Schutz

Die 400 Meter lange Klagemauer: Biel-Benken soll gegen Hochwasser geschützt werden

In Biel-Benken sträuben sich die Birsig-Anwohner gegen ein Hochwasserschutzprojekt des Kantons.

Michel Ecklin
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Entlang des Birsigs plant das Tiefbauamt eine Schutzmauer.

Entlang des Birsigs plant das Tiefbauamt eine Schutzmauer.

Kenneth Nars

Der Hochwasserschutz in Biel-Benken ist eine Knacknuss. Seit der Jahrtausendwende wurden zahlreiche Varianten geprüft: Die Vertiefung des Birsigs, der Bau einer Mauer entlang der Ufer, ein Rückhaltebecken, ein verkleinertes, nur von der Gemeinde finanziertes Projekt. Alle wurden verworfen. «Und jetzt kommt der Kanton wieder mit dem alten Mauerprojekt hervor», sagt Christoph Jäggy, ein Anwohner. 400 Meter Mauer an beiden Ufern sehe das neuste Projekt vor, und zu den angehobenen Brücken brauche es Rampen. «Das sind massivste Veränderungen, die das Dorf unwiderruflich zerstören.»

Im Tiefbauamt sieht man zur Mauer aber «wirklich keine Alternative», so Projektleiter Jonas Woermann. Das Hochwasser um das Dorf herum zu leiten, sei nicht möglich, weil das Gelände zu flach sei. «Es bleibt nur, das Wasser durch das Bachbett abzuleiten.» Dafür könne man entweder eine Mauer bauen oder den Grund des Bachs vertiefen. Doch Letzteres sei wegen des fehlenden Gefälles «sehr schwierig». Sein Fazit: «Wir haben nur die Möglichkeit, nach oben eine Mauer zu bauen.»

Acht Standorte will der Kanton vor den Wasserfluten schützen

Nach dem Hochwasser 2007, das vor allem im Laufental grosse Spuren hinterliess, lancierte der Kanton einen Aktionsplan Hochwasserschutz. Insgesamt gab oder gibt es acht Projekte. Teilweise umgesetzt ist dasjenige in Allschwil, wo bereits zwei Rückhaltebecken stehen. Geschützt werden muss noch der Dorfkern, wo der Lützelbach eine Gefahr darstellt. Im Laufental ist das Ziel, der Birs bei Hochwasser mehr Platz zu geben. Entsprechende Projekte in Laufen und Grellingen sind in der Umsetzung, in Zwingen ist eines bereits abgeschlossen.

Ebenfalls abgeschlossen ist die Absicherung des Dorenbachs in Binningen entlang der Kantonsgrenze zu Basel-Stadt. Erst ein Konzept existiert für die Sicherung der Ergolz in Rothenfluh. Schwierig ist der Hochwasserschutz an der Hinteren Frenke in Reigoldswil, weil die Platzverhältnisse (Kantonsstrasse) eng sind. Im Zusammenhang mit der Spurerweiterung der Waldenburgerbahn wird derzeit auch in Niederdorf am Hochwasserschutz gearbeitet.

Doch damit will sich Jäggy nicht abfinden. Er und rund 40 Dorfbewohner haben die IG Birsig gegründet. Sie hoffen jetzt auf die Kantonale Denkmalpflege und die Natur- und Landschaftsschutzkommission. Ruedi Riesen, Präsident des Baselbieter Heimatschutzes, schrieb der IG bereits: «Die Eingriffe würden dem Dorf ein anderes Bild verpassen.»

An der Gemeindeversammlung, die wegen des Coronavirus abgesagt wurde, wollte die IG einen Vorstoss einreichen. Die Forderung: Der Gemeinderat soll den Kanton auffordern, Alternativen auszuarbeiten. Denn Jäggy ist überzeugt, dass es auch ohne Mauer geht. Die Frage der Abtiefung des Bachbetts solle man nochmals prüfen. Oder man könne einzelne Objekte vor Hochwasser schützen.

Gemeinde soll Teil der Kosten übernehmen

Doch der Gemeinderat steht hinter dem Kantonsprojekt, wie er in den Unterlagen zur abgesagten Gemeindeversammlung schrieb. Es sei bereits gemeinsam mit der Bevölkerung ausgearbeitet worden. Aufgrund der vielen bereits aufgeworfenen und verworfenen Ideen fügt er an: «Klar ist, dass es in Biel-Benken kein Hochwasserschutzprojekt geben wird, das nur Befürworter findet.»

Die Gemeindeversammlung wird noch eine Beteiligung von 2,6 Millionen an den 8,7 Millionen Franken Gesamtkosten genehmigen müssen. Falls sie dies ablehnt, droht ein Scherbenhaufen. «Eine solche Situation hatten wir noch nie», sagt Woermann. Das Tiefbauamt habe den Auftrag, Hochwasserschutzmassnahmen umzusetzen – «aber nur im Einklang mit der Standortgemeinde».