Engagement
Dieser Baselbieter will die Wolle ins Trockene bringen

Toni Pianta möchte nicht, dass Schafswolle weggeworfen wird. Deswegen beteiligt er sich an Wollsammlungen.

Lucas Huber
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Toni Pianta sammelt rund drei Tonnen Wolle pro Jahr.

Toni Pianta sammelt rund drei Tonnen Wolle pro Jahr.

Lucas Huber

Einst waren es die Menschen, die dem Schaf das nie enden wollende Wachstum ihres Fells anzüchteten. Weil Wolle der Rohstoff in der Herstellung von Kleidung schlechthin war. Dann kamen Baumwolle und später Kunstfasern – und mit ihnen ein dermassen einschneidendes Ende der Wolle, das diese kurzerhand zum Abfallprodukt degradierte.

Gäbe es nicht innovative Unternehmen wie den Verein Fiwo im thurgauischen Amriswil – Schäfer entsorgten ihre Wolle wohl immer noch mehrheitlich in der Müllverbrennung. Denn sie halten Schafe längst nicht mehr zur Woll-, sondern zur Fleischproduktion. Ausschliesslich.

Die Wolle, das einst so wertvolle Gut, ist nur mehr ein unerwünschtes Nebenprodukt.
Doch das nie enden wollende Wachstum ihres Fells ist den Schafen geblieben, auch wenn es mittlerweile – auch im Baselbiet – Schafzüchtungen gibt, die ihre Wolle abwerfen.

Wolle als Verlustgeschäft

Item: Zweimal im Jahr kommt also der Scherer, der sechs Franken pro Schaf und Schur verlangt. Nun wirft ein Schaf im Jahr rund vier Kilogramm Wolle ab. Vor 20 Jahren hätte es dafür, zugegeben dank staatlicher Zuschüsse, noch knapp 30 Franken gegeben.

Aber die Fiwo, 2005 gegründet und mittlerweile grösster Wollverarbeiter der Schweiz, zahlt etwas. Keine sieben Franken pro Kilo, aber immerhin 85 Rappen für die beste Qualität, das Rücken- und das Flankenvlies.

Das verhindert nicht, dass die Wolle ein landwirtschaftliches Verlustgeschäft bleibt. Aber es lindert die Sorgen der Halter, ist ein Anfang – und Balsam auf Toni Piantas Seele. Der Tenniker wollte es einfach nicht akzeptieren, dass er seine Wolle, diese Allzweckwaffe, Schur um Schur entsorgte und dabei auch noch empfindlich draufzahlte.

Die würdevolle Verwertung der Wolle ist ihm wichtig

Pianta hält in Sissach rund 100 Schafe und betreibt dort eine von zahlreichen, über die gesamte Schweiz verteilte Wollsammelstelle für die Fiwo, die etwa ein Drittel der Wolle der rund 350 000 Schafe in der Schweiz verarbeitet. 25 Schafhalter beliefern Pianta zweimal jährlich mit ihrer Wolle, rund drei Tonnen kommen so zusammen.

Auch die Wolle von Regierungsrat Thomas Webers Tieren gehört dazu. Pianta beschreibt das als Nullsummenspiel: «Ich muss das wohl als Hobby sehen; andere golfen, ich sammle Wolle.» Aber eigentlich ist es auch für ihn ein Verlustgeschäft, auch wenn Toni Pianta abwinkt. Viel wichtiger ist ihm eine würdevolle Verwertung der Wolle – «weil es doch einfach nicht sein kann, dass dieses tolle Produkt entsorgt wird.»

Was ebendieses tolle Produkt alles kann, zeigt sich in Amriswil, wo Wolle nicht nur zu Filzpantoffeln, Sitzkissen und Topfuntersetzern werden, sondern vor allem zu Dämmplatten für den Hausbau. Die Wolle von rund 4000 Schafen benötigt es, um ein Einfamilienhaus zu isolieren. Die Dämmwerte sind hervorragend, und: Wolle ist kaum brennbar. Darum setzen auch Auto- und Flugzeugbauer vermehrt auf Schafwolle, etwa für ihre Teppiche.

Auch im Haus wärmt Wolle – als Duvet, Decke, Kissen und Matratze. Die Fiwo, die neben einem Dutzend Festangestellte auch rund 30 Langzeitarbeitslose beschäftigt, reichert geschredderte Wolle auch mit Rapsschrot und Meeresalgen an. Der Langzeitdünger, der dadurch entsteht, hat den Sprung vom privaten Garten in die Landwirtschaft längst geschafft.

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