Häusliche Gewalt

Deutlich mildere Strafe für Messerstecherin aus Lausen

Eine Frau rammte ihrem Freund ein Steakmesser in die Brust. Das Kantonsgericht in Liestal bestätigte den Schuldspruch wegen versuchter Tötung, reduzierte aber das Strafmass.

Patrick Rudin
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Die Frau habe zweimal auf den Mann eingestochen, beides mal mit Kraftaufwand.

Die Frau habe zweimal auf den Mann eingestochen, beides mal mit Kraftaufwand.

Symbolbild: Shutterstock

Das Beziehungsdrama dauerte schon Jahre, der Angriff hingegen war kurz und heftig: Im Sommer 2012 riss eine Frau in Lausen die Besteckschublade heraus, griff sich ein Steakmesser und rammte ihrem Freund das elf Zentimeter lange Messer erst durch den Oberarm und danach ins Brustbein. Der Mann hatte Glück: Das Messer wurde durch das Brustbein aufgehalten, die Verletzungen verheilten, das Institut für Rechtsmedizin bescheinigte lediglich eine «potenzielle Lebensgefahr».

Versuchte vorsätzliche Tötung

Das Strafgericht in Muttenz befand im Sommer 2014, sie habe mit diesem Angriff den Tod ihres Freundes in Kauf genommen. Es verurteilte die Frau wegen versuchter vorsätzlicher Tötung zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 3,5 Jahren. Dazu kam eine Therapie wegen ihrer Alkoholsucht. Die Frau akzeptierte den Schuldspruch nicht und zog den Fall weiter, sie verlangte sechs Monate bedingt wegen fahrlässiger Körperverletzung.

Davon wollte das Kantonsgericht in Liestal am Dienstag aber nichts wissen. Die fünf Richter bestätigten den Schuldspruch wegen versuchter Tötung. «Wer so mit dem Messer zusticht, der handelt mit Eventualvorsatz», sagte Gerichtspräsident Dieter Eglin. Die Frau habe zweimal zugestochen, beides mal mit Kraftaufwand. Auch wenn sie den Tod ihres Freundes nicht gewollt habe, sie habe dies zumindest in Kauf genommen. Die 49-jährige Serviceangestellte sagte vor dem Kantonsgericht kaum ein Wort. Inzwischen lebt sie in einem eigenen Zimmer, hat aber noch immer Kontakt mit dem Mann. «Sind sie ein Paar?», fragte Eglin die Frau. «So kann man es nicht nennen. Aber er unterstützt mich», sagte sie.

Milder Mann?

In früheren Einvernahmen beschrieb sie ihn als Tyrannen, der sie dauernd erniedrigt habe. Der Mann hingegen wandte sich vor zwei Wochen schriftlich ans Kantonsgericht, er sei ihr nicht böse und man solle ihr gegenüber Milde zeigen.

Tatsächlich drückte das Kantonsgericht das Strafmass auf drei Jahre, womit eine teilbedingte Strafe möglich wurde: Zwei Jahre bedingt, ein Jahr unbedingt. Doch auch diese zwölf Monate muss die Frau nicht absitzen: Das Gericht schob den Strafvollzug zugunsten der ambulanten Therapie auf. «Wenn sie weiter diszipliniert und engagiert zur Therapie gehen, dann müssen sie nicht ins Gefängnis», fasste Dieter Eglin den Schuldspruch zusammen.

Das Gericht beeindruckte die Tatsache, dass sie seit dem Vorfall im Jahr 2012 keinen Tropfen Alkohol mehr getrunken hat. «Das sehen wir hier selten», meinte Eglin. Auch habe die Vorinstanz ihre Einsicht und Reue zuwenig gewürdigt, auch sei sie von Anfang an geständig gewesen.

Es war nicht das erste Mal

Seither schlägt sich die Frau in Teilzeit im Service durch und verdient zwischen 1500 und 2500 Franken im Monat. Ihre Tochter ist vor drei Jahren ausgezogen, nachdem die Frau mit einem Messer gedroht hatte, sich selbst zu töten. Die Frau ist bereits vorbestraft: Im November 2006 bedrohte sie einen früheren Partner mit dem Küchenmesser und einem Gewehr, damals gab es eine bedingte Geldstrafe.

Die Staatsanwaltschaft hatte vergeblich eine Bestätigung des ersten Urteils und damit 3,5 Jahre unbedingt verlangt. Beide Seiten können das Urteil noch ans Bundesgericht weiter ziehen.