Verkehr

Der Bund gibt Gas: Steht die Baselbieter Velohochbahn bald in Zug?

Nach dem Aus des Pilotprojekts in Baselland möchte das Bundesamt für Strassen Astra eine Veloschnellbahn im Kanton Zug realisieren. Holzbauunternehmer Häring bestätigt, dass das Astra dafür wieder die Baselbieter Hochbahn ins Auge gefasst hat.

Michael Nittnaus
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Im Baselbiet schaffte es die Velohochbahn nicht weiter als bis zum Mock-Up in Originalgrösse.

Im Baselbiet schaffte es die Velohochbahn nicht weiter als bis zum Mock-Up in Originalgrösse.

HO

Es war ein letzter Versuch, den SVP-Landrat Andi Trüssel diese Woche startete – und er scheiterte klar. Die Wiederbelebung der beerdigten Velohochbahn fürs Eidgenössische Schwingfest 2022 in Pratteln fand in der Bau- und Planungskommission kein Gehör (diese Zeitung berichtete). Zu schwer wiegen die Vorwürfe der Vetternwirtschaft gegen den grünen Baudirektor Isaac Reber. Auch die Streckenführung und der grosse Zeitdruck, der eine faire und offene Ausschreibung des Pilotprojekts verhinderte, wurden kritisiert.

Nicht einmal von den grössten Kritikern infrage gestellt wurde dagegen, dass die Entwicklung der modularen, hölzernen und beheizten Bahnelemente durch die Baselbieter Firmen Urb-X und Häring eine Innovation darstellen. Grünen-Fraktionschef und Urb-X-Gründer Klaus Kirchmayr wie auch Holzbauunternehmer und alt SVP-Landrat Christoph Häring machten denn auch nie einen Hehl daraus, ihr Produkt andernorts feil bieten zu wollen. Recherchen der «Schweiz am Wochenende» zeigen nun, dass der Kanton Zug zum Zug kommen könnte.

Der Kanton Zug will Velobahnen entlang der Autobahnen

Das Bundesamt für Strassen (Astra), das schon beim Baselbieter Projekt an Bord war, bestätigt, dass es zusammen mit dem Kanton Zug ein entsprechendes Pilotprojekt prüfe. «Wir sind an leistungsfähigen und attraktiven Velo-Infrastrukturen in Agglomerationen stark interessiert, gerade auch im unmittelbaren Bereich von Nationalstrassen», hält Astra-Sprecher Thomas Rohrbach fest. Der Bund könne unter bestimmten Voraussetzungen Land für Veloinfrastrukturen der Kantone zur Verfügung stellen oder Velobahnen prüfen. Das passt: Der Kanton Zug stellte erst im Juni sein Entwicklungsprogramm Zug+ vor. Ein Ziel ist, das kantonale Velonetz zu vervollständigen. In der Medienmitteilung steht auch: «Insbesondere wird der Anschluss an mögliche Velobahnen entlang der Autobahnen vorbereitet.»

Die Zuger Baudirektion möchte auf Anfrage zwar noch nicht bestätigen, dass es dabei wirklich um die Baselbieter Velohochbahn geht, da der zuständige Amtsleiter am Freitag abwesend war. Doch zumindest eine Option ist es garantiert. Denn Häring selbst hält fest: «Zug könnte der nächste Ort sein, wo wir hingehen. Das Astra wird uns Anfang kommender Woche genauer informieren.» Und er ergänzt trocken: «Wir bauen lieber für jene, die unser Produkt gut finden als für jene, die es nicht zu schätzen wissen.» Dass die Velohochbahn dereinst in Zug stehen könnte, möchte Regierungsrat Reber nicht weiter kommentieren. Ausser: «Wir nehmen das sportlich.»

Einen Stolperstein weniger hätte der Kanton Zug im Vergleich zu Baselland auf jeden Fall: Der dortige Baudirektor Florian Weber gehört weder den Grünen noch der SVP an – er ist freisinnig.