Abstimmung
Seewen verpasst dem Gemeinderat eine schallende Ohrfeige – an den Strukturen soll sich nichts ändern

Das Stimmvolk lehnte an der Urne die Totalrevision der Gemeindeordnung wuchtig ab. Damit bleiben die Gemeinderäte im Schwarzbuben-Dorf auch künftig gleichzeitig strategisch und operativ tätig.

Dimitri Hofer
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In Seewen kommt es nicht zu einer Stärkung der Verwaltung.

In Seewen kommt es nicht zu einer Stärkung der Verwaltung.

Kenneth Nars

Einen derart umstrittenen Urnengang hat Seewen noch nie erlebt: Die Totalrevision der Gemeindeordnung, die eine Verschiebung von Kompetenzen von den Gemeinderäten zur Verwaltung vorsah, spaltete das Dorf. Auch die Umstände sorgten für Misstöne, da der Rat entschieden hatte, die Seewner über die Vorlage nicht an einer Gemeindeversammlung, sondern mittels einer Volksabstimmung befinden zu lassen.

Gemeinderäte sind auch weiterhin operativ tätig

An der Urne scheint sich dies nun gerächt zu haben. Wobei: Tatsächlich an die Urne gingen nur fünf der 348 Stimmberechtigten, die an der Abstimmung teilnahmen. Der allergrösste Teil der Seewner hatte den Stimmzettel bereits im Vorfeld brieflich eingereicht. Mit 120 Ja- zu 220 Nein-Stimmen lehnten sie die Revision wuchtig ab. Die Stimmbeteiligung betrug knapp 43 Prozent. Damit ändert sich in der kommenden Legislatur, die bereits am 1. November beginnt, bei den Aufgaben der Gemeinderäte nichts. Sie werden weiterhin strategisch und operativ tätig sein. Die operativen Aufgaben wären bei einer Annahme zur Verwaltung übergegangen.

Der grösste Verfechter der Totalrevision war Gemeindepräsident Simon Esslinger. Der Sozialdemokrat wurde im Juni abgewählt und gehört ab November der Exekutive noch als Gemeinderat an. Zur Schlappe sagt er:

«Die Zeit war wohl noch nicht reif. Die bewahrenden Kräfte im Dorf sind ihren Parteien gefolgt. Eine unabhängige, starke Verwaltung wäre eine Chance für Seewen gewesen.»

Die FDP und CVP, die auch künftig zusammen vier Gemeinderäte stellen, hatten sich gegen die neue Gemeindeordnung ausgesprochen. Der Verwaltungsapparat werde überdimensioniert und mit einer Struktur, wie sie die Totalrevision mit sich gebracht hätte, wäre man im Schwarzbubenland ein Einzelfall, schrieb die FDP in der Stellungnahme zu Vernehmlassung.

Stimmberechtigte lehnten auch Sanierungen ab

FDP-Gemeinderätin Jeannette Itin betont, dass sie mit beiden Gemeindeordnungen hätte leben können. Gleichzeitig sagt sie:

«Dass aber auch zwei Sanierungsprojekte abgelehnt wurden, hat mich überrascht und enttäuscht.»

Die Seewner schmetterten gestern nicht nur die Gemeindeordnung, sondern auch die Sanierung des Bürenwegs und der Lehmgrubenstrasse sowie den Neu- und Sanierungsbau des Spielplatzes klar ab.

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