Landwirtschaft

Auf den Dinkel gekommen – Baselland hilft beim Durchbruch des Getreides

Der Anbau von Dinkel birgt grosses Potenzial für die hiesigen Bauern. In der Schweiz ist die Anfrage gross nach der Alternative für Weizen und die bisher bebaute Fläche schweizweit reicht nirgends hin.

Lucas Huber
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Baselland setzt auf den Anbau von Dinkel, denn die Schweiz leidet an Dinkelmangel.

Baselland setzt auf den Anbau von Dinkel, denn die Schweiz leidet an Dinkelmangel.

Die Schweiz leidet an einem Dinkelmangel. Denn im gesamten Land sucht die IG Dinkel – oder die Schweizerische Interessengemeinschaft zur Förderung des Dinkels in den angestammten Gebieten, wie sie im Ganzen heisst – händeringend nach zusätzlichen Anbauflächen. Weil die knapp über 3000 Hektaren, die im vergangenen Jahr bebaut wurden, nicht reichen, um die Nachfrage zu decken.

Denn die wächst, und zwar zünftig. Die Marke UrDinkel, unter der das alte Getreide ohne Einkreuzung von modernen Weizensorten vermarktet wird, boomt gehörig, angetrieben vom Zeitgeist bewusster Ernährung. Bekannt ist sie etwa von den ovalen Oblaten auf entsprechenden Broten.

10 153 Tonnen Dinkelkerne ganz genau, von den Mühlen vorbestellt für dieses Jahr, liest Thomas Kurth vom projizierten Bild an der weissen Wand der Aula des Landwirtschaftlichen Zentrums Ebenrain LZE in Sissach vergangenen Freitag ab. Hier trifft sich die IG Dinkel, deren Geschäftsführer Kurth ist, zu ihrer jährlichen Generalversammlung. Und das nicht zufällig: Baselland ist gewichtiges Anbaugebiet, nicht zuletzt wegen eines ganz besonderen Aushängeschilds aus Eptingen, doch dazu später.

Anstieg der Anbauflächen

Zwar wuchs die Dinkel-Anbaufläche im vergangenen Jahr um zwölf, die Bestellmengen gar um 15 Prozent. Doch aus agronomischer Sicht war 2016 ein Getreidejahr zum Vergessen; der nasse Frühling sorgte für die schlechteste Dinkelernte seit 2006. Die entstandenen Ausfälle führten zu Deckungslücken und diese wiederum zu Importen, die im vergangenen Jahr knapp die Hälfte des Absatzes deckten. Die Vorgabe der IG Dinkel wäre eigentlich ein Anteil der einheimischen Produktion von 80 Prozent.

Nun verzeichnet man auch in diesem Jahr einen Zuwachs der Dinkel-Anbauflächen, sechs Prozent genau. «Leider konnten wir unser Ziel von 15 Prozent nicht erreichen», erklärt der Geschäftsführer, «aber bei einer guten Ernte 2017 kommen wir gut hin.» Was bei einer schlechten Ernte wie 2016 geschähe, daran will er gar nicht denken. Es führte nämlich auch dazu, dass sich Produzenten vom Dinkel abwandten.

Region hilft beim Durchbruch

Diese Angst braucht er bei Werner Thommen nicht zu haben. Der Eptinger ist nicht nur Produzent, Müller und Direktvermarkter von Dinkel; er ist auch Goldmedaillengewinner mit seinem UrDinkel-Kernotto (geschälte Dinkelkörner), Schweizer Wettbewerb der Regionalprodukte 2015-2016. Thommen hat sich zum Dinkelpionier gemausert, zum Botschafter einer ganzen Branche und einem der Aushängeschilde der Baselbieter Landwirtschaft.

Der Eptinger Werner Thommen hat sich zum Dinkelpionier und zum Botschafter einer ganzen Branche gemausert.

Der Eptinger Werner Thommen hat sich zum Dinkelpionier und zum Botschafter einer ganzen Branche gemausert.

ZVG/Huber

«Er hat wertvolle Pionierarbeit geleistet, von der mancher Getreideproduzent in unserer Region profitieren kann», bestätigt LZE-Leiter Lukas Kilcher auf Anfrage. Überhaupt hätten die Bauern der Region dem Nischenprodukt Dinkel in den vergangenen Jahren zum Durchbruch verholfen.

Trotzdem ist der Dinkelanteil an der hiesigen Getreideproduktion klein, die 290 Hektaren wirken verschwindend klein, gegenüber den 1600 Hektaren Weizen etwa. Dennoch misst Kilcher dem Dinkel grosses Potenzial bei, besonders im Bio-Bereich: «Der Dinkelanbau nimmt in allen wichtigen Getreideregionen der Schweiz zu. Ich wünsche mir, dass die Baselbieter Produzenten das Potenzial erkennen und diese Marktchance nutzen.»