Bethesda-Spital
Beleg-Hebammen fordern mehr Lohn und einen besseren Arbeitsvertrag

Seit der Fusion des Bethesda-Spitals mit der Frauenklinik Bruderholz gibt es zwei verschiedene Arbeitsverträge für Beleg-Hebammen. Die Betroffenen fordern einen einheitlichen und besseren Vertrag. Nun soll es bald so weit sein, doch ob alles besser wird, ist ungewiss.

Michael Nittnaus
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Hebammen kämpfen oft um Anerkennung im Job. Dabei sind sie für werdende Mütter wichtige Vertrauenspersonen.

Hebammen kämpfen oft um Anerkennung im Job. Dabei sind sie für werdende Mütter wichtige Vertrauenspersonen.

A1PIX Ltd.

Eigentlich müsste Lucia Mikeler vor Freude jubeln. Doch die SP-Landrätin und Bottminger Gemeinderätin glaubt nicht an den grossen Durchbruch. Zu schwierig verliefen die Gespräche der Beleghebamme mit ihrem Arbeitgeber, dem Basler Bethesda-Spital.

Dabei hatte Bethesda-Direktor Thomas Rudin gerade gegenüber der bz offengelegt, dass ein neuer einheitlicher Arbeitsvertrag für alle Beleghebammen «praktisch fertig auf meinem Tisch liegt». 2016 waren die neun Frauen für immerhin 15 Prozent der 1821 Geburten verantwortlich, Tendenz steigend.

Grosse Lohnunterschiede

Damit erfüllt das Spital eigentlich Mikelers wichtigste Forderung. Denn die jetzige Vertragssituation ist für die frei praktizierenden Hebammen, die auf Wunsch der Schwangeren auch die Geburt im Bethesda begleiten, äusserst unbefriedigend. Das liegt vor allem daran, dass es seit der Übernahme der Frauenklinik Bruderholz des Kantonsspitals Baselland (KSBL) durch das Bethesda-Spital vom 1. Februar 2016 zwei komplett verschiedene Arbeitsverträge für die Beleghebammen gibt: Einen für jene sechs, die schon vorher am Bethesda gearbeitet haben und einen für die drei, die vom Bruderholz hierher wechselten. Letztere behielten ihren KSBL-Vertrag.

Der bz liegen beide Verträge vor. Für Mikeler, die schon seit 2007 am Bethesda tätig ist, ist klar: «Beide sind schlecht. Zu diesen Konditionen können nur wenige Beleghebammen als selbstständig Erwerbende überleben.» Konkret sieht es wie folgt aus:

Vertrag 1 (Bethesda): Pauschalentschädigung für Geburten Allgemeinversicherte 700 Franken, Halbprivat 750, Privat 900. Pauschale passt sich jeweils an den Basisfallwert (Baserate) des Tarifsystems DRG an. Bei ambulanter Geburt oder einem Kurzaufenthalt wird die Pauschale gekürzt, ebenso falls die Frau aus medizinischen Gründen nach der Geburt ins Unispital verlegt werden muss.

Vertrag 2 (KSBL): Pauschalentschädigung Allgemeinversicherte 500 Franken, Halbprivat/Privat 850. Überschreitet der Arbeitsaufwand zehn Stunden, werden für jede weitere halbe Stunde 32 Franken vergütet. Keine Verknüpfung mit der Baserate, keine Kürzungen.

Wunschtraum Stundenlohn

Beide Verträge führen laut Mikeler dazu, dass viele Beleghebammen von den Gebärenden selbst zusätzlich etwas verlangen müssen. Dies nicht für die Geburtshilfe, sondern für den Pikettdienst, der vier Wochen vorher beginnt. Da dieser aber von der Krankenkasse nicht gedeckt wird, müssen die Frauen die Kosten selbst stemmen – laut Mikeler 400 bis 500 Franken. Einzig bei ambulanten Geburten übernehmen die Kantone einen Teil dieser Kosten. «So mutiert die Geburt mit einer Beleghebamme zu einem Luxus, den sich längst nicht alle Frauen leisten können», sagt Mikeler.

Deshalb fordern die Beleghebammen schon seit dem Neustart vor einem Jahr einen Einheitsvertrag zu besseren Konditionen: Mindestens solle die 700-Franken-Pauschale für alle gelten, allerdings mit der Überzeitentschädigung bei langen Geburten und ohne die automatischen Abzüge. Sozusagen ein Best-of der beiden Verträge also.

Noch lieber wäre es Mikeler, das Bethesda würde von den Pauschalen auf einen Stundenlohn wechseln. Orientierend am Tarifvertrag des Schweizerischen Hebammenverbands mit Santésuisse käme man auf rund 120 Franken pro Stunde, dies bei einem durchschnittlichen Arbeitsaufwand von zehn bis zwölf Stunden je Geburt. Doch Mikeler weiss: «Das bleibt wohl ein Wunschtraum.»

Tatsächlich ist noch völlig offen, inwiefern der Einheitsvertrag, der bei Rudin auf dem Tisch liegt, für die Beleghebammen eine Verbesserung darstellt. Der Bethesda-Direktor, den die bz in den Ferien erreicht, möchte noch keine Zahlen nennen. Zuerst komme das Papier innerhalb der Spitalleitung in die Vernehmlassung.

Lohnabzüge werden bleiben

Etwas, das Rudin bereits ankündigt, ist, dass die Baserate-abhängigen Abzüge «präzisiert» würden und neu für alle gelten sollen. Positiv aufgenommen werden dürfte, dass neu auch am Bethesda ambulante Geburten möglich sein werden. Allerdings «mit einer klar definierten Abgeltung», was wohl einen Lohnabzug bedeutet. An einem Treffen möchte Rudin den neuen Vertrag demnächst den Betroffenen vorlegen und dann «so schnell wie möglich» in Kraft setzen. Das stösst Mikeler sauer auf: «Dann werden wir also vor vollendete Tatsachen gestellt und können nur abnicken oder gehen. Wir hätten viel früher einbezogen werden müssen.»

Keine neuen Verträge wird es übrigens für die Beleghebammen geben, die am Kantonsspital in Liestal arbeiten (wie Vertrag 2). Wie das KSBL auf Anfrage sagt, ist keine Änderung geplant, da es hier im Gegensatz zum Bethesda-Spital nie zwei verschiedene Verträge gab.

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