Kritik
Bahnanschluss Euro-Airport: Fluglärm-Gegner verlangen Konzessionen

Der Schienen-Anschluss des Flughafens gerät unter Beschuss. Der Gemeindeverbund Flugverkehr befürchtet mehr Starts und Landungen, wenn der Euro-Airport künftig auch per Bahn erreichbar ist. Darum greift der Verbund auf eine alte Forderung zurück.

Benjamin Wieland
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Bahnanschluss an den Euro-Airport sorgt für Kritik
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Der Euro-Airport soll bis 2020 über einen Bahnanschluss verfügen.
Gemütlich mit dem Flugzug ohne Umsteigen zum Flieger.
Für die Kritiker soll der Bahnanschluss nur die Passagierzahlen hochtreiben.

Bahnanschluss an den Euro-Airport sorgt für Kritik

© Archi Graphi

Rund um den Euro-Airport geht die Angst um. Die Sorge der Anrainergemeinden: Ist der Flughafen erst einmal ans Schienennetz angeschlossen, fliegt bald die halbe Schweiz ab Basel. Dann würden Häuser entwertet – und es wäre endgültig vorbei mit der (Nacht-) Ruhe.

Allschwil sei entschieden gegen den EAP-Bahnanschluss. Das vermeldete am Montag der Gemeinderat. Dass sich die am stärksten vom Fluglärm betroffene Schweizer Gemeinde gegen eine Anbindung des EAP ans Schienennetz wehrt, verwundert kaum. Doch auch der Gemeindeverbund Flugverkehr (GVF) steht dem Infrastrukturprojekt äusserst kritisch gegenüber. So steht es in seiner Vernehmlassungsantwort zum Ausbauprojekt.

Im Papier, das der bz vorliegt, fordern die GVF-Gemeinden eine um zwei Stunden verlängerte Nachruhe. Der EAP solle auf Starts und Landungen zwischen 23 und 6 Uhr (heute 24 bis 5 Uhr) komplett verzichten und konkrete Prognosen zum erwarteten Fluggastwachstum vorlegen. Nur wenn der Flughafen den Nachtbetrieb «gemeindeverträglich regeln» könne, würde man dem Infrastrukturvorhaben zustimmen.

Airport Strasbourg ersetzen?

Der Flugverband repräsentiert rund 75 000 Menschen. Mitglieder sind Allschwil, Arlesheim, Binningen, Bottmingen, Hochwald, Reinach und Schönenbuch – Gemeinden, die unter den Flugrouten des EAP liegen. Die Vernehmlassungsantwort ist im Namen von fünf der sieben Mitgliedergemeinden verfasst. Reinach und Hochwald fehlen auf dem Briefkopf. Wie Reinach auf Anfrage schreibt, sei die Frist für die Stellungnahme zu knapp gewesen.

Im Gegensatz zu Allschwil äussert sich Binningen nicht selber zum Bahnanschluss. Die zuständige Gemeinderätin Eva-Maria Bonetti (FDP) sagt zur bz, es gebe keinen separaten Beschluss des Gemeinderats. Jedoch gebe die Vernehmlassungsantwort des Gemeindeverbunds die Haltung Binningens wieder. «Binningen steht dem Bahnanschluss grundsätzlich kritisch gegenüber», sagt Bonetti. «Wir erwarten, wie in der Vernehmlassungsantwort gefordert, von den Verantwortlichen weiterführende Informationen, um eine abschliessende Stellungnahme abgeben zu können.»

Wie eine Stellungnahme Binningens lauten könnte, lässt sich aus einem Schreiben der Gemeinde von 2013 zum Bahnanschluss-Vorgängerprojekt erahnen. Damals äusserte sich der Gemeinderat klar ablehnend, Grundlage war eine Richtplananpassung von Basel-Stadt, in welchem die neue Gleisanbindung vermerkt war. Binningen schrieb: «Der Bahnanschluss wird als zusätzlicher Motor für die beabsichtigte massive Kapazitätssteigerung am EAP eingesetzt.»

Der Gemeinderat befürchtete, dass insbesondere in den Nachstunden mehr Flugzeuge starten und landen würden – und der EAP gar sein französisches Einzugsgebiet erweitern wolle. Der Bahnanschluss schaffe die «Voraussetzung für die von Frankreich geplante Verlagerung des Flugverkehrs vom defizitären Flughafen Strasbourg nach Basel.» Es sei mit einem Passagierwachstum von bis zu einer Million oder sogar noch mehr zu rechnen.

Handelskammer hält dagegen

Neben Allschwil haben sich auch der Verkehrs-Club der Schweiz, die Baselbieter Grünen, die Basler GLP und die Commune Saint-Louis gegen die Pläne für den EAP-Gleisanschluss positioniert. Mitte September gaben Vertreter von SNCF und der Region Grand Est Details zum Vorhaben bekannt. So soll die Anbindung rund 250 Millionen Franken kosten. Die ersten Züge zwischen Bahnhof SBB und dem EAP könnten 2028 verkehren.

Die Handelskammer beider Basel (HKBB) kritisiert die Totalopposition gegen das Projekt. Direktor Martin Dätwyler sagt, die Fluglärmproblematik würde mit dem Bahnanschluss verknüpft. «Dabei geht es beim Schienenanschluss um die Verbesserung der Erreichbarkeit und des Komforts sowie um die Verlagerung von Fahrten von der Strasse auf die Schiene. Nicht zuletzt handelt es sich beim geplanten Flughafenbahnhof um ein Puzzleteil für die künftige S-Bahn.» Bereits heute sei der Flughafen eine Plattform, die täglich von rund 25 000 Menschen genutzt werde. «Das ist die Passagierfrequenz des Bahnhofs Chur. Das kann man nicht einfach ignorieren.»

Dätwyler räumt ein, dass der EAP attraktiver werde, wenn er mit der Bahn erreichbar sei. «Ein gewisser Impact wird vorhanden sein. Doch die Nachfrage ist da. Der Flughafen ist in der Vergangenheit auch ohne Schienenanschluss gewachsen.»

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