Frühfranzösisch
Basler Lehrer reagieren auf Baselbieter Franzi-Schock

Frühfranzösisch sorgt im Baselbiet auf Lehrer wie auch auf Schülerseite für Unmut. Auch Basel-Stadt will nun eine Umfrage lancieren.

Leif Simonsen
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Weil im Baselbiet die Umfrageergebnisse zum Frühfranzösisch nicht wirklich berauschend waren, wollen auch die Stadt-Basler eine Umfrage lancieren.

Weil im Baselbiet die Umfrageergebnisse zum Frühfranzösisch nicht wirklich berauschend waren, wollen auch die Stadt-Basler eine Umfrage lancieren.

KEYSTONE/GAETAN BALLY

Die Baselbieter Sekundarlehrer sind konsterniert. Selbst vier Jahre nach Einführung des Frühfranzösisch-Unterrichts könnten sich die Schüler kaum verständigen (die «Schweiz am Wochenende» berichtete). Ein Grossteil der Schüler ist frustriert, weil er mit dem neuen Modell der Mehrsprachigkeitsdidaktik keine Fortschritte macht.

Das Modell sieht vor, dass die Kinder nicht korrigiert, sondern langsam an die erste Fremdsprache herangeführt werden. Auch Basel-Stadt – neben Baselland und weiteren vier Grenzkantonen – gehört zum sogenannten Passepartout-Konkordat, in dem Französisch in der dritten Klasse als erste Fremdsprache eingeführt wird.

Bisher stand die Basler Politik geschlossen hinter der Mehrsprachigkeitsdidaktik und den Lehrmitteln. Zuletzt stimmte der Grosse Rat 2014 geschlossen für einen Verbleib bei Passepartout bis 2018. Nach den erschreckenden Umfrageergebnissen im Landkanton wollen sich die Basler Lehrer nun aber ein eigenes Bild verschaffen.

Sie werden nach den Sommerferien eine breit angelegte Umfrage unter den Sekundarlehrern lancieren, in der sie über die Sprachkompetenz der Schüler Erkenntnisse gewinnen wollen. Gaudenz Löhnert von der Freiwilligen Schulsynode Basel-Stadt sagt: «Es ist nicht so, dass uns die Lehrer die Türen einrennen mit Reklamationen über die neuen Lehrmittel. Sollte die Umfrage aber katastrophale Ergebnisse zutage fördern, müssen wir über die Bücher.»

Hoffen auf Cramer

Erst dann werden die Lehrer Stellung über den Verbleib des Stadtkantons beim Passepartout-Konkordat beziehen. GLP-Grossrätin Katja Christ glaubt, die Ergebnisse zu kennen: Sie hat zwei Kinder in der Primarschule und ist zum Schluss gekommen, dass die Mehrsprachigkeitsdidaktik gefloppt ist.

Im Nachgang zu den Umfrageergebnissen aus dem Landkanton hat sie im Grossen Rat einen Vorstoss eingereicht, in dem sie die Regierung auffordert, sich über eine Verschiebung des Fremdsprachenunterrichts um ein Jahr Gedanken zu machen.

«In der dritten Klasse sollen sich die Kinder noch auf die deutsche Grammatik konzentrieren», sagt sie auf Anfrage. Die Grünliberale bezeichnet sich bisher als einzige Passepartout-Skeptikerin im Stadtkanton. Mit den Umfrageergebnissen aus dem Landkanton dürfte sich das ändern, sagt Christ.

Sie setzt Hoffnungen in den neuen Erziehungsdirektor Conradin Cramer (LDP), der das Modell unvoreingenommen hinterfragen könne. Cramers Sprecher Simon Thiriet lässt derweil ausrichten, dass man erst nächstes Jahr Bilanz ziehen werde.

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