Staatsanwaltschaft Baselland

Ehemaliger Kita-Leiter kommt vor Gericht: Er soll Kinder sexuell missbraucht und fotografiert haben

Die Staatsanwaltschaft Baselland hat gegen einen 36-jährigen ehemaligen Angestellten einer Allschwiler Kinderkrippe Anklage erhoben. Ihm werden mehrfache sexuelle Handlungen mit Kindern, Schändung und Pornografie vorgeworfen.

Kelly Spielmann
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Globegarden-Krippe in Allschwil am Steinbühlweg 216.

Globegarden-Krippe in Allschwil am Steinbühlweg 216.

Roland Schmid

Der Fall erschütterte im vergangenen Dezember die Region: Der Leiter der Kindertagesstätte Globegarden in Allschwil soll mehrere Kinder sexuell missbraucht haben. Nun hat die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen abgeschlossen und gegen den 36-Jährigen Anklage erhoben. Dies schreibt sie gestern in einer Medienmitteilung.

Die Liste der Vorwürfe, die gegen den Deutschen erhoben werden, ist lang: mehrfache sexuelle Handlungen mit Kindern, mehrfache Schändung, mehrfache Verletzung des Geheim- oder Privatbereichs durch Aufnahmegeräte und mehrfache Pornografie.

Handlungen aufgenommen und fotografiert

Der Verdacht, der beim Bekanntwerden des Falls im Raum stand, es sei mehr als nur ein Kind misshandelt worden, bestätigt sich damit: Man gehe davon aus, dass der Beschuldigte während seiner Tätigkeit bei Globegarden mehrmals sexuelle Handlungen an Kindern vorgenommen habe. Wie viele Kinder betroffen waren und um wie viele Fälle es sich handelt, gibt die Staatsanwaltschaft jedoch nicht bekannt. «Dazu machen wir derzeit keine Angaben», sagt Mediensprecher Michael Lutz auf Anfrage.

Was aus der Mitteilung ebenfalls hervorgeht: Der ehemalige Leiter der Kinderkrippe soll die mutmasslichen sexuellen Handlungen «zur eigenen Verwendung» aufgenommen und fotografisch festgehalten haben. Gemäss Lutz befindet sich der Beschuldigte seit seiner Verhaftung im Dezember und bis zur Verhandlung am Baselbieter Strafgericht in Haft. Wann der Prozess stattfindet, ist noch nicht bekannt.

Welche Strafe die Staatsanwaltschaft für den Beschuldigten fordern wird, kann Michael Lutz derzeit nicht sagen. Er verweist jedoch auf das Strafgesetzbuch: Diesem ist zu entnehmen, dass sexuelle Handlungen mit Kindern eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe zur Folge haben. Der Tatbestand der Schändung umfasst eine Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren oder eine Geldstrafe, für die Verletzung des Geheim- oder Privatbereichs durch Aufnahmegeräte kann es bis zu drei Jahre oder eine Geldstrafe geben. Der Vorwurf der Pornografie kann mit bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe sanktioniert werden. Bei einem Schuldspruch würde dem Mann ausserdem jede berufliche und jede organisierte ausserberufliche Tätigkeit, die einen regelmässigen Kontakt zu Minderjährigen umfasst, verboten.

Globegarden stand schon vorher in der Kritik

Der Fall sorgte im Dezember für Schlagzeilen, nachdem eine Mitarbeiterin den Beschuldigten bei einer Schlafkontrolle bei einer «Grenzüberschreitung im sexuellen Bereich an einem Kind» beobachtet hatte. Die Polizei wurde alarmiert, der Kita-Leiter noch am gleichen Tag festgenommen.
Globegarden war bereits vor diesem Vorfall in die Kritik geraten. In einem Artikel des Onlinemagazins «Republik» erhoben ehemalige Mitarbeiterinnen schwere Vorwürfe gegen die Kinderkrippenkette. Sie berichteten dabei von schlechten Arbeitsbedingungen und Personalmangel, wodurch es immer wieder zu gefährlichen Situationen gekommen sein soll. Die Stadt Zürich konnte die Vorwürfe nicht erhärten, hat aber Verbesserungspotenzial festgestellt.