Sotax AG

Auch Pillen gehen durch den Magen

Der rasch wachsende Weltmarktführer für Tabletten-Testgeräte ist von Allschwil nach Aesch umgezogen. «Nun haben wir wieder alles unter einem Dach», erklärt Rolf Benz, CEO und Verwaltungsratspräsident.

Daniel Haller
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Um zuverlässig messen zu können, wie sich eine Tablette im Magen verhält, ist erheblicher technischer Aufwand erforderlich.

Um zuverlässig messen zu können, wie sich eine Tablette im Magen verhält, ist erheblicher technischer Aufwand erforderlich.

Kenneth Nars

Viel Glas und Sichtbeton: Die Sotax AG signalisiert mit ihrem neuen Hauptquartier in Aesch Aufbruchstimmung. Der bisherige Firmensitz in Allschwil war dem raschen Wachstum der letzten fünf Jahre nicht mehr gewachsen. «Dort mussten wir ringsum Räume hinzumieten. Nun haben wir wieder alles unter einem Dach», erklärt Rolf Benz, CEO und Verwaltungsratspräsident der Sotax-Gruppe.

Nicht nur die Liebe, sondern auch Tabletten gehen durch den Magen. Während Emotionen schwer zu fassen sind, will man es bei der Tablette genau wissen: Wie schnell löst sie sich auf, wie schnell setzt sie die Wirkstoffe frei? Dies je nach therapeutischer Absicht unterschiedlich, aber in jedem Fall exakt zu steuern ist das Ziel jedes Pharmaherstellers. Dafür benötigt er exakte Mess-Methoden: zuerst, um die Tabletten zu entwickeln, und dann, um die Produktion zu überwachen. Die Entwicklung und die Produktion solcher Systeme ist das Kerngeschäft der 1973 gegründeten Sotax AG.

Gesamtpaket aus einer Hand

«Wir liefern nicht nur Geräte, sondern bieten Lösungen an», betont Benz. Dies beginnt mit dem Institut SPS Pharma Services in Orléans (F), das zur Sotax-Gruppe gehört und einerseits in Kooperation mit Universitäten wissenschaftlich arbeitet, andererseits im Auftrag Messreihen für Kunden durchführt. Je nach Problemstellung liefert SPS Pharma Services Machbarkeitsstudien, die dann gemeinsam mit dem Kunden zur Entwicklung neuer Messmethoden und Geräte führen können.

Sind die Geräte – Hard- und Software – geliefert, steht Sotax für Ausbildung und Training bereit, kümmert sich um die obligatorische periodische Validierung und den Unterhalt. Der Service macht mehr als ein Viertel des Umsatzes aus. «Dieses Rundumpaket unterscheidet uns von unseren Konkurrenten», betont Benz. Zudem seien diese entweder geografisch weniger global vertreten, oder sie beschränken sich technisch auf enger gefasste Spezialitäten. «Sotax hat hingegen eine optimale Grösse, um einerseits weltweit den Verkauf zu organisieren, andererseits als Familienunternehmen Entscheide rasch fällen zu können.»

Konkurrenten übernommen

Einer dieser Konkurrenten war die ursprünglich in Solothurn gegründete, später nach Thun verlegte Dr. Schleuniger Pharmatron AG. Diese habe technisch hochwertige Testgeräte für die physikalischen Eigenschaften – Härte, Gewicht, Masse – von Tabletten entwickelt. Doch um dann den weltweiten Vertrieb zu organisieren sei sie zu klein gewesen. Deshalb übernahm Sotax 2013 die Firma. «Wir vertreiben nun zwei Marken unter dem gleichen Dach», erläutert Benz:

Die Pharmatron-Geräte kommen vor allem in der Produktion zum Einsatz, wo sie stichprobenweise automatisch Tabletten testen. Sobald sich die physikalischen Eigenschaften der Prüflinge verändern, können zur Vermeidung von Ausschuss in Echtzeit entsprechende Gegenmassnahmen im Herstellungsprozess ergriffen werden – oder die Maschinen werden im schlimmsten Fall sogar gestoppt.

Unter der Marke Sotax laufen die Systeme, welche die Auflösung der Tabletten im Magen simulieren. 2014 kam eine neue Generation auf den Markt, die es den Kunden ermöglicht, zuerst ein manuell bedientes Gerät zu kaufen und dieses später bei Bedarf durch Module so zu ergänzen, dass er am Schluss eine vollautomatische Anlage mit integrierten Überwachungskameras hat.

«In Kombination ermöglichen die beiden Produktlinien, dass sich für Sotax in der Qualitätskontrolle sowie bei der Überwachung laufender Produktionsprozesse neue Wachstumsmöglichkeiten erschliessen», beschreibt Benz die Perspektiven.

Expansion nach Indien

In Aesch wird Sotax neben den zentralen Hauptsitz-Funktionen auch die Serienproduktion sowohl der eigenen als auch der Pharmatron-Geräte konzentrieren. Der bisherige Pharmatron-Sitz in Thun wird ein Kompetenzzentrum für Forschung und Entwicklung sowie für die Montage der Vollautomaten.

Dabei verlässt sich Benz bei den zentralen Komponenten auf Zulieferer in der Nähe. Der Frankenkurs zwinge aber auch Sotax dazu, für Standard-Komponenten sich nach Lieferanten im Ausland umzusehen. Waren vor fünf Jahren 140 Personen für Sotax tätig, hat sich seither die Zahl der Stellen auf weltweit 220 veranderthalbfacht: 86 Stellen sind in Aesch, deren 14 in Thun, hinzu kommen weitere 50 in der Produktionsstätte in den USA und 34 in der Niederlassung in Indien. Letztgenannte wurde ursprünglich für Verkauf und Service gegründet, da man in der Nähe der Kunden bleiben wollte. In naher Zukunft – anfangs 2016 – produziert Sotax eine Gerätelinie spezifisch für indische Kunden, um diesen Wachstumsmarkt als «lokaler» Hersteller mit einfachen, vor Ort hergestellten Systemen weiter erschliessen zu können.