Sonntagsverkäufe
Ein Komma in der Coronaverordnung sorgte für Verwirrung: Markt in Bottmingen musste gleich zwei Mal schliessen

Die am Freitag bekanntgegebenen Massnahmen lösten Verunsicherung aus. Besonders bezüglich Weihnachtsbaumverkäufen und Bäckereien war auch noch am Sonntag nicht alles klar.

Zara Zatti
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Der Mathishof in Bottmingen darf am Sonntag doch keine Weihnachtsbäume verkaufen.

Der Mathishof in Bottmingen darf am Sonntag doch keine Weihnachtsbäume verkaufen.

Nicole Nars-Zimmer

Dass Kommas Leben retten, wissen wir seit dem Deutschunterricht in der Primarschule. So kann der Satz «Komm, wir essen, Opa!» zu einem gewaltigen Missverständnis führen, wenn man das zweite Komma weglässt. In der Pandemie bestimmen Kommas neu über die Öffnungszeiten am Sonntag. Am vergangenen Freitag gab der Bundesrat die neuen Massnahmen bekannt und nahm diese in die Corona-Verordnung auf. Für all jene, die die Kommaregeln nicht mehr präsent hatten, mutierte die Verordnung allerdings zu einem einzigen Rätsel.

So werden all jene Betriebe aufgelistet, die am Sonntag geschlossen bleiben müssen. Im ersten Abschnitt heisst es: «Einkaufsläden, mit Ausnahme von Apotheken, sowie Märkte im Freien». Ob die Märkte jetzt zu den Ausnahmen gehören oder nicht, das war die grosse Frage am Wochenende. Die Antwort lautet: Nein, auch die Märkte müssen schliessen. Denn laut Duden wird «sowie» als Synonym für «und» gewertet, wenn kein Komma davorsteht. Steht allerdings ein Komma, so wie in der Verordnung des Bundes, dann bezieht sich der letzte Teil auf den Anfang des Satzes. Die Märkte sind also nicht die Ausnahme, sondern die Regel.

Auch die Polizei musste zuerst nachfragen

Die missverständliche Formulierung führte bei Weihnachtsbaumverkäufern in der Region zu einem Chaos. So geschehen etwa auf dem Mathishof in Bottmingen. Seit einigen Jahren verkauft das Ehepaar Adeline und Roman Mathis Weihnachtsbäume auf seinem Bauernhof. Nach der Pressekonferenz des Bundesrates am Freitag gingen beide davon aus, dass sie ihren kleinen Weihnachtsmarkt am Sonntag nicht wie geplant würden durchführen können. Sie sagten den Anlass ab. Doch dann lasen sie in der Zeitung, für Märkte würde eine Ausnahme gelten.

Daraufhin machten sie die Absage auf ihrer Homepage rückgängig. In der Folge strömte am Sonntag die Käuferschaft in Scharen auf den Mathishof. Doch nur wenige Stunden nach Öffnung tauchte die Polizei auf: Das Ehepaar Mathis müsse den Markt laut der neuen Coronaverordnung schliessen. Nachdem sie der Polizei die Verordnung gezeigt hatten, wurden die Beamten aber unsicher und mussten ihrerseits nachfragen. Danach stand fest: Der Weihnachtsbaumverkauf am Sonntag verstösst gegen die neuen Regeln und muss abgebrochen werden. «Wir hatten eine Stunde Zeit, um den Markt abzubauen», erzählt Adeline Mathis.

«Wir waren enttäuscht, als wir dann doch schliessen mussten»

Auch für die Polizei seien solch kurzfristige Änderungen eine Herausforderung, erklärt Polizeisprecher Adrian Gaugler. So könne es, wie auf dem Mathishof, zu Verunsicherung kommen. Für solche Fälle hat die Polizei interne Fachstellen eingerichtet, an die sich die Polizisten wenden können. Weil die neuen Regeln erst am Freitag bekannt gegeben wurden, setzte die Polizei bei ihren Kontrollen mehr auf Aufklärung als Bestrafung. So musste der Mathishof am Sonntag zwar schliessen, gebüsst wurde das Ehepaar aber nicht. Dass ihnen ein Komma einen Strich durch die Rechnung gemacht hat, nimmt das Ehepaar gelassen: «Wir waren enttäuscht, als wir dann doch schliessen mussten. Doch es könnte schlimmer sein.»

Gipfeli ja, Brot nein

Auch bei den Bäckern herrschte am Wochenende Verwirrung. Laut den neuen Coronamassnahmen müssen Einkaufsläden am Sonntag schliessen. Gastrobetriebe hingegen dürfen bis 19 Uhr offen bleiben. Bei Bäckereien in der Region, die über ein Café mit Sitzplätzen verfügen, sorgte das für Verunsicherung. Der Schweizerische Bäcker-Confiseurmeister-Verband bestätigt jedoch, dass Bäckereien ihr Café am Sonntag öffnen dürfen. Damit ist die Situation genau umgekehrt wie noch beim Shutdown im Frühling, bei dem Bäckerein zwar über den Tresen verkaufen durften, ihr Café aber schliessen mussten. Über den Tresen dürfen Bäckereien nur Lebensmittel verkaufen, die man direkt essen kann. Das führt zur absurden Situation, dass sie zwar ein Gipfeli verkaufen dürfen, ein Brot allerdings nicht.