Schweizer Grenze

Die Schweizer Zöllner lernen in Liestal: Bald gibt es einen neuen Studiengang

Seit 86 Jahren werden die Grenzwächter und Zöllner der Schweiz in Liestal ausgebildet.

Zara Zatti
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Die Schweizer Zöllnerinnen und Zöllner werden in Liestal ausgebildet.

Die Schweizer Zöllnerinnen und Zöllner werden in Liestal ausgebildet.

Juri Junkov/Fotograf

Wer am Flughafen einmal von einem Zöllner kontrolliert wird, kann sich sicher sein, dass dieser schon in Liestal war. Dort werden nämlich seit 1934 alle Zoll- und Grenzbeamten der Schweiz ausgebildet. Auf dem Campus der Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV) befinden sich momentan etwa 400 Männer und Frauen in Ausbildung.

Gestern lud das EZV die Mitglieder der Geschäftsprüfungskommission des Ständerats ins Baselbiet. Über den Campus schlenderte also der neu gewählte SVP-Chef Marco Chiesa, der Genfer Carlo Sommaruga und die Baselbieter Grüne Maya Graf. Anlass für den Besuch war ein neuer Studiengang, der ab Mitte 2021 in Liestal angeboten werden soll. So wird die Ausbildung der Zöllner und Grenzbeamten nicht mehr getrennt stattfinden, sondern künftig vereint werden. Die neue Berufsbezeichnung: Fachspezialist Zoll- und Grenzsicherheit. Während heute die Aufteilung zwischen Personen- und Warenkontrolle sehr strikt ist, sollen die beiden Berufsbilder näher zusammenwachsen. Dann werden Zöllner und Grenzbeamte auch die gleiche Uniform tragen. An einer Schaufensterpuppe wurde gestern die neue Berufskleidung präsentiert. Das Fazit: sehr praktisch, aber nicht besonders stylisch.

2014 hätte Liestal den Campus fast verloren

Maya Graf zeigte sich erfreut über den Erfolg der Zollschule in Liestal. 2014 stand nämlich zur Diskussion, ob die Ausbildungsstätte nach Interlaken verlegt werden soll. Denn die Schule platzte aus allen Nähten: Nicht alle Studierenden fanden in Liestal Platz, einige Ausbildungselemente mussten nach Muttenz verlagert werden. Der damalige Stadtpräsident von Liestal, Lukas Ott, und der Grünen-Regierungsrat Isaac Reber machten sich aber für den Standort im Baselbiet stark. Der Campus wurde erweitert, heute finden alle Studierenden Platz. In Interlaken findet nur noch das Sicherheitstraining statt, weil es in Liestal dafür zu eng ist. Maya Graf freut’s: «Der Standort eines Bundeszentrums in Liestal ist wichtig für die Region», sagte sie gestern vor Ort. Es schaffe Arbeitsplätze, helfe dem Gewerbe und steigere das Ansehen des Kantons.

Schon während der Ausbildung können die künftigen Beamten Arbeitserfahrung an der Grenze sammeln. In den vergangenen Monaten befanden sich die Grenzen coronabedingt in einem Ausnahmezustand. «Für die Auszubildenden war es eine langweilige Zeit», sagt Schulleiter Richard Steiner. Zwar brauchte es viel «Manpower» an den Grenzen, weil aber sowieso praktisch niemand rein durfte, gab es nicht viel zu beurteilen. Der Lerneffekt war somit geringer.

«Es ist ein spannendes Berufsfeld», sagt Steiner. Dennoch sei es nicht einfach, Nachwuchs zu finden. Besonders bei den Zollbeamten konnten die Klassen nicht immer gefüllt werden. Grund dafür sei, dass sich viele gar nichts Konkretes unter dem Beruf vorstellen können, glaubt Steiner. Übrigens sei es längst nicht mehr ein typischer Männerberuf; mittlerweile würden sich auch viele Frauen für eine Zolllaufbahn entscheiden.