Euro-Airport
Baselbieter Regierung hält wenig von verlängerter Nachtflugsperre

Der Regierungsrat lehnt die Forderung Allschwils nach einer um drei Stunden verlängerten Nachtruhe ab. Stattdessen setzt er auf Lenkungsmassnahmen.

Benjamin Wieland
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Keine Jets mehr von 22 bis 6 Uhr: Das verlangte der Allschwiler Einwohnerrat per Resolution. Genützt hat es wenig.

Keine Jets mehr von 22 bis 6 Uhr: Das verlangte der Allschwiler Einwohnerrat per Resolution. Genützt hat es wenig.

Keystone

In Allschwil nimmt der Fluglärm zu. Parallel dazu wächst auch der Unmut darüber. Im Juni vergangenen Jahres hat der Einwohnerrat eine Resolution an die Adresse der Baselbieter Regierung verabschiedet. Zwei Kernforderungen lauteten: Der Regierungsrat solle sich bei der Leitung des Euro-Airports (EAP) für eine Senkung der Flugbewegungen über Allschwil und für eine verlängerte Nachtruhe einsetzten.

Jetzt liegt die Antwort des Regierungsrats vor. Sie ist nicht so ausgefallen, wie es sich die Unterzeichnenden erhofft hatten. Am Mittwochabend wurde die siebenseitige Antwortschrift im Gemeindeparlament diskutiert. Es zeigte sich: Die Antworten aus Liestal sind etlichen Einwohnerräten zu vage.

Drei Stunden längere Nachtruhe

Die Lärmbelastung könne nicht einfach auf andere Gebiete abgeschoben werden, argumentiert Regierungspräsidentin Sabine Pegoraro (FDP). Eine Vielzahl von Faktoren würden die Flugrouten beeinflussen, nicht zuletzt die Sicherheit. Auch eine Verlängerung der Nachtflugsperre könne nicht ohne Absprache, also unilateral von Seiten Kanton Baselland und der Schweiz, durchgesetzt werden.

Statt auf Verbote setzte man auf Lenkungsmassnahmen. So würden Flugzeuge, die nach 22 Uhr und vor 6 Uhr starten und landen, mit einem Nachtzuschlag bestraft. Laute und Frachtflugzeuge müssten höhere Abgaben bezahlen als leise und Passagierflugzeuge. Der Zuschlag sei erst kürzlich erhöht worden.

«Ich bin schwer enttäuscht»

Derzeit gilt auf dem Euro-Airport ein Landeverbot von 24 bis 5 Uhr, Starts sind zwischen 24 und 6 Uhr nicht erlaubt. Die Resolution forderte ein generelles Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr. Der Regierungsrat verspricht, er werde die Interessen der Bevölkerung des Kantons Baselland beim Verwaltungsrat des Flughafens einbringen.

Resolutionen haben keine konkreten Folgen. In diesem Fall ist es jedoch eine Unmutserklärung, die vom Adressaten nicht ignoriert werden kann. Die Resolution wurde von 32 der damals 37 anwesenden Einwohnerräten unterstützt, auch der Gemeinderat stellte sich hinter die Forderungen.

Urheber der Resolution ist Grünen-Einwohnerrat Ueli Keller. Er sagte am Mittwochabend, er sei «schwer enttäuscht» von den Antworten. Ihm schwebt nun eine Petition vor, wie sie 2011 in Binningen realisiert worden war. Damals unterschrieben 8000 Personen die Forderung einer verlängerten Nachtflugsperre von 23 bis 6 Uhr.

Eingeführt wurde sie nicht. Doch die Fluglärm-Gegner wollen beobachtet haben, dass Binningen seither weniger Überflüge erdulden muss als zuvor.

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