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Ja zu Agrar-Initiativen führt zu mehr Einkaufstourismus, warnt Gegenkomitee

Am 13. Juni stimmt die Schweiz über die Pflanzenschutz- und die Trinkwasser-Initiative ab. Die zwei Begehren seien viel zu extrem, warnt das Gegenkomitee beider Basel. Mit der Umsetzung der Forderungen würde gerade die Landwirtschaft in der Region stark zu leiden haben.

Benjamin Wieland
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Das Gegenkomitee befürchtet, dass bei der Annahme der Trinkwasser- und der Pestizid-Initiative etliche Landwirtschaftsbetriebe aufgeben müssten.

Das Gegenkomitee befürchtet, dass bei der Annahme der Trinkwasser- und der Pestizid-Initiative etliche Landwirtschaftsbetriebe aufgeben müssten.

bwi

Es war keine Absicht, gewiss nicht. Doch der Versprecher brachte wohl die Gemütslage vieler Landwirte in der Region bestens zum Ausdruck. Völlig unnötig, sagte ein Vertreter des Gegenkomitees, seien sie, die beiden Agrar-Initiadoofe.

Er korrigierte sich zwar sogleich. Doch in der Botschaft waren sich alle neun Referentinnen und Referenten einig, die gestern auf den Schlosshof nach Pfeffingen kamen anlässlich der Medienkonferenz des regionalen Komitees «2x Nein zu den extremen Agrar-Initiativen»: Die zwei Begehren, über welche die Schweiz am 13. Juni abstimmt, seien gerade für die Landwirtschaft in der Nordwestschweiz nicht gut. Die einheimische Lebensmittelproduktion würde massiv sinken, damit auch der Selbstversorgungsgrad der Schweiz – und nicht zuletzt gingen Arbeitsplätze verloren: wegen Betrieben, die aufgeben müssten, aber auch, weil der Einkaufstourismus infolge der nochmals steigenden Preisdifferenz weiter anziehe.

Künftig nur noch Bio-Lebensmittel in den Ladenregalen?

Marc Brodbeck, Präsident des Bauernverbands beider Basel, präsidiert das Nein-Komitee für Baselland und Basel-Stadt. Er warnte, mit Annahme der Pestizid-Initiative hätten die Konsumenten keine Wahlfreiheit mehr: «Schon heute kann jede und jeder biologische Landwirtschaft fördern, indem man diese Produkte kauft.»

Bislang hat Bio aber erst einen Anteil um 11 Prozent. Doch der würde auf 100 Prozent steigen mit der Umsetzung der Pestizid-Initiative. Sie verlangt ein Verbot von synthetischen Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft. Auch dürften keine Lebensmittel mehr importiert werden, die mit künstlichen Insektiziden, Herbiziden, Fungiziden und Wachstumsförderern behandelt worden sind.

Die Trinkwasser-Initiative verlangt, dass grundsätzlich nur noch jene Betriebe Direktzahlungen des Bundes erhalten, die auf Pflanzenschutzmittel verzichten, weitgehend auch auf zugekauftes Futter und Antibiotika.

Prominenter Biobauer wirbt für zweifaches Nein

Biolandwirte erfüllen die Forderungen bereits und könnten sich eigentlich zurücklehnen. Dem sei aber nicht so, sagte Hannes Schweizer, Biobauer und alt Landrat der SP. «Es erstaunt vielleicht, dass sich ein linker Biobauer für ein Nein zu diesen zwei Initiativen einsetzt», sagte er. «Doch ich habe mich immer gegen extreme Forderungen gestellt.» Die meisten Betriebe könnten nicht auf die Direktzahlungen verzichten. Die Trinkwasser-Initiative würde jedoch höhere Anforderungen an die Produktion implementieren als bei einem Demeterbetrieb. Für Schweizer steht fest:

«Das ist aus meiner Sicht klar eine extreme Forderung.»

Laut Umfragen gäbe es heute ein knappes Ja zu den Agrar-Initiativen. Auch wenn die Initianten beschwichtigen, die Auswirkungen seien nicht so extrem wie dargestellt, steigt die Nervosität. Der Abstimmungskampf wird gehässig. Die Urheberin der Trinkwasser-Initiative, Franziska Herren, wird bedroht (siehe bz von gestern Dienstag), Befürworter berichten von zerstörten Plakaten.

Auch in Pfeffingen war zu spüren: Es geht um viel. Betriebe fürchten um ihre Existenz, ein Berufsstand fühlt sich als Sündenbock abgestempelt. So warnte auch die Baselbieter CVP-Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter, man dürfe nicht das Kind mit dem Bade ausschütten. Marc Brodbeck sagte, schon heute würden 98 Prozent der 900 Betriebe in beiden Basel den ökologischen Leistungsnachweis erfüllen. Der Wandel brauche viel Zeit.

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