Rohner AG

Auch wenns teuer wäre – aufräumen müsste der Kanton

Der Konkurs der Prattler Rohner AG würde die öffentliche Hand einen zweistelligen Millionenbetrag kosten.

Daniel Haller
Drucken
Teilen
Die Rohner AG Pratteln: Solche Gebäude und Anlagen von Chemie zu befreien kostet viel Geld.

Die Rohner AG Pratteln: Solche Gebäude und Anlagen von Chemie zu befreien kostet viel Geld.

Kenneth Nars

Life Sciences als «Klumpenchance» für die Region Basel – das mag zutreffen, solange die Unternehmen florieren. Der Fall des Prattler Pharma-Zulieferers Rohner AG zeigt aber auch: für die öffentliche Hand bestehen millionenschwere Risiken.

Der Zustand, in dem das Baselbieter Sicherheitsinspektorat die Firma Rohner im Januar 2016 antraf, muss beängstigend gewesen sein. Der Regierungsrat spricht in seiner aktuellen Antwort auf eine Interpellation von Landrat Jürg Wiedemann (Grüne-Unabhängige) von «erhöhten Lagermengen von Produktionsabfällen auf dem Firmengelände», darunter auch «Abfälle mit höherem Gefahrenpotenzial». Letzteres wurde mit der Explosion vom 16. Februar 2016 augenfällig.

Verschärfend kam hinzu, dass das Geld für eine ordnungsgemässe Entsorgung der gefährlichen Abfälle fehlte: Gläubiger hatten die Rohner AG, wie die «Schweiz am Sonntag» schrieb, mit Betreibungen in der Höhe von 5,7 Millionen Franken überzogen. Selbst Anfang März 2017 klebte an der Magnettafel der ARA Rhein – sie nahm zeitweilig Rohner-Abwässer nur gegen Vorkasse an – ein Post-it-Zettel: «Fall Rohner: – Vereinbarung, – Berechnungen, – Plan B wenn Konkurs».

Teures Aufräumen

Nun, da die Rohner AG überlebt hat, kann der Kanton vorerst aufatmen: Bei einem Konkurs gingen bei Rohner nicht nur 230 Arbeitsplätzen verloren. Je nachdem wie die Liquidation verläuft, bestünde auch das Risiko, dass die Gläubiger das Firmenareal nicht in die Konkursmasse aufnähmen, weil sie die Entsorgungskosten scheuen. Dann würde das Areal an den Kanton fallen, und dieser müsste aufräumen.

«Dabei fallen finanziell weniger die Altlasten im Boden ins Gewicht», erklärt Alberto Isenburg, Leiter des kantonalen Amts für Umwelt und Energie (AUE). Diese würden aktuell saniert, indem man Luft in den Boden bläst, welche die chlorierten Kohlenwasserstoffe aus dem Grundwasser entfernt.

«Vielmehr verursacht es enorme Kosten, Gebäude und Anlagen von allen chemischen Rückständen zu befreien.» Isenburg spricht von einem «zweistelligen Millionenbetrag» und verweist auf das Beispiel der Sanierung der ehemaligen Chemie-Areale im Basler Klybeck.

Betreibungen weitgehend abgebaut

Mittlerweile hat sich die Rohner AG gemäss CEO Daniel Pedrett erholt: «Wir waren 2016 profitabel.» Die Betreibungen seien «weitestgehend abgebaut. Das Volumen der ausstehenden Rechnungen ist mittlerweile wieder auf ein normales Niveau reduziert worden, in diesem Jahr haben wir keine neuen Betreibungen mehr erhalten.»

«Die Problematik mit den Sonderabfällen ist gelöst», betont Pedrett. Die «temporär höheren Bestände auf dem Hof» seien abgebaut. «Der aktuelle Status zeigt, dass die mit den Behörden per Ende März gesetzte Zielmarke vollumfänglich eingehalten werden wird.» Der CEO betont, dass die ARA Rhein das Abwasser kontinuierlich abgenommen habe.

Im Gegensatz dazu hatte die Baselbieter Regierung in der Antwort auf eine Interpellation der Landrätin Kathrin Schweizer (SP) im März 2016 geschrieben, ein Entsorgungsunternehmen habe «die Annahme von Abfällen der Firma Rohner eingestellt» und nehme diese nur noch gegen Direktzahlung an. «Die Firma Rohner lagert diese Abfälle aktuell auf ihrem Betriebsareal».

Wie dem auch sei: Heute erklärt Peter Müller, Geschäftsführer der ARA Rhein, man habe eine Lösung gefunden: «Rohner bezahlt monatlich die in Rechnung gestellten Beträge für die Reinigung ihrer Abwässer innerhalb von 30 Tagen.» Dadurch sei keine Vorauszahlung mehr notwendig. «Die Tilgung der Schulden läuft zur Zeit ebenfalls.»