Psychiatrie Baselland
Die Psychiatrie Baselland gesteht ein, dass das Personal überlastet ist

Mitarbeiter, Gewerkschaft und Klinikleitung trafen sich am Mittwochabend zu einer Aussprache. Das wichtigste Resultat: Alle sind sich einig, dass etwas geschehen muss. Weitere Gespräche sollen nun Lösungen bringen.

Michael Nittnaus
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Die Psychiatrie BL sucht nach Lösungen, das Personal zu entlasten.

Die Psychiatrie BL sucht nach Lösungen, das Personal zu entlasten.

Martin Töngi

Der Mehrzweckraum im B-Gebäude der Psychiatrie Baselland war an diesem Mittwochabend «proppenvoll», wie mehrere Anwesende der bz berichten. Organisiert von der Gewerkschaft VPOD und dem Berufsverband der Pflegefachpersonen SBK, kam es zur lang ersehnten Aussprache. Die Leitung der Psychiatrie Baselland (PBL) um CEO Hans-Peter Ulmann und Chefarzt Joachim Küchenhoff stellte sich den Fragen und Forderungen des Personals. «Das war eine Demonstration, wie stark die momentanen Arbeitsbedingungen alle beschäftigen», so eine Stimme.

Personalbestand wird angeschaut

Dass kein Angestellter mit Namen genannt werden möchte, zeigt: Niemand will sich exponieren, sich die Finger verbrennen. Das gilt allerdings auch für Ulmann oder VPOD-Regionalsekretärin Marianne Meyer. Abgesehen von einer äusserst kurz gehaltenen gemeinsamen Mitteilung, wollen beide zur Aussprache nicht weiter Stellung nehmen. «Zumindest vorläufig», wie Meyer anfügt. Dies sei so ausgemacht worden.

Auch Politik wird aktiv

Ein Grund für die personellen Probleme in der Psychiatrie Baselland (PBL) ist, dass der Kantonsbeitrag für die gemeinwirtschaftlichen Leistungen 2012 um rund drei Millionen auf 5,6 Millionen Franken gekürzt wurde. Nach dem PBL-Verwaltungsrat, der für 2013 eine Erhöhung auf 8,3 Millionen beantragt (bz berichtete), stellt nun SP-Landrätin Pia Fankhauser einen Budgetantrag und fordert eine Erhöhung um 500 000 Franken, wie sie gegenüber der bz bestätigt. Diese sollen für sozialpsychiatrische Leistungen verwendet werden. «Ich wollte zuerst eine Million Franken verlangen, doch das hätte kaum Chancen.» Dementsprechend skeptisch beurteilt Fankhauser den PBL-Antrag. (mn)

Doch wenn in der Mitteilung von einem «engagierten, offenen und konstruktiven Dialog» die Rede ist, und dass «Anliegen von Mitarbeitenden ausgesprochen und Fragen andiskutiert werden konnten», bleibt viel Platz, um zwischen den Zeilen zu lesen. «Die Antworten und Erklärungen der Leitung – insbesondere zum geringen Personalbestand – waren unbefriedigend», sagt eine Angestellte. Es sei zwar eine gewisse Bereitschaft erkennbar, sich mit den Fragen auseinanderzusetzen, doch sei alles vage geblieben.

Das grösste Zugeständnis, das Ulmann abgerungen wurde, ist laut einer weiteren Stimme, dass sich dieser den Stellenplan nochmals anschaut. In der Mitteilung wird dies mit zwei Sätzen angedeutet: «Es besteht Einigkeit darüber, dass die Belastung für das Personal gross ist.» Und: «Um Lösungen zu suchen, wird die Diskussion in kleinerem Gesprächsrahmen in der PBL fortgesetzt.»

Weitere Gespräche folgen

Damit bleiben die zentralen Forderungen der Angestellten vorerst unbeantwortet: Sie möchten «gesunde Arbeitsbedingungen», was die Wiederherstellung des Stellenbestandes von Ende 2011 voraussetzt. Zudem fordern sie mehr Transparenz und Einbezug der Mitarbeitenden sowie eine höhere Wertschätzung und offenere Diskussionskultur (die bz berichtete). Die Angestellten wollen nun die weiteren Gespräche abwarten. Sollten diese keine konkreten Lösungen zur Behebung des Personalengpasses bringen, dürfte auch der VPOD den Druck erhöhen.
Am Hearing zeigten die Angestellten noch viel guten Willen: «Die Atmosphäre war angenehm offen. Erst gegen Ende wurde es lebhafter und es gab ein paar verbale Ausrutscher.» Dies sei verständlich, da die Belastung momentan enorm sei. Die Angestellte betont, dass nicht nur der Pflegebereich, sondern auch der ärztlich-therapeutische Bereich der PBL unter Druck stehe. «Wir sind nach wie vor motiviert, gute Arbeit zu leisten, aber die Umsetzung des bewährten Psychiatriekonzeptes der PBL mit dem starken Fokus auf die Betreuung braucht einfach mehr Personal.»

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