Kommentar
Die schöne neue Rücktrittskultur

Christian Mensch
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Tritt ihren neuen Posten erst in dreizehn Monaten an: Saskia Schenker. (Archivbild)

Tritt ihren neuen Posten erst in dreizehn Monaten an: Saskia Schenker. (Archivbild)

Martin Toengi

Der Arbeitsgeberverband Basel erhält eine neue Direktorin. Nicht morgen, auch nicht auf Neujahr, sondern erst auf Neujahr in einem Jahr. Das wissen wir eigentlich schon lange. Denn Barbara Gutzwiller, die jetzige Direktorin, hat bereits im Sommer 2017 dieser Zeitung erzählt, dass sie Ende 2020 in Pension gehen werde.

Jetzt wissen wir aber, dass Saskia Schenker die Nachfolge antreten wird. Nicht bald, sondern erst in dreizehn Monaten. Dass die Präsidentin der FDP Baselland einen Funktionärsposten übernimmt, ist an sich bemerkenswert. Schliesslich wird damit – ausser dem politisch weitgehend unbedeutend gewordenen Basler Gewerbeverband – jeder Unternehmerverband der Region von FDP-Landräten geführt. Bemerkenswert ist jedoch auch die neue Kultur des Rücktritts.

Wie schon der Basler SP-Regierungsrat Hans-Peter Wessels, der seit dem angekündigten Rücktritt per Januar 2021 nur noch mit beschränkter Haftung politisiert, kann sich nun auch Gutzwiller auf eine ganzjährige Abschiedstournée begeben. Wem, bitte sehr, soll denn damit gedient sein? Der Sache sicher nicht. Derart frühzeitige Personalentscheide können zwar interne Prozesse erleichtern. Doch sind sie auf dem Marktplatz der Öffentlichkeit, ist den Amtsträgern die Autorität entzogen. Im Fall Schenker kommt dazu: Als bisheriger Arbeitgeber würde ich mich bedanken, wenn sich ein Kadermitglieder auf diese Weise verabschiedet.

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