien und Ornamente mit freier, jazzartiger Klangfülle. Eine Keltische Harfe und eine Tin Whistle, eine Schnabelflöte mit sechs Fingerlöchern, setzen dazu weitere musikalische Akzente. Zum Schluss erklingt Benjamin Brittens «Jubilate Deo» für Chor und Orgel.

Bei der Konzertreihe kommen verschiedene Organistinnen und Organisten zum Einsatz. Weshalb?

Mit den Orgelkonzerten wollen wir die Orgel in all ihren Schattierungen und Raffinessen zeigen. Dabei wollen wir verschiedene musikalische Elemente einbinden und die Orgel auch einmal als Begleitinstrument wirken lassen. Mit den «muttenzer orgelsprossen» möchten wir auch Menschen ausserhalb der Kirchgemeinde in die Kirche locken, die die Faszination der Orgel erleben und einfach nur wunderbare Musik geniessen möchten.

Muttenzer Orgelsprossen - abgesagt
Samstag, 17. Oktober, 20 Uhr, Katholische Kirche Muttenz, Eintritt frei, Maskenpflicht.