Film
Dokumentarfilm über die Stadtreinigung - «Das ist doch toll, was die machen»

Der Therwiler Filmemacher Roland Achinis veröffentlicht sein neues Werk "Wir machen eure Stadt sauber".

Hannes Nüsseler
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Roland Achini

Roland Achini

Kenneth Nars

Er hat die englische Queen bei der Eröffnung der «Grün 80» gefilmt, «Surprise»-Verkäufer auf der Strasse und Flüchtlinge in Gastfamilien: Filmchronist Roland Achini begleitet seit über 40 Jahren das Leben in der Region Basel. Eben besuchte der 81-jährige Therwiler wieder die Filmtage in Solothurn. «Die Stimmung dort ist fantastisch», schwärmt Achini, der erst eine einzige Ausgabe verpasst hat.

Diesen Samstag wird sein neuestes Werk im Stadtkino Basel vorgeführt und auf DVD veröffentlicht: «Wir machen eure Stadt sauber» ist eine liebevolle Hommage an die Stadtreinigerinnen und -reiniger von Basel.

Die meisten Leute sind froh, wenn sie ihren Abfall nicht sehen müssen, Sie schauen genauer hin. Warum?
Roland Achini: Begonnen hat es mit zwei Müllmännern, denen meine Frau und ich regelmässig beim Zolli-Parkplatz begegnet sind. Diese Männer haben immer so freundlich gegrüsst, dass daraus fast schon eine Freundschaft entstanden ist. Ich dachte, das ist doch toll, was die machen: Sie sammeln den Abfall ein, ohne dass wir es wirklich zur Kenntnis nehmen.

Die Stadtreinigerinnen und -reiniger in Ihrem Film gehen mit Leidenschaft zu Werk: Ein Mann sagt zum Beispiel, dass er für eine bessere Welt kämpft. Wie haben Sie Ihre Protagonisten gefunden?
Die Medienverantwortliche der Stadtreinigung hat zum Voraus Leute ausgesucht, die bereit waren, gefilmt zu werden und in die Kamera zu sprechen. Bei dem Mann, den Sie erwähnen, hat der Teamleiter gesagt: «Den musst du nehmen, der ist herrlich.» Als die Geschäftsleitung der Stadtreinigung den fertigen Film sah, war sie vom Einsatz ihrer Mitarbeiter gerührt. Sie freute sich sehr. Der Chef der Stadtreinigung, Dominik Egli, hat für das ganze Personal DVDs bestellt.

Informationen zum Film

Die Leiter der Stadtreinigung und der Basler Verkehrs-Betriebe sind die beiden einzigen Beamten, die im Film vorkommen. Interessieren Sie sich mehr für die Büezer?
Ja, schon. Ich wollte die Szene eigentlich nicht im Film lassen, aber beide danken den Stadtreinigerinnen und -reinigern darin für ihren Einsatz an der Fasnacht. Dominik Egli sagt es ganz deutlich: «Für die meisten sind es die drei schönsten Tage, für euch die strengsten.» Das wollte ich dokumentieren. Ich habe die Putzete am Mittwochmorgen gedreht, auch wenn es am Donnerstag noch schlimmer ist. Aber das Wetter war schlecht, und ich brauche beide Hände beim Drehen. Also habe ich am Mittwoch gefilmt, obwohl mir jemand angeboten hat, mit einem Schirm mitzulaufen.

Sie sind als Ein-Mann-Filmteam unterwegs: Bild, Ton, Montage, sogar die Musik – alles machen Sie selbst. Wie geht das?
Ich habe es schon immer so gemacht. Für Amateurwettbewerbe habe ich früher auch kleine Spielfilme gedreht. Aber ich habe gemerkt, dass es professionelle Schauspieler braucht, sonst ist es komisch. Ich habe deshalb beschlossen, nur noch Dokumentarfilme zu drehen. So kann ich die Menschen zeigen, wie sie sind. Mit einer digitalen Filmausrüstung ist es zudem sehr günstig.

Wollten Sie nie in das Filmbusiness einsteigen?
Überhaupt nicht. Professionelle Filmemacher haben jeweils einen Chrampf, das nötige Geld aufzutreiben. Ausserdem werden so viele Leute ausgebildet, die es oft schwer haben, ihren Beruf ausüben zu können. Ich hatte ja meinen Beruf als Chemiker in der Pharmaforschung, später als Leiter für chemische und analytische Entwicklung bei der Sandoz. Ich wollte nie etwas anderes machen. Nach der Frühpensionierung ist meine Filmtätigkeit aufgeblüht.

Mich reizen Themen, die einem nicht gleichgültig sein dürfen.

(Quelle: Roland Achini, Pensionär und Filmemacher)

Woher kommt Ihr Interesse an sozialen Themen?
Als ich zwölf Jahre alt war, liess sich mein italienischer Vater in der Schweiz einbürgern. Es hiess immer, dass ich als «Eingekaufter» keinen Militärdienst leisten könne. Darum wollte mein Vater, dass ich Offizier werde. Das war meine grösste Jugendsünde: Ich musste bis 56 ins Militär!

Sie waren überintegriert ...
Genau. Mein Vater war sehr vaterländisch gesinnt. Erst als ich 1969 in den USA studierte, habe ich mich mit linkem Gedankengut auseinandergesetzt. Damals entstand mein erster sozial engagierter Dokumentarfilm an der Stanford University, es war das Jahr der grossen Studentenproteste.

Das hat Sie geprägt.
Mich reizen als Filmemacher interessante Persönlichkeiten und Themen, die einem nicht gleichgültig sein dürfen. Ich will nicht inszenieren, nur beobachten. Ich sehe mich deshalb weniger als Regisseur – die Struktur meiner Filme entsteht jeweils erst beim Schneiden. Da ich digital arbeite, kann ich es mir leisten, viel zu drehen und dann erst auszuwählen. Das Wichtigste ist, dass ich meine Drehabsicht zu Beginn genau festlege.

Sehen Sie die Abfallproblematik nach Ihrem Film mit neuen Augen?
Ja, schon. Ich glaube nicht, dass wir je ohne Abfall auskommen werden, aber wir können ihn wenigstens massiv verringern. Für meinen Apéro nach der Filmvorführung im Stadtkino zum Beispiel habe ich mir diesmal echte Gläser ausgeliehen, damit ich keine Plastikbecher verwenden muss. Und falls die nicht reichen, habe ich zusätzlich kompostierbare Becher gekauft – den Tipp hat mir die Stadtreinigung gegeben.

«Wir machen eure Stadt sauber. Die Stadtreinigerinnen und Stadtreiniger von Basel»: Filmvorführung und DVD-Taufe.

Sa, 8. Februar, 11 Uhr und 12.15 Uhr, Stadtkino Basel. Mit Apéro, Eintritt frei, Kollekte. DVD-Bezug via Roland Achini: www.cinemachini.ch

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