Coronavirus

Dank digitalen Plattformen durch die Coronakrise – wie ein Muttenzer Portal zurzeit herausragt

Regionale Geschäfte und Kunden finden im Internet zusammen. Eine Plattform aus Muttenz sticht heraus.

Tobias Gfeller
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Innert kürzester Zeit waren über 50 Angebote auf der Website in Muttenz.

Innert kürzester Zeit waren über 50 Angebote auf der Website in Muttenz.

Screenshot www.muttenz-hilft.ch

Die Idee dafür kam Thomi Jourdan zu Hause, umgesetzt hat er sie an nur einem Wochenende. Mit www.muttenz-hilft.ch hat der Muttenzer Gemeinderat in Privatinitiative eine Plattform geschaffen, auf der Muttenzer KMU auch in Zeiten von geschlossenen Geschäften ihre Produkte und Dienstleistungen anbieten können. Innerhalb kürzester Zeit haben sich über 50 Angebote auf der Website angesammelt.
Ob das Candle-Light-Dinner oder das gemütliche Familienznacht aus dem Restaurant um die Ecke, der Zopf für den Sonntagmorgen, die Reparatur des Fahrrads, die neue Füllfeder und eine Geburtstagskarte aus der Papeterie oder der Blumenstrauss fürs Mami – auf muttenz-hilft.ch zeigt das Muttenzer Gewerbe seine ganze Kraft in dieser schwierigen Zeit. Jourdan brachte so Geschäfte und Kundschaft digital zusammen, was in der Krisenzeit physisch getrennt ist. Dazu gibt es Yogalektionen, Bewegungstherapien, Gute-Nacht-Geschichten und sogar eine Theatervorstellung via Videostreams. Das Internet entfaltet sein ganzes positives Potenzial.

«Es ist gerade jetzt wichtig, dass man diese Geschäfte unterstützt. Dafür wollte ich das Bewusstsein schärfen, selber einen Beitrag leisten und dem Gewerbe so auch zeigen, dass Muttenz hinter ihm steht», erklärt Initiant Thomi Jourdan. Die lancierte Plattform leiste einen wichtigen Beitrag, die Bevölkerung dafür zu gewinnen, die Angebote der KMU zu nutzen, und sie gibt die Möglichkeit, an zentraler Stelle zu entdecken, welches KMU auch in der aktuellen Zeit etwas liefert. Der Grossteil der Besucherinnen und Besucher von muttenz-hilft.ch bestellt die Produkte und Dienstleistungen dann via verlinkte Website oder per Telefon bei den Geschäften. Einige nehmen die Bestellungen aber auch direkt über muttenz-hilft.ch vor.

Zentrale Datenbank ist wichtig

Neben den geschäftlichen Angeboten und den Unterhaltungsprogrammen treffen auch Hilfesuchende und Hilfebietende aufeinander. Dazu gibt es Tipps für zu Hause, damit einem alleine oder als Familie die Decke nicht auf den Kopf fällt. In Münchenstein kam eine ähnliche Idee aus der Politik, genauer gesagt von der FDP. Auf www.support-muenchenstein.ch präsentieren vereinzelt Geschäfte ihre Lieferservices oder Abholdienste. Im Chat «Schwätz mit Münchenstein» könnte man sogar online miteinander in Kontakt treten – wenn dann mal jemand antwortet. Peter Schmidt, Präsident des KMU Münchenstein, begrüsst die Initiative. «Es ist generell wichtig und jetzt in der aktuellen Situation natürlich noch wichtiger, dass im Internet zentral abrufbar ist, bei wem man was und wo bekommen kann.»

Man könne nicht erwarten, dass jede und jeder sämtliche Betriebe im Gemeindegebiet mit dem Namen kennt. Das vernetzte Denken und Arbeiten auf lokaler Ebene sei aktuell noch wichtiger, ist Schmidt überzeugt. Heimliefer- und Abholdienste seien zwar mit viel Aufwand und im Vergleich dazu mit bescheidenen Erträgen verbunden, «aber immer noch besser als nichts», stellt Peter Schmidt klar. «Und auch für das mentale Wohlbefinden der Unternehmer und der Angestellten kann dies wichtig sein.» Das zeigt auch das Beispiel aus Aesch, wo auf www.aescher-lokalhelden.ch Gutscheine von den lokalen Gewerblern gekauft werden können. Bereits sind knapp 19000 Franken für die rund 35 Geschäfte zusammengekommen.

Haben alle Betriebe eine Website?

Gerda Massüger, Präsidentin KMU Reinach, glaubt indes nicht, dass solche gemeinsamen Plattformen einen grossen Mehrwert bringen. «Klar ist so etwas toll, aber mittlerweile hat praktisch jede Firma eine Website, die man mit etwas Aufwand auch findet.» Der Verband KMU Reinach präsentiert und verlinkt aktuell die Angebote seiner Mitglieder auf seiner Facebook-Seite. «Die Heimlieferdienste funktionieren in Reinach gut, und da liefert der eine Unternehmer auch mal für mehrere. Da frage ich mich schon, ob eine zusätzliche Website nötig ist.» Thomi Jourdan hat nach einer kurzen Recherche beim Muttenzer Gewerbe jedoch realisiert, dass längst nicht alle Betriebe eine Website haben. «Vor allem Kleinere sind oft noch nicht so weit – das hat mir auch der Präsident von KMU Muttenz, Beat Huesler bestätigt.»

Mehrere Gewerbevereine in den Gemeinden und Tälern verlinken die Angebote ihrer Mitgliederbetriebe oder listen diese separat auf. In Allschwil und Schönenbuch zum Beispiel sind diese auch auf der offiziellen App der Gemeinde zu finden. Mehrere Gewerbevereine weisen auch auf die Beratungen und Angebote der Wirtschaftskammer Baselland hin, die neuerdings unter dem Motto
«s Baselbiet schaffts» eine neue Website aufgeschaltet hat, worüber auch «Schafferinnen und Schaffer» gesucht werden, die sich fürs lokale Gewerbe in irgendeiner Form gerne engagieren möchten.