Coronavirus

Baselbieter Altersheime testen Personal und Bewohner jetzt selbst auf Corona

Die Alters- und Pflegeheime sind darauf angewiesen, ihr Personal und ihre Bewohnerinnen und Bewohner möglichst rasch auf das Coronavirus testen zu können. Sonst droht ein Ausbruch. In Baselland dürfen Heime deshalb nun selbst Abstriche machen. Basel-Stadt wählt einen anderen Weg.

Michael Nittnaus
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Das Altersheim der Stiftung Hofmatt in Münchenstein mit Leiter Marc Boutellier ist das erste, dessen Personal geschult wird.

Das Altersheim der Stiftung Hofmatt in Münchenstein mit Leiter Marc Boutellier ist das erste, dessen Personal geschult wird.

bz

Ein grosses Ziel eint derzeit wohl alle Alters- und Pflegeheime der Region: «Besuchsverbote wollen wir so lange wie möglich verhindern», sagt Marc Boutellier. Der Leiter des Hofmatt in Münchenstein weiss noch genau, wie belastend der Lockdown im Frühling für die Bewohnerinnen und Bewohner war.

Tatsächlich darf in Baselland mit dem Aescher Alterszentrum Im Brüel aktuell bloss ein Heim auf Anweisung des Kantonsarztes keine externen Besucher mehr ins Haupthaus lassen. Im Hofmatt blieben die Bewohner – wie schon im Frühling – bisher ganz von Ansteckungen mit dem Coronavirus verschont. «Das ist ein Stück weit sicher auch Glück», sagt Boutellier. Allerdings habe es diesen Herbst nun sechs positive Fälle beim Personal gegeben. Vier Angestellte seien noch in Isolation, 20 in Quarantäne – zehn Prozent der Belegschaft.

Es zieht also wieder an. Um die Ausbreitung innerhalb eines Altersheimes möglichst zu verhindern, ist es besonders wichtig, Angestellte und Bewohner mit Symptomen schnell und unkompliziert zu testen. «Tempo ist alles im Kampf gegen das Virus», hält auch Daniel Bollinger, Präsident des Heimverbandes Curaviva Baselland, fest. Und genau da haperte es zuletzt immer öfter. «Zuletzt haben wir regelmässig zwölf Stunden und mehr verloren», erzählt Boutellier. Es dauere zusehends länger, bis die kantonale Teststation Spenglerpark informiert sei und ein mobiles Team im betroffenen Altersheim ankommt, um bei Bewohnern einen Nasen- und Mundrachenabstrich vorzunehmen. Mitarbeitende gingen bisher jeweils direkt ins Testzentrum.

Elf Baselbieter Altersheime sind bis jetzt an Bord

Das ändert sich nun. Curaviva und die Abteilung Alter des Baselbieter Amts fürs Gesundheit bestätigen Informationen der bz, wonach die 34 Alters- und Pflegeheime künftig selber Personal und Bewohner testen dürfen. «Damit kann die Testdauer erheblich verkürzt werden», sagt Gabriele Marty, Leiterin der Abteilung Alter.

Ziel sei, «diese besonders vulnerable Patientengruppe optimal zu schützen und Ausbrüche rasch zu lokalisieren, bevor sie sich ausbreiten». Bisher haben elf Baselbieter Heime ihre Teilnahme zugesichert. Den Pilotversuch führt das Hofmatt durch. Gestern durchlief Boutelliers erste Mitarbeiterin die Schulung im Spenglerpark. Heute Freitag kann sie bereits loslegen.

Die teilnehmenden Heime erhalten dieselbe Software wie das Testzentrum, sodass der Kanton den Überblick hat. Auch einen direkten Zugang zum Testlabor Viollier gibt es. Boutellier geht davon aus, dass er fünf Mitarbeitende schulen wird. Kein Thema ist bei diesem von Curaviva angestossenen Pionierprojekt – Baselland ist der erste Kanton, der die Heime so eng in das Testsystem integriert – jeweils die gesamte Beleg- und Bewohnerschaft der Heime durchzutesten. «Dafür bräuchten wir weiterhin Unterstützung durch den Kanton», so Boutellier.

In Basel werden Heime nur bei Massentests geschult

Genau umgekehrt möchte es Basel-Stadt künftig handhaben. Erst diesen Mittwoch sprach die «Interprofessionelle Expertenkommission zur Unterstützung der Langzeitpflege» eine Empfehlung an die 42 Basler Heime aus, wie Mitglied Klaus Bally der bz bestätigt: Das Heimpersonal soll explizit nur vom Labor Rothen geschult werden, wenn Serientests einer Station, eines Stockwerks oder des ganzes Hauses nötig würden. Und das auch nur unter der Woche und wenn das Labor oder der Hausarzt keine Kapazitäten haben.

Damit auch Einzeltests rascher gemacht werden können, erhalten die Heime einen direkteren Kontakt zu zwei Labors oder am Wochenende zum Notfalldienst der Basler Spitex. Bally erwartet denn auch, dass dieses Angebot vor allem an den Wochenenden genutzt werden wird.