Forelle blau

Billigimporte setzen Forellenzüchtern zu

Die Forellenzucht der Familie Mändli im Oristal bei Liestal besteht seit bald 100 Jahren. Nicht nur die Klimaveränderung setzt dem Familienbetrieb zu. Die meisten Forellen werden heute billig aus dem Ausland eingeführt.

Joël Hoffmann
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«Die Forelle ist der beste Süsswasserfisch», ist Forellenzüchter Hans Mändli überzeugt. Vor dem Karfreitag würden viele Leute extra zu Mändlis Betrieb an der Oristalstrasse in Liestal pilgern, um den frischen, ausgenommenen Fisch samt Fischsud zu erwerben. «Zuhause müssen sie den Sud nur noch verdünnen, die Forelle sieben Minuten garen, ein wenig Butter anbraten und Zitrone dazu, schon haben sie ihre Forelle blau», erklärt der Fischliebhaber – als wäre es das einfachste der Welt.

Der Familienbetrieb im Oristal existiert seit bald 100 Jahren. «Im Mai treten wir ins Jubiläumsjahr ein», freut sich Mändli. Sein Grossvater habe die Zucht samt Restaurant im Mai 1912 erworben. Mändli hat, seitdem sich seine Kinder Susanne und Hans um die Zucht kümmern, noch bis zur Pensionierung vor elf Jahren das Restaurant geleitet. Nur noch ein Schild an der Abzweigung zur Zucht erinnert die Autofahrer an das einst beliebte und nun geschlossene Gasthaus. Zu viele Umbauten wären nötig gewesen, um den gesetzlichen Anforderungen zu genügen. Mändli sieht das auch positiv: «So haben wir heute immerhin genügend Platz für ein gemütliches Familienfest.»

Aufzucht für den Kanton

Die Speiseforelle ist nur ein Zweig, die Mändlis leben vor allem von der Aufzucht: «Wir haben spezielle Fische, dessen beäugten Laich wir an andere Zuchtbetriebe versenden.» Dies würde nur noch etwa eine Handvoll Betriebe in der Schweiz machen. Nebst dem Laichhandel züchten die Mändlis eigens für den Kanton Forellen, die in den Baselbieter Gewässern ausgesetzt werden.

Damit die Ansiedelung gelinge, würden die jungen Forellen in Naturbecken auf das Leben in Freiheit vorbereitet. «Je natürlicher sie gehalten werden, desto besser können sie im Naturgewässer überleben.» Ohne Mändlis Zucht hätten die Baselbieter Angler wohl schon lange keine Forellen mehr am Haken: «Bevor Kläranlagen gebaut wurden, glichen die Gewässer eher Kloaken; darin schwimmt doch keine Forelle», erklärt Mändli.

Der passionierte Züchter sieht sich denn auch als Hüter des ‹blauen Goldes›: «Fische sind ein Indikator für die Verschmutzung des Wassers.» So könne man rechtzeitig reagieren, bevor das Grundwasser verseucht wird. Gegen die Klimaerwärmung ist aber auch der Routinier machtlos: Der Sauerstoffgehalt im Wasser nehme ab, die Forelle brauche aber sehr viel davon. «Mit dem Bachwasser alleine geht es nicht mehr», bedauert er. Der Sauerstoff müsse darum künstlich hinzugefügt werden. Dies verursache sehr hohe Kosten. Die Konsequenz: Der Betrieb schrumpfte auf noch einen Drittel der Grösse von vor 20 Jahren.

Druck aus dem Ausland

Nicht nur die Klimaveränderung setzt dem Familienbetrieb zu. Die meisten Forellen werden heute aus dem Ausland eingeführt, da diese einiges billiger sind als hiesig produzierte. Für ein Kilo Fischfleisch brauche er drei Kilo Fischfutter. Alleine ein Kilo Futter sei schon teurer als ein Kilo importierter Fisch. Mändli: «Wir sind wie ein Landwirtschaftsbetrieb einfach ohne Subventionen und Schutzzölle.»

Seine Stärken ortet Mändli denn auch bei der Qualität: Seine Forellen sind zwei bis drei Jahre alt, bevor sie verkauft werden. Man lasse sie, im Gegensatz zur Billigforelle, sich langsam entwickeln. Denn: «Je langsamer die Forelle wächst, desto besser das Fleisch.» Seine Forellen hätten ein festes, saftiges Fleisch und würden nicht nach Fisch schmecken. Dies sei gerade für Forelle blau unerlässlich: «Da kann man die schlechte Qualität auch nicht mit irgendeiner Sauce wegmogeln.»