Jubiläum

Baselbieter prägte neue Freikirche massgeblich – nun jährt sich sein Tod zum 100. Mal

Jakob Erzberger zählt zu den Pionieren der Adventbewegung. Gestern jährte sich sein Todestag zum 100. Mal.

Christian B. Schäffler
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Auf dem Sissacher Friedhof beerdigt: Jakob Erzberger.

Auf dem Sissacher Friedhof beerdigt: Jakob Erzberger.

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Auf dem Sissacher Friedhof beerdigt: Jakob Erzberger.

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Jakob Erzberger wurde am 23. März 1843 in Seltisberg geboren. Sein Vater Heinrich war Posamenter und starb, als Jakob drei Jahre alt war. Zusammen mit der Mutter und den drei Brüdern Heinrich Theophil (*1835), Johannes (*1841) und Kornelius (*1845) zog er nach Liestal, wo die vaterlose Familie auf Sozialfürsorge angewiesen war. 1859 wurde Jakob in Liestal in der reformierten Kirche konfirmiert und bewarb sich um eine Stelle als Pförtner im Kantonsspital.

Dass ihm diese Stelle zugesprochen wurde, schrieb Jakob einer Fügung Gottes zu und legte ein Gelübde ab. 1864 löste er sein Gelübde ein und wurde Schüler in der Pilgermission St. Chrischona, einem in pietistischer Tradition stehenden Missionswerk. Dort bildete man junge Männer aus, um sie als wandernde Missionare auszusenden. Bereits nach dem ersten Studienjahr wurde er als Reiseprediger und Schriftenmissionar in den Berner Jura entsandt.

In Tramelan stiess er 1867 auf eine Gruppe sabbathaltender Christen und bekam dort Bibelunterricht. Als Erzberger im Herbst 1868 mit seinen neu gewonnenen theologischen Einsichten in die Missionsschule St. Chrischona zurückkehrte, machte ihm der Hausvater keine grosse Hoffnung, unter diesen Umständen sein Studium fortsetzen zu können. Der Schulinspektor Heinrich Rappard drückte dem Schüler alsbald sein Bedauern aus, dass er nicht im Seminar bleiben könne.

Zu Gast bei den Erfindern der «Kellogg’s Corn Flakes»

Erzberger beschloss 1868, der kleinen Gemeinde in Tramelan als Prediger zu dienen. 1869 entdeckte diese Gruppe Hinweise auf die Existenz der 1863 in den USA gegründeten Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten, deren Existenz in Europa damals noch unbekannt war. Sie nahmen brieflichen Kontakt auf und wurden eingeladen, einen Repräsentanten zur nächsten Tagung in die USA zu entsenden. So wurde 1869 Erzberger als Schweizer Delegierter zur Sitzung der Kirchenleitung nach Battle Creek (Michigan) entsandt.

Die weltweite protestantische Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten, mit heute 21 Millionen erwachsenen Mitglieder, geht auf eine Erweckungsbewegung in den USA in der Mitte des 19. Jahrhunderts zurück. Die theologische Mitte des Adventismus bilden die «Gute Nachricht» vom wiederkommenden Herrn (Endzeithoffnung), verbunden mit der biblischen Lehre des Sabbats als Ruhetag (Sabbatheiligung).

So reiste Erzberger, der kein Wort Englisch sprach, in ein Land, in dem er keinen Menschen kannte. Er wurde herzlich aufgenommen. Der junge Arzt John Harvey Kellogg gab ihm Englischunterricht. Dieser Kellogg (1852–1943) war – zusammen mit Bruder Will Keith Kellogg – der Erfinder der Erdnussbutter sowie der weltbekannten «Kellogg’s Corn Flakes».

Erste Publikationen im deutschsprachigen Raum

In den USA wurde Erzberger 1870 offiziell zum Prediger (Pastor) ordiniert und mit der Missionsarbeit in Europa betraut. Als er im selben Jahr in die Schweiz zurückkehrte, existierten bereits adventistische Gemeinden in Tramelan, Le Locle, La Chaux-de-Fonds, Fleurier, Biel, Buckten und Neuchâtel. 1875 besuchte Erzberger christliche Gruppen in Deutschland. Dort entstand 1875 im Raum Wuppertal die erste Gemeinde der Adventisten in Deutschland, deren Betreuung Erzberger übernahm. Zwischen 1876 und 1878 verfasste er die ersten adventistischen Publikationen im deutschsprachigen Raum.

Im Jahr 1903 verstarb Jakob Erzbergers Ehefrau Maria 53-jährig. Er war seit 1882 verheiratet und hatte zwei Söhne: Heinrich (*1884) und Jakob (*1886). Von 1904 an arbeitete er hauptsächlich als reisender Evangelist in Deutschland. Im Jahr 1905 heiratete er in zweiter Ehe Maria Pauline Kaufmann (*1862) aus Lahr, die sich nun um Besserung seiner bereits angeschlagenen Gesundheit bemühte.

1906 kehrte er in die Schweiz zurück. Geschwächt durch Krankheit verbrachte er seine letzten Lebensjahre in Gelterkinden, dann ab 1909 in Sissach, wo er am 13. Juli 1920 starb und auf dem dortigen Friedhof beerdigt wurde. Seine letzte Predigt hielt er am 24. April in der Adventgemeinde Sissach.

Offizielle Gedenkveranstaltung geplant

Sein Todestag jährt sich in diesem Jahr zum 100. Mal. Die für den 24. Oktober geplante offizielle Gedenkveranstaltung in Tramelan musste allerdings wegen Corona abgesagt werden. Sie hätte in der dortigen Kapelle stattgefunden, einem 1886 eingeweihten, unter Berner Heimatschutz stehenden Holzgebäude, das nach mehreren Besitzerwechseln 2014 von der Freikirche zurückerworben wurde.

Obwohl dem Evangelisten und Missionsstrategen Jakob Erzberger nie grössere Aufgaben in der Kirchenleitung übertragen wurden, zählt der Baselbieter heute zu den wichtigen Pioniergestalten der europäischen Adventbewegung.

Christian B. Schäffler ist Fachjournalist für Kultur und Religion und arbeitet seit Jahren für den Verein Inforel in Basel im Bereich Freikirchen.