Lohnerhöhungen
Die Nullrunde brüskiert Spitalmitarbeiter

Die Angestellten des Kantonsspitals Baselland gehen 2017 leer aus. Damit sind sie die grosse Ausnahme in der Branche.

Benjamin Wieland
Drucken
Teilen
Lohnerhöhungen fallen für Mitarbeiter am Kantonsspital Baselland ins Wasser. Im Bild der Standort Bruderholz.

Lohnerhöhungen fallen für Mitarbeiter am Kantonsspital Baselland ins Wasser. Im Bild der Standort Bruderholz.

bz-Archiv

Bei den Mitarbeitern des Kantonsspitals Baselland (KSBL) ist die Stimmung am Boden. Grund: Während fast alle Konkurrenten die Löhne erhöhen, hat das KSBL eine Nullrunde eingeläutet. Die Lohnsumme steigt 2017 um 0 Prozent.

Bei den Angestellten kommt der kürzlich kommunizierte Entscheid des Verwaltungsrats als «Signal für fehlende Wertschätzung an». Das sagt ein KSBL-Mitarbeiter, der nicht namentlich genannt werden will, zur bz. Per Januar 2016 wurde mit den Sozialpartnern erstmals ein Gesamtarbeitsvertrag (GAV) ausgehandelt. Schon damals hätten die Mitarbeiter auf Leistungen verzichten müssen, sagt eine weitere Auskunftsperson. «Jetzt trifft es uns doppelt hart.»

Als «nicht akzeptabel» bezeichnet der grösste Berufsverband des Pflegepersonals die Nullrunde am KSBL. Der SBK (Schweizer Berufsverband der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner) Region Basel will den Entscheid anfechten. In einer Mitteilung zu den Lohnverhandlungen heisst es: «Wir werden gemeinsam mit den anderen Verbänden und Gewerkschaften an das Schiedsgericht gelangen.»
Weiter zur Nullrunde und zum Vorgehen äussern will sich Daniel Simon, Präsident des SBK beider Basel, nicht: «Im GAV ist festgehalten», sagt er auf Anfrage, «dass wir keine Auskünfte erteilen, solange das Urteil des Schiedsgerichts nicht vorliegt.»

Verbände rufen zu Widerstand auf

Der SBK schweigt. Auf anderer Ebene ist er jedoch bereits in Aktion getreten: Vergangene Woche erhielten KSBL-Mitarbeiter an den drei Standorten Liestal, Bruderholz und Laufen ein Flugblatt in die Hand gedrückt.

«Reagieren Sie noch heute!», stand darauf geschrieben. Man solle KSBL-CEO Jürg Aebi und Verwaltungsrats-Präsident Werner Widmer seinen Unmut mitteilen, dann folgten deren E-Mail-Adressen. Mitunterzeichnet haben den Flyer ein weiterer Personalverband und zwei Gewerkschaften: der VSAO (Verband Schweizerischer Assistenz- und Oberärztinnen und -ärzte Basel) sowie Syna und der VPOD (Verband Personal öffentlicher Dienste) Region Basel.

Das KSBL schreibt, für den Entscheid über die Lohnentwicklung seien «verschiedene Faktoren» massgebend gewesen, unter anderem die wirtschaftliche Lage und die zu erwartende finanzielle Entwicklung des KSBL sowie die Entwicklung des Landesindexes der Konsumentenpreise. So habe es 2016 eine Minus-Teuerung gegeben.

Künftiger Partner erhöht Löhne

Die Angestellten der Psychiatrie Baselland, wo die Lohnsumme um 0,4 Prozent steigt, sind demselben Gesamtarbeitsvertrag unterstellt wie ihre Kollegen vom KSBL. Dazu schreibt das Kantonsspital: «Auch wenn KSBL und Psychiatrie Baselland GAV-Partner sind, so sind sie doch eigenständige Unternehmen und frei, über die Lohnentwicklung unterschiedlich zu entscheiden.»

Der künftige Partner des KSBL, das Universitätsspital Basel (USB), erhöht derweil die Löhne. Die Gesamtlohnsumme steigt um 0,9 Prozent. Das ist der zweithöchste Wert bei den grossen Gesundheitseinrichtungen in den beiden Basel. Das USB teilt mit, der Verwaltungsrat habe sich bei seinem Entscheid am Markt orientiert.

Die Regierungsräte von Basel-Stadt und Baselland planen, das KSBL und das USB in einer gemeinsamen Spitalgruppe unterzubringen. Sie soll 2020 ihre Arbeit aufnehmen.
Das KSBL schreibt, man habe sich gegenseitig «selbstverständlich über das jeweilige Vorgehen informiert».

Weiter hätten die Entscheide für das Jahr 2017 «mit der zukünftigen Spitalgruppe gar nichts zu tun.» Und: Heute lägen die Löhne am KSBL im Schnitt höher als beim USB.

Aktuelle Nachrichten