Delegiertenversammlung
Ein Festival der Einigkeit bei der Elektra Baselland

Der Verwaltungsratspräsident Erich Geiser fordert an der Delegiertenversammlung politische Massnahmen für die Wasserkraft.

Daniel Haller
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Nicht der neue Verwaltungsratspräsident, sondern das neue EBL-Logo für «Schweizstrom» .

Nicht der neue Verwaltungsratspräsident, sondern das neue EBL-Logo für «Schweizstrom» .

Daniel Haller

Etwas hätte sich Erich Geiser als neuer Verwaltungsratspräsident der Genossenschaft Elektra Baselland (EBL) sparen können, und sein verstorbener Vorgänger Reinhold Tschopp hat dies in einem früheren Jahr sogar mal vergessen: die Wahl der Stimmenzähler an der EBL-Delegiertenversammlung. Alle Anträge und sämtliche Wahlen wurden gestern Abend in Lausen auch dieses Mal einstimmig und ohne Enthaltung genehmigt. Neu in den Verwaltungsrat wurde Stefan Weber aus Arboldswil gewählt, Vizepräsident der Rego-Fix AG in Tenniken.

Bei aller Eintracht im Saal mit den 190 Anwesenden Delegierten wies Geiser doch eindringlich auf die Verwerfungen auf dem Strommarkt hin: Zwischen Januar 2013 und Dezember 2015 sank der Marktpreis für Strom von 4,5 auf 2.2 Rappen pro Kilowattstunde. Schweizer Kraftwerke produzieren aber zu einem Preis von 5,5 Rappen pro Kilowattstunde. Wer keine Endkunden in der Grundversorgung hat, die per Gesetz die Gestehungskosten bezahlen müssen, macht – wie die Alpiq, an der die EBL 7.13 Prozent Aktenanteil hat – pro Kilowattstunde 3 Rappen Verlust. Geiser rechnete vor, dass die Differenz zwischen Markt- und Produktionspreis 1,8 Milliarden Franken pro Jahr betrage. Und da für die nächsten fünf Jahre keine Änderung in Sicht sei, sich dies auf 9 Milliarden Franken summieren werde.

«Da die Kernenergie am Markt kaum Abnehmer findet, sehen sich Alpiq und andere Stromproduzenten gezwungen, sich von einem Teil der Wasserkraft zu trennen. Diese Entwicklung «kann dazu führen, dass wir inländisch produzierten Strom in Zukunft von ausländischen Unternehmen einkaufen werden. Ich fordere daher die Politik auf, dringend geeignete politische Rahmenbedingungen zu schaffen, dass unsere CO2-freie erneuerbare Energie, die von unseren Vorfahren mit grossem Mut und Pioniergeist erschaffen wurde, auf lange Sicht erhalten werden kann.»

Wie die EBL in diesem Marktumfeld sich weiter entwickeln will, legte anschliessend Geschäftsleiter Urs Steiner dar. Unter anderem biete die EBL mit Blick auf die zwar verschobene, aber wohl doch irgendwann kommende Marktliberalisierung auch Strom ausserhalb ihres Kerngebiets an. Dafür hat sie die Marke Schweizstrom kreiert, mit dem sie sowohl in Deutschland ein bereits liberalisiertes Umfeld testet als auch als in der Schweiz Kunden gewinnen will. Hinzu kommen die Anstrengungen, die eigenen Abläufe zu optimieren, um die eigenen Kosten tief zu halten.